Bloggen auf Facebook?!

Ich gehöre nicht zu den Digital Natives. Ich bin erst seit etwa zwei Jahren bei Twitter angemeldet und noch kürzer bei Facebook. Ich war früher sehr viel in Foren unterwegs. Ich habe erst mit „diesem Twitter“ angefangen, bevor ich auch mein Blog hier eröffnet habe…

Vor einiger Zeit wurde von einem „Generationenkonflikt im Web 2.0“ gesprochen, bei dem festgestellt wurde, dass die jungen Leute, die Digital Natives, immer weniger bloggen, dafür viel aktiver bei Facebook sind. Es kam zu Diskussionen, die Bloggen gegen Facebook und Twitter stellten. Auch wenn diese Diskussion evtl. gar nicht nötig ist, wie Robert Basic feststellte.

Wie ist das denn nun? Bloggen die Digital Natives nicht mehr? „Facebooken“ sie nur noch? Bei Twitter ist das Durchschnittsalter auch nicht gerade jugendlich. Mir ist jedoch in letzter Zeit gerade bei den jüngeren Kontakten in meiner Facebook-Timeline etwas aufgefallen:

Die Facebook-Notes werden immer häufiger dazu genutzt, die eigenen Gedanken und Ideen niederzuschreiben – in ähnlicher Form wie oft in „normalen“ Blogs. Dabei unterscheiden sich die Notes gar nicht so sehr von Blogbeiträgen und sind auch gleich noch archiviert. Dazu ist kein spezielles CMS nötig (auch wenn Posterous oder WordPress denkbar einfache CMS sind) und nicht einmal ein weiterer Account. Gut, vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass die drei Kontakte, die das machen aus Frankreich sind, da scheint man teilweise etwas weiter zu sein als hier in Deutschland…

Aber auch hier in Deutschland sind mir schon Beispiele von Bloggen bei Facebook begegnet. Es gibt da einen Dozenten an unserer Hochschule, der auch in der deutschen PR-Szene relativ bekannt sein sollte: Klaus Kocks. Auch er ist bei dem blauen Datenkraken aktiv und nutzt Facebook als Plattform für seine eigene Kolumne. Er verfasst täglich kurze Texte und lädt sie als Bildbeschreibung hoch. So wird der Text direkt mit seinem Bild verknüpft und ebenfalls archiviert, man kann (so man Herrn Kocks als Facebook-Kontakt hat) seine Fotos durchsehen und sich seiner Texte erfreuen. Dies ist im Prinzip auch eine Blog-Form und stellt für mich die zweite Möglichkeit des Bloggens bei Facebook dar.

Meiner Meinung nach gibt es also durchaus Möglichkeiten auf Facebook zu bloggen und vor allem die Digital Natives, die nachrückende 2.0-Generation nutzt diese auch schon. Während wir noch mit RSS-Feeds zu Facebook und ähnlichem Arbeiten, verlassen sie Facebook gar nicht erst. Mit allen Vorteilen, aber natürlich auch mit den Nachteilen.

Was bedeutet das aber für die Zukunft? Wird es bald wirklich nur noch Google, Apple und Facebook im Netz geben? Werden die Unternehmen mit ihren Facebook-Seiten auch ihre Corporate Blogs bei Facebook hosten? Welche Macht und welche Informationen übergibt man Facebook damit? Und wenn Google und Facebook sich immer weniger mögen, welche Auswirkungen hat das auf die Suchmaschinen-Optimierung? Suchmaschinen könnten dadurch an Relevanz immer weiter verlieren, gilt Facebook doch heute schon als großer Traffic-Lieferant.

Ich für meinen Teil bleibe vorerst bei WordPress, die Möglichkeiten bei Facebook sind doch noch sehr begrenzt. Aber wenn es dem blauen Riesen einfallen sollte, da etwas auszubauen…

Was gute Musik und Social Media gemein haben

Gute Musik verbindet. Menschen verschiedensten Alters, Herkunft, Religion. Gute Musik vereint sie. Das ist nichts neues und weithin bekannt.

