Erneuter Facebook-Datenschutz-Skandal – mein Fazit

Erneut ein DS-Skandal bei Facebook. Bald wird es langweilig, dachte ich. Doch dieser ist etwas anders. Warum?

1) Die Schwachstelle mit den Emailkontakten:

Dieses Problem ist tatsächlich hausgemacht und dumm. Hier sollte ein besserer opt In erfolgen. Was passiert genau? Wenn man die email-Adresse eines nicht registrierten Menschen eingibt, erscheinen alle User, die dieser Mensch in seinem Adressbuch hat und bei Facebook angemeldet sind, auf einer Seite. Sehr dumm gemacht von Facebook, aber sollte schnell gelöst werden.

2) Datenweitergabe bei den Apps:

Das ist ein Problem das, meines Wissens nach, tatsächlich nicht von Facebook stammt. Die App-Programmierer, bzw. Betreiber, sammelten, während die User die App (wie Farmville und Co) nutzten, fleissig Daten. Die Einwilligung dazu hatten sie sich vorher geholt ( Bei der Frage „zulassen“ oder „ablehnen“). Jetzt kommt der illegale Teil: Die App-Betreiber haben diese so erhaltenen Daten weiter an Dritte gegeben. Also ist Facebook an diesem Datenhandel nur insofern beteiligt, als dass er die Apps zugelassen hat. In der hitzigen Diskussion um Facebook wird dies oft vernachlässigt und auch Facebook die Schuld daran gegeben.

Mein Fazit daraus:

Facebook war dumm, was die email-sache angeht. Wenn man jedoch ganz böse argumentieren möchte, kann man sagen, dass dies gerade ein Grund sei, sich bei Facebook vorsorglich anzumelden 😉
Die Datenweitergabe durch App-Betreiber ist etwas komplizierter. Nun bleibt abzuwarten, wie Facebook darauf reagieren wird. Werden die Apps gesperrt, den Betreibern somit der Geldhahn zugedreht (wie teilweise geschehen)? Oder bleibt es bei einem Klaps auf die Finger? Für mich heißt das natürlich in beiden Fällen: Finger weg von Social Games, die nerven eh nur. 🙂

Montagsrunde Social Media Lehre – ein Fazit

Am gestrigen Montag, dem 11.10.2010, fanden sich einige interessierte Onliner zur monatlichen Montagsrunde zusammen. Gehostet wurde sie von mir und Michael Waning und befasste sich primär mit dem Thema Social Media Lehre im Studium.

Erfreulich war die große Zahl der Zuschauer, bestehend aus Professionals, Young Professionals und Studenten. Leider konnten wir keinen Hochschuldozenten anregen teilzunehmen.

Nachdem bei der letzten Runde bereits Tapio Liller gemeinsam mit Christoph Penter im Duo ein Montagsrunde hostete, haben wir uns also auch Zusammengetan. Der Vorteil ist, dass man nicht alleine in einem Raum vor einem Monitor sitzt und quasi mit sich selbst redet. Der Nachteil natürlich, dass die zwei vor der Kamera mehr mit sich selbst reden und die anderen Diskussionsteilnehmer stärker in eine Zuschauerrolle verfallen. Dennoch kamen interessante Diskussionen auch mit den „Zuschauern“ zustande.

Mangelnde Erfahrung der Dozenten

Bei vielen Dozenten an den Hochschulen mangelt es noch an der eigenen Erfahrung im Social Web und wie man es für die Kommunikation einsetzten kann, bzw. wie man wissenschaftlich das Social Web behandeln kann. Die Folge daraus ist natürlich, dass die Dozenten sich etwas scheuen, dieses Thema zu behandeln. Nichts ist schlimmer als ohne fundiertes Wissen über ein Thema zu referieren. Gemeinsam mit Studenten das Social Web kennenzulernen scheint auch nicht sehr reizvoll zu sein.

Mangelndes Engagement der Studenten

Obwohl man annehmen sollte, dass Studenten, die sich für einen Studiengang und damit für einen späteren Beruf entschieden haben, sich mit den Trends in diesem Berufsfeld auseinandersetzen, scheint das Bild des „faulen Studenten“ doch irgendwo zu zutreffen. Nun vielleicht sind wir Studenten nicht unbedingt faul, aber den Meisten fallen interessantere, bessere Freizeitbeschäftigungen ein, als sich vor einen Monitor zu setzen und irgendwelche Blogbeiträge zu produzieren oder sich bei Twitter über Themen auszutauschen. Sowieso hat sich der „Sinn“ von Social Media in der Kommunikation, also jenseits der privaten Nutzung, scheinbar nur wenigen erschlossen. Und das ist auch verständlich (und aus berufsperspektivischen Aspekten auch gut so).

Starre Hochschulstrukturen verhindern die Aufnahme ins Curriculum

Wenn man sich Prozesse in Hochschulen, vor allem Veränderungsprozesse, ansieht, wird schnell deutlich, dass Hochschulen generell nur langsam auf Änderungen in der Wirtschaft eingehen können. Die Aufnahme neuer Themen ins Curriculum ist nicht so leicht, wie manch einer denken mag.

