Montagsrunde 13.12.: Medienkompetenz

Medienkompetenz bezeichnet nach Dieter Baacke die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend zu nutzen.

Wikipedia

Das Thema ist komplex, sehr komplex. Darum werden wir in der kommenden Montagsrunde am 13.12. um 20 Uhr zu dritt (Michael Waning, Markus Sekulla und ich) versuchen, uns diesem Thema zu nähern. Am 10. und 11. Dezember lud die SPD zum Barcamp Netzpolitik ein, wo auch die Novelle des JMStV stark diskutiert wurde. Doch was nützt ein Staatsvertrag, wenn die nötige Medienkompetenz fehlt?

Wie muss Medienkompetenz heutzutage aussehen? Wie sah sie früher aus? Wer kann denn heutzutage die nötige Medienkompetenz vermitteln? Dies sind nur ein paar Fragen, die wir gerne mit euch diskutieren möchten. Die Montagsrunde wird live auf Ustream übertragen.

Interessante Links zum Thema:

Netzwertig: Fehlende Medienkompetenz – Wie aus Lehrern Schüler werden

PR Blogger: Wir brauchen mehr Medienkompetenz

dazu passend Clemens Weins: Diskussion Medienkompetenz

Netzwertig: Ein fiktiver Medienkompetenzlehrplan

So hat Dieter Baacke übrigens 1998! ein Konzept zu Medienkompetenz beschrieben.

Und das sagt die Polizei dazu: So unterstützen Sie Ihre Kinder bei der Medienkompetenz

Wir hoffen ihr findet die Zeit, aktiv an der Diskussion teilzunehmen. Wenn ihr euch einen UStream-Account zulegt (1 Minute Anmeldung über Facebook/Twitter) könnt ihr mitreden. Wir „lesen“ uns (ihr seht und hört uns) dann hoffentlich am kommenden Montag.

Empfehlung: WikiRebels – The Documentary

WikiLeaks ist in aller Munde, es wird viel diskutiert und auch das Pro und Contra wurde von der wiwo schön dargestellt. Doch für die, die noch nicht so lange dabei sind und erst einmal einen guten Einblick in die Geschichte und die Ereigniskette gewinnen möchten, kann ich diese 57 minütige Dokumentation über WikiLeaks sehr empfehlen:

WikiRebels – The Documentary

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=NhTfOL9_HBE]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=SRF3gYxz1XQ]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=q6TRb40Km6A]

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=8imkYy_hJ4E]

Zu Nikolaus: Einmal Social Media-Expertise, bitte!

Advent, die (mutmaßlich) besinnlichste Zeit des Jahres. Der richtige Rahmen für die PR-Studenten der Fachhochschule Hannover innezuhalten und sich zum Nikolaustag einmal der Auswirkungen der Social-Media-Revolution zu besinnen: „Wird jetzt alles ethisch(er)?“ fragten sie sich und gaben diese Frage an die Gäste der dritten Podiumsdiskussion aus der Reihe „PRSH im Gespräch“ weiter. Dass sich das Thema des Abends im Subtext verschieben würde auf die Probleme der PR-Praxis, mit den Entwicklungen und Gesetzmäßigkeiten des Social Web Schritt zu halten, konnten sie da noch nicht ahnen. Auschlaggebend dafür waren organisatorische Widrigkeiten: So sagte leider Heiko Kretschmer kurzfristig ab und Klaus Merten, von vielen mit Spannung erwartet, wurde Opfer einer Kombination aus Wetter und Regionalbahn.

Die große Kontroverse blieb entsprechend aus, mit Mario Köpers (TUI), Petra Friedlaender (Agentur Molthan van Loon) und Monika Prött (Agentur Prött & Partner) war trotz der Bemühungen von Moderatorin Wiebke Möhring zu viel Praktiker- und Agentureinigkeit auf dem Podium versammelt, um für Zündstoff zu sorgen. Ethisches Handeln sei ganz, ganz wichtig, war der gemeinsame Tenor, und der DRPR mit seinen Richtlinien natürlich auch. Ob der Kommunikationsweg „Social Media“ etwas dazu beitzutragen hat oder nicht, blieb schließlich auf der Strecke.