So ähnlich sieht es mit dem Social Web aus. Auch das Social Web verbindet Menschen. Ganz klar in Social Networks, aber auch weniger sichtbar durch das Lesen und Veröffentlichen von Blogbeiträgen, bzw. deren Kommentierung. Im Social Web gibt es keine (oder kaum) Grenzen, Alter und Herkunft sind nur selten relevant. Natürlich spiegelt auch das Social Web (bzw. das Internet insgesamt) nur einen Teil der tatsächlichen Realität wieder. Leider auch mit all den Schattenseiten der Realität. Dennoch bringt das Social Web Menschen zusammen wie gute Musik.

Und nun sind da Unternehmen, die versuchen diese Vereinte Menge anzusprechen, mit ihnen zu interagieren. Übertragen auf die Musik, geben diese Unternehmen also Konzerte. Und wie bei Konzerten, ist es auch bei Social Web Engagements von Unternehmen die Planung der wichtigste Punkt. Doch jeder, der Konzerte besucht hat, vor allem schlechtere, weiß wie wichtig es ist, das Künstler auf ihr Publikum reagieren. Wenn man nach der Vorband das Publikum zu lange warten lässt, wird es unruhig. Liefert man eine schlechte Show ab, wird das Publikum unruhig. Geht man auf das Publikum nicht ein, kann es im Desaster enden.

Ähnlich ist es im Social Web. Wenn Unternehmen so weit sind und mit einer guten Planung und Strategie im Social Web starten, ist es wichtig auf die Reaktionen dort zu achten! Wenn die eigenen Bemühungen nicht ankommen, sollten Unternehmen darauf achten, was die User möchten, was sie anspricht. Wenn Unternehmen nur von sich selbst reden und im Prinzip nur Werbung abliefern, werden die User unruhig. Monitoring ist daher für jede Aktivität im Social Web elementar. Gehen die Unternehmen nicht auf die Kritiken ein, wird ihr Engagement im schlimmsten Fall auch im Desaster enden. Beispiele hierfür gibt es bereits zuhauf.

Planung, Strategie und kontinuierliches Monitoring. Dies sind grundlegende Voraussetzungen, um überhaupt erfolgreich im Social Web aktiv zu sein. Genau wie bei einem Konzert. Und wer eine gute Show liefert, bekommt zum Dank begeisterte Fans, die einem die Treue halten.

Wie wichtig ist ein „Personal Design“?

Corporate Design ist für Unternehmen etwas sehr wichtiges. Es werden viele Ressourcen für ein gutes und später auch einheitliches Design aufgewendet. Alles mit dem Ziel wiedererkannt zu werden und möglichst positive Assoziationen zu wecken. Das gilt sowohl für Unternehmensniederlassungen und Offline-Aktivitäten, wie auch für Online-Auftritte und Social Media Aktivitäten. Man möchte als Unternehmen schließlich wiedererkannt werden.

Wie ist es denn, wenn man als Privatperson im Social Web aktiv ist? In einem früheren Beitrag erwähnte ich, dass viele meiner Kommilitonen, oder Studenten allgemein, noch nicht im Social Web angekommen seien und in einem späteren Beitrag habe ich meine Ideen für den Einsatz von Social Media für Privatpersonen geschrieben. Vor allem Facebook und Twitter bieten sich (vor allem in der Kommunikationsbranche) an. Zur Frage ob man Facebook rein privat oder auch „beruflich“ nutzen sollte, habe ich hier etwas geschrieben.

Es wird also deutlich, dass ich überzeugt bin, dass vor allem Studenten, die später einen Job suchen, sich mit Hilfe des Einsatzes von Social Media bereits bei potentiellen Arbeitgebern bekannt machen können. Doch bei Online-Präsenzen von Privatpersonen sollte ein Thema auch bedacht werden: Das (analog zum Corporate Design) „Personal Design“. Also wie die verschiedenen Präsenzen gestaltet werden.

Und das beginnt für mich beim Namen. Es bringt meiner Meinung nach nicht viel, wenn man im einen Network mit einem Pseudonym (das war mal angesagt!) unterwegs ist und im anderen Network mit einem anderen Pseudonym, oder aber mit Klarnamen, unterwegs ist. Denn häufig gibt es Kreuzmengen bei den verschiedenen Networks, Leute also, die man in beiden (oder mehr) Netzwerken als Kontakt hat. Bei unterschiedlichen Namen, wird es daher schwer, die Transferleistung vom einen zum anderen Network zu vollziehen. Unternehmen haben das schon lange verstanden und seit Facebook wird die Nutzung des Klarnamens auch immer üblicher.