Bis der Hochschulapparat also in Gang gekommen ist, liegt es an dem einzelnen Dozenten vielleicht doch einige Bereiche des Social Webs in einem Seminar zu behandeln.

Lösungsvorschläge:

Aus der Diskussion haben sich einige Lösungsvorschläge ergeben:

Zum Einen können die Dozenten tatsächlich den Schritt wagen, gemeinsam mit einem Seminarkurs, das Social Web zu erkunden, zu Experimentieren und die Erfahrungen am Ende zusammenzutragen und zu analysieren. Dazu könnten Studenten an einzelne Dozenten herantreten und dieses Projekt vorschlagen. Wenn die aktive Auseinandersetzung mit dem Social Web eine Notwendigkeit für das Bestehen des Kurses ist, ist auch ein Ansporn für uns Studenten gegeben.

Eine andere Möglichkeit ist, selbst die Initiative zu ergreifen. Gemeinsam mit Kommilitonen könnte man einen studentischen Verein gründen, der sich mit den Themen befasst, eventuell auch Experten aus der Wirtschaft zu Vorträgen einladen und selber auch aktiv im Social Web teilnimmt. Ein Beispiel sind die PR Studenten Hannover, die durchaus interessante Vorträge organisieren und dabei selbst das Social Web als Kommunikationsbasis nutzt. Der Aufwand hierbei ist natürlich höher als bei einem Seminar, doch die Beteiligung wertet nicht nur den eigenen Studiengang auf, sondern fördert meistens auch die eigene (Online-)Reputation.

Ebenso kann man aber auch eigene Vorträge zum Social Web ausarbeiten und sie den eigenen Kommilitonen präsentieren, ob gratis oder zahlungspflichtig ist Geschmackssache. Ich denke ein „Pay what its worth“ – System, bei der man eine Box aufstellt, in die man einen frei wählbaren Betrag am Ende wirft, wäre eventuell passend. Wichtig hierbei ist, dass die Vortragenden einen bestimmten Wissensstand erreicht haben, sodass sie tatsächlich fundiert über die einzelnen Bereiche des Social Web referieren können. Eine Alternative wäre hier vielleicht, es ähnlich wie bei dem Seminar zu machen. So dass ein Student, der etwas Ahnung hat, gemeinsam mit interessierten Kommilitonen das Social Web erkundet, ihre Ergebnisse können sie dann zusammentragen und beispielsweise in einem gemeinsamen Blog analysieren und veröffentlichen.

Letztlich muss sich aber etwas ändern an den Hochschulen. Social Media wird – nicht nur in der Kommunikation – immer relevanter und in ein paar Jahren (wenn nicht schon jetzt) auch eine Berufsvoraussetzung sein. Möchten die Hochschulen ihre Absolventen also optimal vorbereiten, müssen sie sich mit diesem Thema auseinander setzen.

 

Die nächste Montagsrunde am 8.11.2010 wird übrigens von Daniel Rehn geleitet. Ich kann jedem nur empfehlen, sich den Termin frei zu halten.

Montagsrunde – Social Media Lehre im Studium…

Am 11. Oktober ist es wieder soweit, mit dem 2. Montag des Monats findet die nächste Montagsrunde statt. Dieses Mal darf ich sie moderieren. Unterstützt werde ich dabei freundlicherweise von meinem Kommilitonen Michael Waning, den einige Blogleser evtl. bereits durch seine Gastbeiträge kennen.

Das Thema dieser Montagsrunde betrifft vor allem uns Studenten, aber auch die Kommunikationsbranche insgesamt. Wir möchten uns mit der Social Media Lehre im Studium bei Kommunikationsstudiengängen, aber auch im Studium allgemein beschäftigen.

Ich hatte mich bereits in einem Beitrag damit befasst, Michael macht gerade seine ersten Erfahrungen im Social Web und auch in anderen Gegenden bemerkt man, dass Nachholbedarf in der Hochschullehre besteht. Natürlich liegt es nicht nur an den Dozenten, auch viele Kommilitonen sind noch gar nicht so weit, dass sie erkannt haben, wie wichtig Social Media in der Kommunikation geworden sind. Die Erfahrung hat auch Daniel Rehn gemacht und  einen interessanten Beitrag dazu verfasst.

Natürlich gibt es einige Hochschuldozenten, die sich bereits im Social Web auskennen und manche Studenten haben das Glück, dass diese Dozenten an ihren Hochschulen beschäftigt sind. Aber leider ist dies noch nicht bundesweit so.

Doch brauchen wir überhaupt Social Media im Studium? Müssen wir den professionellen Umgang damit lernen? Diese und andere Fragen möchten Michael und ich in der Montagsrunde behandeln und hoffen auf eine interessante Diskussion. Wer sich einklinken will, findet hier die Montagsrunde: http://www.ustream.tv/channel/montagsrunde-11-10-2010

Meine Eindrücke der dmexco2010 – ein kleines Resümee

Um Köln herum gibt es häufig Verkehrsprobleme auf der Autobahn. Das war meine erste Erfahrung, die ich auf dem Weg (und Rückweg) machte. Doch war es das wert.