TUI plant den Social Media Roll-out und Agenturen trennen strikt zwischen Privat- und Berufsleben

Interessantes gab für das studentische Publikum auf einer anderen Ebene zu entdecken. Zwischen Agentursprech und Beurteilungen einiger Social-Web-Kampagnen der jüngeren Vergangenheit schlichen sich entwaffnend ehrliche Statements:

Da hat ein Konzern vom Format der TUI noch keine Strategie fürs Social Web und will erst im kommenden Jahr die Bemühungen einiger Tochtergesellschaften unter einem strategischen Dach zusammenkehren. Beim Ausbruch des Eyjafjallajökull „schoss man aus allen Rohren“, um die Kunden über Flugausfälle und -änderungen zu informieren – nur sparte man offenbar Munition bei Twitter und Facebook. Die Erkenntnis, dass klassische Medien für die ständig wechselnden Botschaften gar nicht schnell genug sind, führte erst im Nachhinein dazu, dass Gezwitscher hier die bessere Lösung gewesen wäre.

Da beraten Agenturen Mittelständler beim Einsatz von Social Media und zeigen doch selbst große Unsicherheit. Dialog auf Augenhöhe wünsche man sich, nicht das Entladen von Emotionen in anonymen Posts. „Don’t feed the trolls“, diese Erkenntnis ist immerhin angekommen, aber wie man mit der schnellen Bildung und Auflösung großer Gruppen von Usern, die Diskussionen zu einem Thema anheizen, fertig werden soll, ist noch ein Rätsel. Auch privat einen Facebook-Account zu unterhalten sei inzwischen wohl unumgänglich, doch man ist froh über Praktikanten, die als Coach dienen können. Sinnvoll sei die Trennung von Privatem und Beruflichem, bei Molthan van Loon jedenfalls trennt man sauber zwischen Facebook und Xing, Freundschaftsanfragen werden höflich abgelehnt.

Unsicherheit in der Praxis: die Chance für Berufseinsteiger

Das Web mag vor „Social-Media-Consultants“ und „Web 2.0-Experten“ fast überlaufen, aber die Bilanz bleibt doch eindeutig: In der Unternehmens- und Beratungspraxis ist das Thema noch immer nicht Teil des Alltags. Beste Chancen also für eine Generation von ausgebildeten Young-Professionals, für die der Umgang mit Blogs, Twitter, Facebook und Co. (fast) schon eine Selbstverständlichkeit darstellt. Dieses Fazit finde ich mindestens ebenso erwärmend wie den Glühwein, den die PR-Studenten im Leibnizhaus als Spezialität des Abends servierten und dafür ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren eines erkenntnisreichen Abends!

Die Aufspaltung der Webgemeinschaft?

Lange habe ich gezögert zum Thema Wikileaks etwas zu schreiben. Zum einen, da ich nicht so tief im Thema drin bin, zum anderen weil andere schon sehr gute Beiträge hierzu geschrieben haben, unter anderem gibt es einen interessanten Beitrag im Deutschlandradio.

Was geschah nun? Zunächst gibt es eine (Hexen-)Jagd auf Julian Assange von Interpol mit Assange als „Most wanted“. Doch auch die Website von Wikileaks wurde gesperrt. EveryDNS unterband den Zugang zu wikileaks.org und später auch den Zugang zu wikileaks.ch. Auch Amazon hatte die Seiten bereits vom Netz genommen. Und nun hat sich auch Paypal auf die Seite der Wikileaks-Gegner gestellt: Sie sperrten heute den Wikileaks-Paypal-Account und stellen den momentanen Höhepunkt der Bemühungen dar, Wikileaks aus dem Cyberspace zu verbannen.

Die Aktionen von Amazon und Paypal haben nun jedoch folgen für die Unternehmen. Eine Welle der Solidarität für Wikileaks macht sich in der Webgemeinschaft breit. Auch die Reporter ohne Grenzen rügen die Art der Reaktionen (Sperren, Hackangriffe, etc. auf Wikileaks) und Island überlegt sogar, eine Gesetzesgrundlage zu schaffen, um als sicherer Hafen für Wikileaks und ähnliche „Verfolgte“ zu dienen.

Ich persönlich finde, dass gerade ein bedeutsames Ereignis stattfindet, dass die On- und Offline-Welt nachhaltig beeinflussen wird. In welche Richtung, das bleibt abzuwarten. Doch teilt sich momentan die Webgemeinschaft in zwei Lager. Die einen unterstützen die Aktionen von Wikileaks und fordern freien Zugang zu allen Informationen (ein Grundsatz, der schon lange die oberste Maxime der Netzwelt ist), während die anderen gegen die Mittel von Wikileaks sind (oder selbst Politiker sind).