Nach einem einheitlichen Namen (Branding) sollte dann ein einheitliches Bild genutzt werden. Ich persönlich benutze ein Bewerbungsfoto bei Xing, wie wohl die meisten, aber auch bei Twitter und Facebook. Das sind die drei „großen“ Networks, bei denen ich aktiv bin. Vor kurzem habe ich versuchsweise mein Facebook-Profilbild geändert. Das Foto war ein geshopptes Portraitfoto von mir, das so ziemlich das Gegenteil eines Bewerbungsfotos darstellte. Gespannt war ich auf die Reaktionen meiner Kontakte, vor allem der Kontakte, die mich nicht persönlich durch Schule, Studium oder ähnliches bereits kannten. Es gab tatsächlich ein paar Reaktionen, leider nur wenige aus der eigentlichen „Zielgruppe“. Viele fragten, ob das Bild aktuell sei und warum ich so ein „böses“ Bild eingestellt habe. Hier zeigt sich also, dass ein „gutes“ also ansprechendes Bild vorteilhaft zu sein scheint. Aber eine Reaktion aus der „Zielgruppe“ also eines Kontaktes, der mich ausschließlich online kennt, dafür aber bei allen drei Networks mit mir im Kontakt steht, hat meine Vermutung bestätigt.

Was war geschehen? Vor allem bei Twitter tausche ich mich häufiger mit diesem „beruflichen“ Kontakt aus. Bei Facebook habe ich hin und wieder Statusupdates kommentiert, ein richtiger Austausch wie bei Twitter war noch nicht geschehen. Das änderte sich, als ich mit dem „neuen“ Profilfoto ein Update kommentierte. Ich erhielt eine Nachricht, die genau das bestätigte, was ich vermutete: Auf Grund des Bildes wurde keinerlei Bezug zu mir auf Twitter hergestellt! Mehr noch, das Bild bei Twitter (Bewerbungsbild) scheint ansprechend zu sein, das bei Facebook stieß dagegen auf klare Abneigung. Für mich die Bestätigung, die ich suchte. Und der Zeitpunkt, endlich wieder mein normales Profilbild einzustellen.

Was ich mit der ganzen Geschichte sagen möchte: Unternehmen haben verstanden, wie sie sich bei ihren Zielgruppen ins Gedächtnis verankern können. Sie achten darauf ansprechend und leicht wiedererkennbar zu sein. Und davon können sich die Leute, die versuchen sich Online in ihrem Gebiet zu positionieren und für potentielle Arbeitgeber auffindbar machen möchten einiges abgucken.

Twittwoch Düsseldorf – Afterglow

Vor etwa 24h endete der zweite Twittwoch Düsseldorf (#twd, hier noch Gratulation zum trending topic!) und ich hatte Zeit, die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.

Dieses Mal haben Johannes Lenz und André Paetzel zwei bekannte Twitterer zu ihrer Meinung niemand geringeres als das deutsche Online-Gesicht von Google, Stefan Keuchel und  der Lawblogger Udo Vetter stellten sich den Fragen und gewährten einen Einblick in ihre Twitter-Erlebnisse. Heraus kamen peinliche Twitter-Erfahrungen, die Erkenntnis, dass weibliche Twitterer einen hübschen Avatar wählen sollten, wenn sie von Udo Vetter zurückgefolgt werden möchten und die Grenze der 1000 Followings eine magische Marke darstellt.

Die Twittwall war dieses Mal auch nicht so hinderlich, wie beim ersten Mal. Nach dem kurzen Interview durften die Gäste sich an dem, freundlicherweise von der Landesanstalt für Medien NRW bereitgestellten Buffet gütlich tun. Vielen Dank an dieser Stelle! So begann das Offline-Connecten, einer der wesentlichen Gründe für mich, solche Events zu besuchen.