Ich habe die erste dmexco nicht besucht, ich habe nicht einmal mitbekommen, dass sie stattgefunden hat. Damals war ich noch im Praktikum in Berlin und ganz frisch bei Twitter – damaliges Hauptthema auf der dmexco – bei Facebook noch nicht einmal angemeldet. So wurde es mir von Markus Sekulla berichtet.

Was mir jedoch bei meinem Besuch sehr schnell aufgefallen ist: Alle sind so social geworden! Tatsächlich hatte fast jeder Aussteller „social“ irgendwo stehen. Leider ist nicht überall social drin, wo social drauf steht. So haben Markus und ich es zumindest erlebt, als wir den einen oder anderen Aussteller etwas genauer unter die Lupe genommen hatten. Meiner Meinung nach waren einige „Blender“ dabei, aber die, die Ahnung hatten, wussten auch wovon sie sprachen.

Alles social? Reden davon nicht schon seit Jahren alle von? Ja. Aber auf der dmexco sind ja nicht nur Aussteller. Es gibt auch sehr viele Vorträge, Debatten und Speaker. Und hier war das für mich meist besprochene Thema: Mobile! Digital Marketing hat den mobilen Markt erkannt, so wie es sicher auch die Kommunikationsbranche erkannt hat. Nun müssen sie ihn nur noch verstehen und an den Mann Kunden bringen.

Die Einwände, dass ja noch lange nicht jeder in Deutschland/Europa ein Smartphone besitze, wurden sehr einfach abgeschwächt: Normalerweise werden Mobilgeräte alle 12-18 Monate neu gekauft. Der Trend bei der Produktionga klar zu den Smartphones. Man stelle sich nun einmal vor, wie es in 2-3 Jahren aussehen wird…

Noch etwas, was ich von diversen Vorträgen/Diskussionen mitgenommen habe. Content ist auch im Marketing King. Es heißt dort dann nur nicht mehr „Content“ sondern „Produktqualität“. Hätte man sich auch denken können.

Aber wenn ich ehrlich bin, war das gar nicht der Grund für meinen Besuch der dmexco. Ich wollte möglichst viele Kontakte, die ich online geknüpft hatte, auch in Fleisch und Blut treffen. Und das konnte ich. Leider nicht alle, aber doch viele und es hat sich gelohnt.

Hier noch einen herzlichen Gruß an alle: Markus und Thorsten, Birgit und Torsten, „Nordbergh“ und Christoph Salzig von pr_ip, Johannes und André von grey, Christoph von Oseon Conversations, Hauke und per unglaublichen Zufall auch Nadia. Es war eine tolle Erfahrung euch mal persönlich zu treffen, bzw. wiederzutreffen. Leider kamen auch manche Treffen nicht zu Stande. Um Anja zu treffen, bedarf es scheinbar der Hilfe von Daniel

Diese Treffen mit Personen, die ich vorher bereits „kannte“ waren der Hauptgrund für meinen Besuch. Online-Kontakte sind schön und gut, sie können leicht geknüpft und gepflegt werden, aber ebenso leicht wird der „unfollow“-Button geklickt. Wenn ich Menschen jedoch von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehe und mich angenehm mit ihnen unterhalten habe, hat der Kontakt einen ganz anderen Wert.

So werde ich hoffentlich am 10.11.2010 auch viele Kontakte in Hannover auf dem ConventionCamp treffen! Vielleicht findet ja auch einmal ein Twittertreffen in Osnabrück/Münster statt, evtl. sogar ein Twittwoch? Wer weiß. Bis dahin lesen wir uns online.

Von einem der auszog, das Zwitschern zu lernen

„Leute, ich twitter jetzt!“ – „Aha. Und? Bringt’s was?“

Das ist die typische Reaktion, die ich nach einer Woche Twitter erhalte, wenn ich Freunden und Bekannten von meiner eigenen kleinen Social-Media-Offensive berichte. Niemand scheint sich für Twitter zu interessieren. Alle kennen es, alle wissen, wie es funktioniert, aber niemand macht sich die Mühe, es auszuprobieren. Warum ist das so? Zeit, meinen Account und eine Woche Twitter genauer unter die Lupe zu nehmen.

Resümee eines Frischlings

MincorConcerns eröffnete seinen Stream am 9. September um 16 Uhr. Bisher habe ich 34 Tweets abgesetzt, 18 mal taucht der Account in Mentions auf. 60 Followings und 44 Follower drehen sich vor allem um das Berufsfeld PR und das Thema Social Media. Beim Einstieg hatte ich Hilfe vom geschätzten Betreiber dieses Blogs .

„Was twitterst du dann so?“ ist die zweite Frage, die mir bei meinen Unterhaltungen gestellt wird. Wie baut man sich ein Netzwerk auf, was sollte dieses Netzwerk überhaupt erfahren? Plattitüden zu twittern ist wenig sinnvoll, also beschränken sich die meisten auf Nachrichten und Links, die interessant für ihr Berufsfeld sind, was dazu führt, dass sich relativ geschlossene Zirkel in der Twitterkommunikation bilden. Schnell beginnt man, sich in den dutzenden geposteten Links zu Blogs zu verheddern, man möchte doch so gern etwas sinnvolles beitragen, am liebsten eine profunde Antwort liefern, die einen Retweet verdient. Wenn ich bisher eines gelernt habe, dann das: Das vielbeschworene „Engagement“, das Social Media so wertvoll machen soll, kostet viel Zeit. Dass die Timeline darüber hinaus viele Dinge enthält, denen man sich nicht widmen kann oder die einfach schlicht nicht interessieren (in meinem Fall z. B. Foursquare-Updates von irgendeinem S-Bahnhof), macht die Aufgabe nicht einfacher. Aufmerksamkeit + Zeit sind die Währung des Internets, also warum hier investieren?

Wer findet Twitter am wichtigsten? Twitter!

Hinzu kommt, dass sich Twitter gern um sich selbst dreht: Viele der Inhalte, die ich erhalte, sind Links zu Studien und Kommentaren, die betonen, wie wichtig Twitter, Facebook & Co. für Kommunikation sind, das Internet ist das Leitmedium der Jugend, schauen Sie hier, mit diesen 10 Tipps sind sie im Social Web erfolgreich. Zugegeben, ich folge nur 60 Accounts, aber müssen die sich ständig selbst bestätigen, wie wichtig es ist, dass sie existieren? Björn C. Hasse hat am 11.09. die richtige Frage gestellt: „Wie viele Individuen sind auf Twitter, wenn wir alle subtrahieren, die sich ‚Social Media Berater‘ nennen?“ Man will die Antwort lieber gar nicht wissen. Und was ist eigentlich mit meinem Google-Reader, reicht der nicht für News? Mit Twitter ist bei mir ein Ungleichgewicht entstanden: Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst lesen soll. Social Media auf dem Weg zum Fulltime-Job.

Dass sich meine Freunde da lieber auf Facebook oder StudiVZ tummeln, ist also nachvollziehbar: Mit Newsstreams bieten Soziale Netzwerke gleiche Funktionen wie Twitter, ergänzt um all die anderen On-Site-Features wie Foto-/Videogalerien, ausführliche Profile, Events, Gruppen, und, und und. Twitter dagegen braucht (noch) viele externe Apps und Seiten, um Komfort zu generieren.

Und trotzdem kann sich’s lohnen!

Also nix mehr mit Zwitschern? Nein, so einfach ist das nicht. Der Return of Investment ist nämlich da, und man muss eigentlich nicht lange suchen, genauer gesagt googeln, um ihn zu finden. Twitter pusht nämlich enorm das eigene Suchmaschinenranking. Damit bietet Twitter auch als Privatperson eine einfache Möglichkeit, sein Online-Profil zu schärfen und entsprechend Selbstdarstellung zu betreiben. Die mangelnde Ausführlichkeit des Profils im Vergleich zu beispielsweise Facebook hat zudem eine zweite, äußerst positive Seite: Twitter ist sehr viel unverbindlicher. Der „Follow“-Button hat weniger Gewicht als Facebooks „Add as a friend“, sehr geeignet, um Kontakte zu knüpfen und sich ins Gespräch zu bringen. Oder auch nicht, es tut nämlich nicht weiter weh.

Twitter ist für mich nach einer Woche: Schnelle Verbreitung von News und ein gleichermaßen schnelles Verfallsdatum dieser News. Schnelles knüpfen von Kontakten, die aber sehr platonisch sind und deren Entwicklung man selbst in der Hand hat. Twitter ersetzt in meinen Augen auch nicht den gut organisierten RSS-Reader (Einbrüche hin oder her) und auch kein soziales Netzwerk. Aber es bietet einen Mehrwert, der im Gebrauch mit anderen Tools des Social Web mehr ist, als die Summe seiner Bestandteile. Ob der Mehraufwand, der für diesen Mehrwert nötig wird, gerechtfertigt ist, sollte jeder für sich entscheiden. Aber erst, nachdem er Twitter wirklich ausprobiert hat. MinorConcerns bleibt den Timelines meiner 44 Follower jedenfalls für’s erste erhalten.

Beste Grüße,

Michael Waning

Wer bin ich, und wenn ja, wieviel Social Web?

Ich bin 23. Ich bin in meiner Schulzeit mit Instant-Messengern, IRC und den Foren verschiedenster Communities groß geworden. DeviantART kam dazu, das Aufsetzen eigener Homepages mit Freunden, kurz vor dem Abitur dann die unvermeidliche Anmeldung im StudiVZ. Mehrmals täglich alles auf Neuigkeiten aus meinem Freundeskreis überprüfen war immer schon selbstverständlich, oft auch Freizeitfresser Nr. 1., Neuigkeiten aus dem Rest der Welt beziehe ich über meinen treuen Google Reader. Bin ich ein Digital Native?

Aus den obligatorischen Highschool-Jahren brachten Mitschüler Facebook mit, aber für das Management meines Freundeskreises war es nie relevant. YouTube war erst Quelle für Unterhaltung am Nachmittag, irgendwann dann universelle Jukebox auf Partys. Aber selber Videos produzieren? Die miese Qualität, die Handykameras zunächst hervorbrachten, war mir zu schmierig. Newsgroups, Blogs, Myspace? Gingen an mir vorbei. Websites und Dienste, die ich schon immer genutzt habe, standen mit ihren Freunden plötzlich vor der Tür, hießen „Web 2.0“ und „Social Media“ und ich fand nicht, dass mich das interessieren müsste. Bin ich ein Digital Immigrant?