Ich habe viele interessante Namen meiner Timeline getroffen und konnte bereits bekannte wiedersehen. Dieses Mal habe ich es sogar geschafft, Leute zu treffen, bei denen es beim letzten Twittwoch nicht geklappt hat, auch ohne die Hilfe von Daniel! Da ich bereits in Begleitung von Michael und Markus zum Twittwoch erschien, konnten wir uns auf dem Rückweg bereits über unsere Eindrücke austauschen. Das Fazit insgesamt war: Es hat sich wiedereinmal gelohnt!

In diesem Sinne freue ich mich noch viel mehr auf die re:publica 2011 im April 2011. Ich hoffe dort noch viel mehr interessante Leute aus meiner Timeline und solche, die ich noch gar nicht entdeckt habe zu treffen. Also sorgt dafür, dass ihr dort seid!

Zum Schluss noch einen Gruß an die, die ich treffen durfte: Tim Krischak, Beate Wiedner, Johannes Lenz, Jochen Mai, Thomas Koch, Anja Stagge, Markus Umbach, Arnold Melm, Björn Eichstädt, Nadia Zaboura und Udo Vetter. Natürlich auch Markus Sekulla und Michael Waning, meine Begleiter. Bis zum nächsten Mal!

Uns bleibt ja noch Berlin… oder: Wir sehen uns auf der #RP11!

Immer wieder merke ich, dass ich hier doch etwas in der Provinz wohne. Nun, nur noch 1 1/2 Semester und ich sollte meinen Bachelor haben. Wohin es mich danach verschlagen wird, weiß ich zwar noch nicht, aber sehr wahrscheinlich weg von hier.

Es gibt viele Leute, die ich über Twitter, Facebook oder Blogs kennengelernt habe, aber noch nicht offline getroffen habe. Schade, denn der Austausch übers Netz ist sehr angenehm und da wäre es doch interessant, sich auch einmal offline gegenüberzustehen (alternativ auch sitzen). Doch die räumliche Entfernung macht da oft einen Strich durch die Rechnung.

Aber jetzt gibt es einen Lichtblick. Er liegt ausgedruckt vor mir: Mein Ticket zur Re:publica 2011 im April. Zu spät für die Early-Bird-Bloggertickets, habe ich mir ein Blogger-Ticket gegönnt und freue mich jetzt schon, viele Leute aus meiner Timeline zu treffen!

Neben der Treffen bin ich aber natürlich auch schon auf die verschiedenen Vorträge und Events gespannt. Und natürlich freue ich mich darauf, nach dann knapp 2 Jahren einmal wieder in Berlin zu sein, wenn auch nur kurz. Also, wer noch kein Ticket hat, schaue doch hier vorbei, vielleicht sehen wir uns dann im April 2011?

Wer den Schaden hat? – Publicis und YouTube

Am 15. November 2010 veröffentlichte Publicis auf ihrem YouTube Channel ein kleines Video. Ein Video, dass auf humorvolle Art zeigen sollte, dass die Publicis Jungs und Mädchen nun auch twittern. Dass über deren Twitteraccount bis dahin gerade mal einen einzigen Tweet abgeschickt hatte, hielt sie nicht davon ab einen „mutigen“ Titel für ihr Video zu wählen: „Check out how Publicis Groupe roars on Twitter“. Entsprechende Reaktionen von anderen ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Hier ihr Video:

 
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=MpdqQ0ROpYo&fs=1&hl=de_DE]
 

Doch dass im Social Web nicht immer alles so läuft, wie geplant und manch kreative Leute sich die mehr oder weniger aufwändig produzierten Videos schnappen und leicht verändern können (dabei selten zum Wohlfallen der Urheber), musste nicht nur RWE feststellen. Nein auch Publicis darf sich (nach nur einem Tag!) nun in die Reihe derer gesellen, die mit einem kleinen Fake-Video geehrt wurden. Das Resultat könnt ihr euch hier ansehen:
 
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=KOVbOF7FAk8&fs=1&hl=de_DE]
 
Wir dürfen gespannt sein, welches Video mehr Views bekommen wird. Und wie Publicis (wenn überhaupt) reagieren wird. Vielleicht hilft es indirekt sogar?

DB bei Facebook – Eine Diskussion

Die Deutsche Bahn wird viel diskutiert. Sei es der Umbau des Bahnhofes in Stuttgart, besser bekannt unter dem Schlagwort Stuttgart 21, oder aber verschiedene Meldungen von Kindern und Jugendlichen, die wegen fehlenden Fahrscheins irgendwo in der Walachei ausgesetzt wurden. Bewertet man die öffentlichen Diskussionen um den DB-Konzern fällt sehr schnell auf: Die meisten Diskussionen sind negativ behaftet.