Operation: Attacke Social Media!

Diese Fragen stelle ich mir, seitdem mein Studium mich zwingt, mich zumindest theoretisch mit allen erdenklichen Medien auseinanderzusetzen. Und dann muss ich plötzlich erfahren, dass es die Digital Natives vielleicht gar nicht gibt. Während ich also in einer Identitätskrise stecke, möchten Unternehmen und NGOs, Behörden und Journalisten Teil der digitalen Revolution sein. Seit neuestem sogar die Kandidaten der Bürgermeisterwahl einer recht konservativen, mittelgroßen Stadt. Na, denen kann ich wohl kaum das Feld überlassen. Zeit, selber tätig zu werden!

Schritt 1: Strategie!

Keine Nicknames, kein Pseudonym: Ich gehe ins Social Web als der, der ich bin. Michael Waning, freiberuflich bereits engagierter Kommunikationsmanagement-Student an der FH Osnabrück, Standort Lingen (Ems). Als Jung-PRler kann man es sich ohnehin nicht leisten, im Netz unauffindbar zu sein. Also möglichst professionell nach draußen!

Schritt 2: Was will ich?

StudiVZ- und Facebook-Account existierten schon, wollen aber noch ausgereizt werden. Dazu: Twitter! Microblogging stehe ich schließlich am skeptischsten gegenüber, nicht zuletzt auch wegen des Hypes, den PRler und Journalisten gleichermaßen veranstalten. Ein XING-Profil ist eigentlich schon seit Jahren fällig, also die Gelegenheit, das Thema endlich abzuhaken, LinkedIn könnte bald folgen. Achja: Inhalte produzieren!

Schritt 3: Ein Blog. Über dieses Experiment.

Gesunde Skepsis gegenüber jedem Medium kann nicht schaden, und ich gedenke nicht, mit den verschiedenen Facetten des Social Web anders zu verfahren. Daher an dieser Stelle Dank an meinen Kommilitonen David Philippe, der mir die Möglichkeit bietet, seiner Leserschaft von meinen Erfahrungen zu berichten. Am morgigen Donnerstag wird mein Twitter-Account eine Woche alt. Dann wird es Zeit für ein erstes Resümee.

Verfolgen Sie meine persönliche Social-Media-Offensive auf:

Beste Grüße,

Michael Waning

Neuigkeiten und Fundstücke

Ankündigung:

In einem früheren Beitrag hier, bemängelte ich den fehlenden Enthusiasmus vieler Kommilitonen, sich im Social Web zu engagieren. Scheinbar habe ich auch den einen oder anderen Kommilitonen unter den Lesern.

Michael Waning hat für sich das Experiment „Social Media Offensive“ gestartet und engagiert sich nun in verschiedenen Netzwerken, u.a. Twitter oder Facebook. Das ist ja schon erfreulich, aber interessant ist dies, weil er im Zuge seines Experimentes seine Erfahrungen auch für andere publizieren möchte. Und er lässt mir die Ehre zu Teil werden, dies in meinem Blog, also hier, machen zu wollen. So werdet ihr hier demnächst einige Beiträge von Michael lesen, in denen er mit einem kritischen Blick seine Erfahrungen wiedergeben wird. Ich bin gespannt!

Lesenswert

Einen interessanten Beitrag über Twitter und die Frage ob es nun schon Mainstream ist oder nicht, hat Klaus Dieter Knoll in seinem Blog veröffentlicht. „Twitter: Zwischen Nerdistan und Mainstream“ untersucht, ob Twitter bereits den Schritt zum Mainstream geschafft hat, oder nicht.

Montagsrunde

Gestern war es wieder soweit – die Montagsrunde traf sich erneut im virtuellen Raum um über ein Thema zu diskutieren. Dieses Mal ging es um das mobile Internet und wie die Entwicklung dort aussieht. Informiert haben Tapio Liller und sein Mitarbeiter Nr. 1 Christoph Penter von Oseon Conversations. Es war wieder eine sehr interessante Runde, in der die Zukunft von Augmented Reality, Location-based Services und mobile Web im globalen Kontext behandelt wurde. Die nächste Montagsrunde findet am 11.10.2010 statt. Mehr Informationen auch auf Twitter.

Zeit ist das knappe Gut – auch im Social Web

Als ich heute morgen meine Google-Reader-Routine abspielte, las ich einen sehr interessanten Beitrag von Bernhard Jodeleit.

In diesem Beitrag führt er aus, warum er nicht mehr so aktiv bei Twitter, Facebook und Co. ist. Das Casual Web 2.0, wie er es nennt. Und ich kann ihm zum größten Teil auch nur zustimmen.

Vor allem bei der Informationsquelle Nr. 1: Dem Google Reader. Auch bei mir hat es sich mittlerweile eingebürgert, vor Twitter, Facebook, Xing und allem anderen, zunächst den Reader zu nutzen, um die Neuigkeiten meiner diversen Blog-Abos und Co. zu lesen.

Doch Twitter nutze ich, wie jeder, der mich dort ab und an mal „sieht“, immer noch sehr oft. Weil ich es gut nebenher laufen lassen kann. Nun bin ich als Student, der nebenher arbeitet garantiert nicht so im Zeitbudget beschränkt, wie Herr Jodeleit oder auch jeder andere arbeitende Kommunikationsprofi. Aber für jeden Menschen hat der Tag nur 24 Stunden.

Die Zeit ist also ganz klar das knappe Gut – online wie offline. Darum muss man selektieren, womit wir unsere Zeit verbringen. Twitter ist durchaus zeitaufwendig. Facebook sogar noch viel mehr. Und wenn man dann noch seine Informationen durch das Lesen von Blogbeiträgen erhalten möchte…

Ich habe beim ersten Twittwoch in Düsseldorf (für den ich mich hier noch einmal herzlich bei Johannes Lenz und André Paetzel bedanke) eine sehr interessante Unterhaltung mit Markus Sekulla und Sascha Pallenberg geführt. In der ging es primär um Blogs und wie man diese professionell aufzieht (also nicht so wie ich hier). Doch auch hier kamen wir zu dem Punkt, das Zeit das knappe Gut ist. Da Informationen quasi überall verfügbar sind und wir auch gar nicht groß nach ihnen suchen müssen, ist es mittlerweile viel wichtiger, diese Informationen zu filtern.

Der Google-Reader ist da ein sehr gutes und mächtiges Tool. Twitter versorgt mich auch weiterhin mit interessanten Links, die zu Informationen führen. Facebook läuft bei mir eher im Hintergrund und Xing nutze ich fast so wie Herr Jodeleit.

Der Beitrag hat mich dazu gebracht, meine Twitternutzung zu überdenken. Nicht wie ich es konsumiere, sondern was ich dort selber einstelle. Ich sollte die Belanglosigkeiten etwas reduzieren und mehr auf den Mehrwert für meine Follower achten. Denn nicht nur meine Zeit ist knapp, die meiner Follower ist sehr wahrscheinlich sogar noch knapper.

Abschlussanalyse – Social Media Engagement der Lingener OB-Kandidaten

Nach der gestrigen Podiumsdiskussion und mit Hinblick auf den Wahltermin in 4 Tagen, ist es an der Zeit für eine abschließende Analyse des Social Media Engagements der Lingener OB-Kandidaten. In meinen vorherigen Analysen wurden die Bemühungen der Kandidaten bereits untersucht. Was hat sich geändert? Ich habe versucht jeden Kandidaten bei Twitter in eine Unterhaltung zu ihrem Twitter-Engagement zu „verwickeln“.

Twitter

Beginnen wir wieder mit Kandidat(in) 1:

Aktuell folgt sie 71 Twitter-Accounts (vlg. Analyse vom 26.08. : 65 Accounts) und ihr folgen 46 Accounts (vgl. vorher: 30).

Sie folgt weiterhin mehrheitlich privaten Accounts, ein paar Vereine (Kivelinge) sind dazu gekommen, bleibt aber eher bei ihrer Zielgruppe: Den Wählern. Ihr selbst folgen, abgesehen von den Twitter-üblichen „Spam-Accounts“ ebenfalls mehrheitlich Privataccounts. Somit wäre es für sie gut möglich, ihre Zielgruppe zu erreichen.

Von den 115 abgesetzten Tweets sind die meisten Tweets @-Replies bzw. Retweets. Auch meine Fragen zu ihrem Social Media Engagement, vor allem auf Twitter, wurden beantwortet – früh am Morgen.

Fazit: Konstantes Engagement, Niveau gehalten, keine Änderung

Es folgt Kandidat 2:

Er blieb konstant bei seinen Followings: 6(!) Accounts werden von ihm verfolgt. Ihm folgen mittlerweile 40 Accounts (vgl. vorher: 27). Die meisten sind Privataccounts, natürlich auch parteiliche Unterstützer (Obwohl immer wieder betont wird, der Kandidat sei parteilos).

Einen Abend lang hat sich dieser Kandidat auf eine Twitter-Diskussion eingelassen. Zunächst mit anderen Twitterern, später mit mir. Auf eine gemeinsame Frage – Warum er bei Twitter aktiv sei – bekamen wir nach mehrmaliger Nachfrage folgende Antwort: „Ich nutze Twitter vorwiegend als Plattform für Ankündigungen…“ So erklären sich seine 56 Tweets, die ausser an diesem einen Abend, nie einen @-Reply oder Retweet beinhalteten. Meiner Meinung nach nicht die beste Nutzung dieser Plattform.

Eine nette Nebeninformation: Ausschlaggebend für sein Engagement war die Twitternutzung seiner Frau. Schade nur, dass sie eine passive Twitteristi ist.

Fazit: Seiner Linie treu geblieben, Twitter „nur“ als Infokanal für seine Auftritte (bis auf den einen Abend). Meiner Meinung nach viel Potential verschenkt.