In diesem vorwiegend ablehnenden Diskussionsklima hat die Deutsche Bahn beschlossen, nun auch bei Facebook mit einer Seite vertreten zu sein. Das Deutsche Bahn Chefticket startete am 18.10. und erlaubt es den „Fans“ im Zeitraum vom 25. Oktober bis zum 07. November ein günstiges Ticket zu erstehen – das Chefticket.

Olaf Kolbrück hat bei Off the Record bereits einen schönen Beitrag zur ganzen Aktion gepostet – 7 Gründe, warum die Aktion der Bahn bei Facebook knorke ist. In wunderbar ironischer Manier wird dort die Aktion bewertet.

Doch ich möchte gar hier gar nicht auf die Inhalte dieser Aktion eingehen, sondern beziehe mich auf eine Diskussion gestern (spät) abends bei Twitter. Hier diskutierten Daniel Rehn und Christinah84 mit mir über die Seite und die mögliche Motivation für diesen doch nicht unproblematischen Schritt.

Ist dieser Schritt der Versuch einer Flucht nach vorne? Möchte die Bahn aus der Defensive heraus? Welcher Wahnsinniger hat sich für diesen Schritt ausgesprochen und diesen auch durchgesetzt? Oder welche Agentur meinte, es sei sinnvoll gerade jetzt eine Facebook Seite zu starten? Doch solche Fragen können kaum von Außenstehenden beantwortet werden. Überlegen wir uns doch lieber, wie die Bahn, nun da sie sich schon in diese Situation manövriert hat, idealerweise macht, um einen Nutzen daraus ziehen zu können.

1) Egal warum die Bahn die Seite gestartet hat, mit einer massiven Kritikwelle hat man rechnen müssen. Soweit sollte man die öffentliche Meinung einschätzen können. Gibt es einen Plan, wie man auf negative Kommentare auf der Pinnwand reagiert? Wie geht man mit Trollen um? Reagiert man auf jeden einzelnen negativen Post oder allgemein auf die Kritik als Ganzes?

2) Wird die Seite inhouse betrieben oder wurde eine Agentur damit beauftragt? Sollte eine Agentur als Externer die Seite betreiben, kann sie denn überhaupt schnell auf Kritiken reagieren? Hat sie den Einblick in das Unternehmen und kann kompetent auf Kritik antworten? Wenn die Seite inhouse betrieben wird, wer übernimmt die Betreuung? Sind die betreuenden Mitarbeiter auf die zu erwartende Kritik vorbereitet und im Umgang mit ebendieser geschult? Vor allem im Social Web kann die Kritik schnell sehr hart werden. Wenn es zu schlimm wird, sollten Kommentare gelöscht werden, doch nicht ohne Begründung, wie sich versteht.

Bis hierhin waren wir uns einig, dass diese Punkte zu beobachten seien. Doch was, wenn die Bahn gar nicht auf Dialog aus ist? Wenn sie diese ganze Aktion als einen Teil einer viel längerfristigen Strategie geplant hat? Daniel vermutete hier einen Social Media Ballon, der dank Zeitfenster eine Exit-Strategie gleich mitgeliefert bekommt. Damit ist es relativ egal, ob die Bahn nun auf die Kritiken alle reagiert oder nicht. Wenn von vorne herein das Ziel nicht der Dialog und die zeitnahe Abschwächung der negativen Grundstimmung im Social Web war, muss das Engagement anders bewertet werden.

Wenn die Bahn diese Seite nicht nur mit dem Ziel des Vertriebs der Cheftickets (die sehr wahrscheinlich gut weg gehen werden – goodies sind beliebt), sondern vor allem auch mit dem Ziel, der negativen Stimmung ein Ventil zu bieten, durch dass sie sich entladen kann. Also die Kritiker, sei es Stuttgart21, der Bahnsupport, die (Un-)Pünktlichkeit, oder was auch immer. Wenn man sich einfach den ganzen Frust von der überstrapazierten (Kunden-)Seele schreiben kann, teilweise sogar Reaktionen (im Idealfall verbunden mit einer kleinen Entschuldigung?) verbunden.  Also all die negative Stimmung der Bahn gegenüber einen Weg findet, sich zu entladen. Nach alldem kann die Bahn, vorgefertigter Exit-Strategie sei dank, sich wieder zurückziehen und die Seite schließen.