Weiter mit Kandidat 3:

Dieser folgt 43 Accounts (vgl. vorher: 29) und ihm folgen 46 Accounts (vgl. vorher: 30). Mittlerweile folgt er 14 Privataccounts. Im Vergleich zu vorher 4 Privataccounts, durchaus eine Steigerung, aber im Verhältnis insgesamt wiederum nicht sehr ausschlaggebend.

Dennoch folgen ihm viele Privataccounts, das Interesse an seinen Beiträgen bleibt bestehen. Viele Accounts sind doch bekennende Gegner des Kandidaten, verfolgen also evtl. eher aus Monitoring-Zwecken?

Es gab bisher keinen einzigen @-Reply oder Retweet in der Timeline dieses Kandidaten, auch meine Versuche, ihn anzusprechen wurden schlicht nicht erkannt, bzw. ignoriert. Schade, denn ich hätte einige Fragen an diesen Kandidaten gehabt. Ich habe es auch bei Facebook versucht, doch dazu im Facebook-Teil mehr.

Inhaltlich unterscheiden sich die 32 abgegebenen Tweets nur wenig von Kandidat 2, abgesehen von der Partei-Färbung, natürlich.

Fazit: Konsequent seiner Linie treu geblieben und alle Anfragen ignoriert. Keine erkennbare Interaktion mit anderen Twitteristi. Um diese Linie erfolgreich zu fahren, fehlt diesem Kandidaten meiner Meinung nach die Prominenz.

Den Abschluss bildet Kandidat 4:

Verspätet gestartet hat sich dieser Kandidat bemüht den Rückstand aufzuholen. So folgt er 22 Accounts (vgl. vorher: 2) und ihm folgen 34 Accounts (vgl. vorher 11).  Somit folgt er bereits mehr Leuten als Kandidat 2.

Er fast nur Privataccounts, doch davon sind einige nicht in Lingen und Umgebung einzuordnen, also nicht die Zielgruppe. Ist ja auch in Ordnung. Ihm folgen ebenfalls überwiegend Privataccounts. Wie bei Kandidatin 1 ist hier also die Möglichkeit mit den Wählern in Kontakt zu treten durchaus gegeben.

Doch leider wurde seit dem 31. August kein Tweet mehr abgesetzt. Seit meiner Unterhaltung auf Twitter mit ihm. Habe ich ihn so verschreckt? Ich glaube nicht. Seine Beweggründe für das Twitter Engagement wurden jedoch nicht ganz deutlich.

Sehr deutlich hat er jedoch gemacht, dass er von einem Team unterstützt wird, bei Facebook und Twitter, inhaltlich jedoch nur er aktiv sei. Wie das nun praktisch aussieht, darf sich jeder selber ausmalen.

Mir hat sich in der Unterhaltung der Eindruck aufgedrängt, dass dieser Kandidat Twitter als Tool noch nicht ganz verstanden hatte. Dass manche Tweets für Außenstehende etwas herablassend wirken können, sei dahingestellt. Ich musste auf @-Replies erst bestehen, bevor ich direkte Antworten auf meine Fragen an ihn erhielt.

Fazit: Nicht ganz konsequent genutztes Tool, nur wenig Interaktion mit anderen Twitteristi, etwas besser genutzt als Kandidaten 2 und 3, dennoch verbesserungsfähig.

Facebook

Von den 4 bei Twitter aktiven Kandidaten sind immer noch nur 3 (Kandidat 2 wollte aus Datenschutzfragen nicht) auch mit einer Facebook Politiker-Page ausgestattet. Generell ist zu sagen, dass auf den Pages nur wenig Interaktion stattgefunden hat. Bei einem Kandidaten sogar gar keine.

Kandidatin 1: Sie erhält Likes von 26 Personen. Ihre Aktivitäten auf der Seite sind zumeist Termin-Updates und Foto-Uploads. Meine Anfrage (Die ich jedem Kandidaten zur gleichen Zeit schrieb) auf Ihrer Page wurde innerhalb eines Tages beantwortet. Leider sind ihre Unterstützer nicht sehr aktiv, so dass sich auf der Seite keine Diskussionen entwickeln.

Fazit: Interaktion/Antworten auf Fragen sofern erforderlich gegeben. Nutzt neben Twitter auch Facebook relativ konstant.

Kandidat 3: Hat bisher 30 Likes erhalten. Seine Seite zeichnet sich durch folgende Einzigartigkeit aus: Auf Anfragen von potentiellen Wählern wird nicht eingegangen. Ich habe dort mehrmals Fragen gestellt, zuletzt sogar sehr provokant, doch eine Antwort lässt bis heute auf sich warten. Nun dies zeigt zumindest, dass der Kandidat seine Linie von Twitter auch bei Facebook beibehält. Auch dass man als Landingtab auf der Pinnwand landet, jedoch zunächst nur seine Beiträge sieht, bestätigt dies.

Fazit: Wer in sozialen Netzwerken als Politiker aktiv ist, aber geflissentlich die Fragen der User ignoriert, macht meiner Meinung nach etwas falsch, in diesem Fall finde ich, sogar alles falsch. Durchgefallen, setzen, sechs.