Und jetzt? Jetzt kann die Bahn auftrumpfen. Wie? Mit einer Seite für den Kundensupport. Einer Seite ähnlich Telekom Hilft also. Denn der Großteil der negativen Energie hat sich bereits verflüchtigt. Die Stimmung ist nicht mehr so geladen und die Bahn setzt sich in ein selbst vorbereitetes Nest. Und hier werden sie dann alle Register des Kundenservices ziehen, darum bemüht, es den Kunden recht zu machen. Ist das also der Masterplan der Deutschen Bahn? Wird mit den Cheftickets der stärkste Wind aus den Segeln genommen um der eigentlichen Support-Seite den Weg zu bereiten? Es wird sich zeigen.

Montagsrunde Social Media Lehre – ein Fazit

Am gestrigen Montag, dem 11.10.2010, fanden sich einige interessierte Onliner zur monatlichen Montagsrunde zusammen. Gehostet wurde sie von mir und Michael Waning und befasste sich primär mit dem Thema Social Media Lehre im Studium.

Erfreulich war die große Zahl der Zuschauer, bestehend aus Professionals, Young Professionals und Studenten. Leider konnten wir keinen Hochschuldozenten anregen teilzunehmen.

Nachdem bei der letzten Runde bereits Tapio Liller gemeinsam mit Christoph Penter im Duo ein Montagsrunde hostete, haben wir uns also auch Zusammengetan. Der Vorteil ist, dass man nicht alleine in einem Raum vor einem Monitor sitzt und quasi mit sich selbst redet. Der Nachteil natürlich, dass die zwei vor der Kamera mehr mit sich selbst reden und die anderen Diskussionsteilnehmer stärker in eine Zuschauerrolle verfallen. Dennoch kamen interessante Diskussionen auch mit den „Zuschauern“ zustande.

Mangelnde Erfahrung der Dozenten

Bei vielen Dozenten an den Hochschulen mangelt es noch an der eigenen Erfahrung im Social Web und wie man es für die Kommunikation einsetzten kann, bzw. wie man wissenschaftlich das Social Web behandeln kann. Die Folge daraus ist natürlich, dass die Dozenten sich etwas scheuen, dieses Thema zu behandeln. Nichts ist schlimmer als ohne fundiertes Wissen über ein Thema zu referieren. Gemeinsam mit Studenten das Social Web kennenzulernen scheint auch nicht sehr reizvoll zu sein.

Mangelndes Engagement der Studenten

Obwohl man annehmen sollte, dass Studenten, die sich für einen Studiengang und damit für einen späteren Beruf entschieden haben, sich mit den Trends in diesem Berufsfeld auseinandersetzen, scheint das Bild des „faulen Studenten“ doch irgendwo zu zutreffen. Nun vielleicht sind wir Studenten nicht unbedingt faul, aber den Meisten fallen interessantere, bessere Freizeitbeschäftigungen ein, als sich vor einen Monitor zu setzen und irgendwelche Blogbeiträge zu produzieren oder sich bei Twitter über Themen auszutauschen. Sowieso hat sich der „Sinn“ von Social Media in der Kommunikation, also jenseits der privaten Nutzung, scheinbar nur wenigen erschlossen. Und das ist auch verständlich (und aus berufsperspektivischen Aspekten auch gut so).

Starre Hochschulstrukturen verhindern die Aufnahme ins Curriculum

Wenn man sich Prozesse in Hochschulen, vor allem Veränderungsprozesse, ansieht, wird schnell deutlich, dass Hochschulen generell nur langsam auf Änderungen in der Wirtschaft eingehen können. Die Aufnahme neuer Themen ins Curriculum ist nicht so leicht, wie manch einer denken mag.

Bis der Hochschulapparat also in Gang gekommen ist, liegt es an dem einzelnen Dozenten vielleicht doch einige Bereiche des Social Webs in einem Seminar zu behandeln.