Kandidat 4: Hat die meisten Likes – 65. Trotz des nur mäßig geshoppten Bildes erhält der Kandidat viel Unterstützung auf Facebook. Leider gibt es jedoch nur wenig Interaktionen dort. Meine Frage wurde ebenfalls innerhalb von 24 Stunden beantwortet.

Ein Teil meiner Fragen wurden jedoch nicht auf Facebook, sondern auf Twitter beantwortet, zunächst auch ohne @-Reply. Dass man Fragen am besten dort beantwortet, wo sie gestellt werden, wurde diesem Kandidaten gesagt. Daraufhin hat er eine kurze Zusammenfassung auf der Facebook-Page online gestellt. Leider ist der Kandidat nicht nur bei Twitter, sondern auch bei Facebook seit dem 31.08. nicht mehr aktiv gewesen.

Fazit: Beantwortet Fragen, reagiert auf Fehlerhinweise, ist jedoch nicht ganz konsequent in der Nutzung.

Fazit insgesamt:

Man muss natürlich bedenken, dass Lingen keine Social Media Hochburg ist, eher das Gegenteil. So ist das Engagement der Kandidaten schon verwunderlich. Ausschlaggebend für die Wahl wird es meiner Meinung nach wohl kaum sein.

Die Nutzung der Kommunikationskanäle variiert von reinen Newsfeeds bis hin zu ernsthafter Interaktion/ Dialogen. Wenn ich für mich bestimmen müsste, wer im Social Web die beste Figur macht… Nun, ich denke das sollte mittlerweile klar sein. Konstante Aktivität und Bereitschaft zu Dialogen an mehr als nur einem Tag. So sollte meiner Meinung nach Social Media Engagement aussehen.

Doch gerade in Lingen wird dieses Engagement wohl kaum ausschlaggebend sein.

Was bedeutet 90-9-1 eigentlich für Kampagnen?

Vor kurzem habe ich diesen interessanten Artikel über die 90-9-1 Regel von Nielsen gelesen. Die Regel war mir auch vorher bereits bekannt, aber nach dem ich einige Kommentare gelesen hatte fiel mir ein offener Brief (engl.) ein, den Amir Kassaei gepostet hatte.

Stets überlegen wir uns doch, wie wir die Zielgruppe nicht nur erreichen können, sondern auch dazu bringen, an Aktionen teilzunehmen. Das „Mitmach-Netz“ und das Potential darin wird von immer mehr Werbe- und Kommunikationsleuten entdeckt. Ich bin davon absolut nicht ausgeschlossen.

Doch nun stellt sich mir eine Frage. Wenn nur 10% der Zielgruppe (9+1) überhaupt aktiv im Social Web unterwegs sind, die anderen 90% aber „nur“ passiv sind, was halten dann diese 90% der Leute von solchen Mitmach-Aktionen? Einen Einblick bietet der offene Brief. Sollte dieser Brief repräsentativ sein, könnte es zu Problemen kommen. In dem Fall kann man von Glück sprechen, wenn Mitmach-Kampagnen ignoriert werden.

Wenn bald jede größere Marke auf die Idee kommen sollte, im Social Web derartige Kampagnen zu starten um das „Commitment“ der Kunden zur Marke zu steigern, wage ich zu prophezeien, dass das „Commitment“ der Kunden sehr bald durch solche Aktionen eher sinken wird. Ich gebe zu, ich habe bisher nur ein paar Erfahrungen mit Kampagnen und derartigen Aktionen machen können. Ich bin jedoch selber ebenfalls im Social Web unterwegs und an jeder virtuellen Ecke stolpere ich über eine unglaublich tolle Aktion die „nur 5 Minuten dauert“. Und sogar ich fühle mich genervt.

Es ist doch so, mittlerweile haben wir fast alle Varianten von Mitmach-Aktionen im Social Web erlebt. Der oftmals bereits in Print- und TV-Kampagnen monierte Innovationsmangel ist auch im Social Web zu finden. Um dem entgegenzuwirken werden manche Aktionen etwas komplexer gestaltet. Es wird mehr „Mitmachen“ von den Usern verlangt. Für mich ist das eine noch stärkere Belästigung. Ich hoffe, wenn ich das nächste Mal eine Online-Kampagne konzipieren soll/darf, finde ich genug Kreativität um keine Kopie einer Kopie einer Kampagne zu entwickeln.

Natürlich gibt es sehr gute Kampagnen, die auch ich sehr gut finde. Da wäre zum Beispiel die YouTube-Kampagne von TippEx die an diesem Wochenende sicher bei einigen für rege Begeisterung gesorgt hat, oder die fast legendäre OldSpiceGuy-Kampagne. Vielleicht bekomme ich die guten Aktionen alle nicht mit, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass derartige Kampagnen eher rar sind.

Also, vergessen wir bitte nicht, dass 90% der Internetnutzer wahrscheinlich keine Lust haben, ein Video von ihrem perfekten Weltraumflug mit einer Dose Energydrink zu drehen und es anschließend bei diversen Video-Plattformen hochzuladen. Vielleicht schafft man es, den Drahtseilakt zwischen Mitmachen und Konsumieren ohne einen Fehltritt hinzubekommen. Ich werde jedenfalls anfangen zu üben.