Lösungsvorschläge:

Aus der Diskussion haben sich einige Lösungsvorschläge ergeben:

Zum Einen können die Dozenten tatsächlich den Schritt wagen, gemeinsam mit einem Seminarkurs, das Social Web zu erkunden, zu Experimentieren und die Erfahrungen am Ende zusammenzutragen und zu analysieren. Dazu könnten Studenten an einzelne Dozenten herantreten und dieses Projekt vorschlagen. Wenn die aktive Auseinandersetzung mit dem Social Web eine Notwendigkeit für das Bestehen des Kurses ist, ist auch ein Ansporn für uns Studenten gegeben.

Eine andere Möglichkeit ist, selbst die Initiative zu ergreifen. Gemeinsam mit Kommilitonen könnte man einen studentischen Verein gründen, der sich mit den Themen befasst, eventuell auch Experten aus der Wirtschaft zu Vorträgen einladen und selber auch aktiv im Social Web teilnimmt. Ein Beispiel sind die PR Studenten Hannover, die durchaus interessante Vorträge organisieren und dabei selbst das Social Web als Kommunikationsbasis nutzt. Der Aufwand hierbei ist natürlich höher als bei einem Seminar, doch die Beteiligung wertet nicht nur den eigenen Studiengang auf, sondern fördert meistens auch die eigene (Online-)Reputation.

Ebenso kann man aber auch eigene Vorträge zum Social Web ausarbeiten und sie den eigenen Kommilitonen präsentieren, ob gratis oder zahlungspflichtig ist Geschmackssache. Ich denke ein „Pay what its worth“ – System, bei der man eine Box aufstellt, in die man einen frei wählbaren Betrag am Ende wirft, wäre eventuell passend. Wichtig hierbei ist, dass die Vortragenden einen bestimmten Wissensstand erreicht haben, sodass sie tatsächlich fundiert über die einzelnen Bereiche des Social Web referieren können. Eine Alternative wäre hier vielleicht, es ähnlich wie bei dem Seminar zu machen. So dass ein Student, der etwas Ahnung hat, gemeinsam mit interessierten Kommilitonen das Social Web erkundet, ihre Ergebnisse können sie dann zusammentragen und beispielsweise in einem gemeinsamen Blog analysieren und veröffentlichen.

Letztlich muss sich aber etwas ändern an den Hochschulen. Social Media wird – nicht nur in der Kommunikation – immer relevanter und in ein paar Jahren (wenn nicht schon jetzt) auch eine Berufsvoraussetzung sein. Möchten die Hochschulen ihre Absolventen also optimal vorbereiten, müssen sie sich mit diesem Thema auseinander setzen.

 

Die nächste Montagsrunde am 8.11.2010 wird übrigens von Daniel Rehn geleitet. Ich kann jedem nur empfehlen, sich den Termin frei zu halten.

Montagsrunde – Social Media Lehre im Studium…

Am 11. Oktober ist es wieder soweit, mit dem 2. Montag des Monats findet die nächste Montagsrunde statt. Dieses Mal darf ich sie moderieren. Unterstützt werde ich dabei freundlicherweise von meinem Kommilitonen Michael Waning, den einige Blogleser evtl. bereits durch seine Gastbeiträge kennen.

Das Thema dieser Montagsrunde betrifft vor allem uns Studenten, aber auch die Kommunikationsbranche insgesamt. Wir möchten uns mit der Social Media Lehre im Studium bei Kommunikationsstudiengängen, aber auch im Studium allgemein beschäftigen.

Ich hatte mich bereits in einem Beitrag damit befasst, Michael macht gerade seine ersten Erfahrungen im Social Web und auch in anderen Gegenden bemerkt man, dass Nachholbedarf in der Hochschullehre besteht. Natürlich liegt es nicht nur an den Dozenten, auch viele Kommilitonen sind noch gar nicht so weit, dass sie erkannt haben, wie wichtig Social Media in der Kommunikation geworden sind. Die Erfahrung hat auch Daniel Rehn gemacht und  einen interessanten Beitrag dazu verfasst.

Natürlich gibt es einige Hochschuldozenten, die sich bereits im Social Web auskennen und manche Studenten haben das Glück, dass diese Dozenten an ihren Hochschulen beschäftigt sind. Aber leider ist dies noch nicht bundesweit so.

Doch brauchen wir überhaupt Social Media im Studium? Müssen wir den professionellen Umgang damit lernen? Diese und andere Fragen möchten Michael und ich in der Montagsrunde behandeln und hoffen auf eine interessante Diskussion. Wer sich einklinken will, findet hier die Montagsrunde: http://www.ustream.tv/channel/montagsrunde-11-10-2010

Meine Eindrücke der dmexco2010 – ein kleines Resümee

Um Köln herum gibt es häufig Verkehrsprobleme auf der Autobahn. Das war meine erste Erfahrung, die ich auf dem Weg (und Rückweg) machte. Doch war es das wert.

Ich habe die erste dmexco nicht besucht, ich habe nicht einmal mitbekommen, dass sie stattgefunden hat. Damals war ich noch im Praktikum in Berlin und ganz frisch bei Twitter – damaliges Hauptthema auf der dmexco – bei Facebook noch nicht einmal angemeldet. So wurde es mir von Markus Sekulla berichtet.

Was mir jedoch bei meinem Besuch sehr schnell aufgefallen ist: Alle sind so social geworden! Tatsächlich hatte fast jeder Aussteller „social“ irgendwo stehen. Leider ist nicht überall social drin, wo social drauf steht. So haben Markus und ich es zumindest erlebt, als wir den einen oder anderen Aussteller etwas genauer unter die Lupe genommen hatten. Meiner Meinung nach waren einige „Blender“ dabei, aber die, die Ahnung hatten, wussten auch wovon sie sprachen.

Alles social? Reden davon nicht schon seit Jahren alle von? Ja. Aber auf der dmexco sind ja nicht nur Aussteller. Es gibt auch sehr viele Vorträge, Debatten und Speaker. Und hier war das für mich meist besprochene Thema: Mobile! Digital Marketing hat den mobilen Markt erkannt, so wie es sicher auch die Kommunikationsbranche erkannt hat. Nun müssen sie ihn nur noch verstehen und an den Mann Kunden bringen.

Die Einwände, dass ja noch lange nicht jeder in Deutschland/Europa ein Smartphone besitze, wurden sehr einfach abgeschwächt: Normalerweise werden Mobilgeräte alle 12-18 Monate neu gekauft. Der Trend bei der Produktionga klar zu den Smartphones. Man stelle sich nun einmal vor, wie es in 2-3 Jahren aussehen wird…

Noch etwas, was ich von diversen Vorträgen/Diskussionen mitgenommen habe. Content ist auch im Marketing King. Es heißt dort dann nur nicht mehr „Content“ sondern „Produktqualität“. Hätte man sich auch denken können.

Aber wenn ich ehrlich bin, war das gar nicht der Grund für meinen Besuch der dmexco. Ich wollte möglichst viele Kontakte, die ich online geknüpft hatte, auch in Fleisch und Blut treffen. Und das konnte ich. Leider nicht alle, aber doch viele und es hat sich gelohnt.

Hier noch einen herzlichen Gruß an alle: Markus und Thorsten, Birgit und Torsten, „Nordbergh“ und Christoph Salzig von pr_ip, Johannes und André von grey, Christoph von Oseon Conversations, Hauke und per unglaublichen Zufall auch Nadia. Es war eine tolle Erfahrung euch mal persönlich zu treffen, bzw. wiederzutreffen. Leider kamen auch manche Treffen nicht zu Stande. Um Anja zu treffen, bedarf es scheinbar der Hilfe von Daniel

Diese Treffen mit Personen, die ich vorher bereits „kannte“ waren der Hauptgrund für meinen Besuch. Online-Kontakte sind schön und gut, sie können leicht geknüpft und gepflegt werden, aber ebenso leicht wird der „unfollow“-Button geklickt. Wenn ich Menschen jedoch von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe und mich angenehm mit ihnen unterhalten habe, hat der Kontakt einen ganz anderen Wert.

So werde ich hoffentlich am 10.11.2010 auch viele Kontakte in Hannover auf dem ConventionCamp treffen! Vielleicht findet ja auch einmal ein Twittertreffen in Osnabrück/Münster statt, evtl. sogar ein Twittwoch? Wer weiß. Bis dahin lesen wir uns online.