Wie wird es weitergehen? Ich glaube kaum, dass Amazon oder Paypal bald Konkurs anmelden müssen, aber es werden Forderungen nach globalen Boykotten laut und die Fronten verhärten sich. So wenig aufregend die veröffentlichten Daten von Wikileaks auch gewesen sein mögen, da durch die Veröffentlichung an sich dem Giganten USA ans Bein gepinkelt wurde, was dieser sich nicht gefallen lassen will, resultierten daraus Reaktionen, die in ihren Auswirkungen vielleicht weiter reichen, als viele gedacht haben. Ich bin überzeugt, dass sich auf Grund dieser Veröffentlichungen etwas grundlegend ändern wird. Geändert hat. Und viele Menschen ihre Haltung zu Informationsverfügbarkeit, Geheimnissen und öffentlichem Handeln überdenken müssen. Dies beobachte ich mit Spannung, teilweise aber auch mit erschrecken. Mal sehen wohin die Reise geht…

Update: Gerade habe ich erfahren, dass ein Kolumnist der Washington Times die Ermordung von Assange fordert! Das geht ja noch weiter als die genialen Ideen von Sarah Palin. So nicht!

Twittwoch Düsseldorf – Afterglow

Vor etwa 24h endete der zweite Twittwoch Düsseldorf (#twd, hier noch Gratulation zum trending topic!) und ich hatte Zeit, die Eindrücke und Erfahrungen zu verarbeiten.

Dieses Mal haben Johannes Lenz und André Paetzel zwei bekannte Twitterer zu ihrer Meinung niemand geringeres als das deutsche Online-Gesicht von Google, Stefan Keuchel und  der Lawblogger Udo Vetter stellten sich den Fragen und gewährten einen Einblick in ihre Twitter-Erlebnisse. Heraus kamen peinliche Twitter-Erfahrungen, die Erkenntnis, dass weibliche Twitterer einen hübschen Avatar wählen sollten, wenn sie von Udo Vetter zurückgefolgt werden möchten und die Grenze der 1000 Followings eine magische Marke darstellt.

Die Twittwall war dieses Mal auch nicht so hinderlich, wie beim ersten Mal. Nach dem kurzen Interview durften die Gäste sich an dem, freundlicherweise von der Landesanstalt für Medien NRW bereitgestellten Buffet gütlich tun. Vielen Dank an dieser Stelle! So begann das Offline-Connecten, einer der wesentlichen Gründe für mich, solche Events zu besuchen.

Ich habe viele interessante Namen meiner Timeline getroffen und konnte bereits bekannte wiedersehen. Dieses Mal habe ich es sogar geschafft, Leute zu treffen, bei denen es beim letzten Twittwoch nicht geklappt hat, auch ohne die Hilfe von Daniel! Da ich bereits in Begleitung von Michael und Markus zum Twittwoch erschien, konnten wir uns auf dem Rückweg bereits über unsere Eindrücke austauschen. Das Fazit insgesamt war: Es hat sich wiedereinmal gelohnt!

In diesem Sinne freue ich mich noch viel mehr auf die re:publica 2011 im April 2011. Ich hoffe dort noch viel mehr interessante Leute aus meiner Timeline und solche, die ich noch gar nicht entdeckt habe zu treffen. Also sorgt dafür, dass ihr dort seid!

Zum Schluss noch einen Gruß an die, die ich treffen durfte: Tim Krischak, Beate Wiedner, Johannes Lenz, Jochen Mai, Thomas Koch, Anja Stagge, Markus Umbach, Arnold Melm, Björn Eichstädt, Nadia Zaboura und Udo Vetter. Natürlich auch Markus Sekulla und Michael Waning, meine Begleiter. Bis zum nächsten Mal!

Uns bleibt ja noch Berlin… oder: Wir sehen uns auf der #RP11!

Immer wieder merke ich, dass ich hier doch etwas in der Provinz wohne. Nun, nur noch 1 1/2 Semester und ich sollte meinen Bachelor haben. Wohin es mich danach verschlagen wird, weiß ich zwar noch nicht, aber sehr wahrscheinlich weg von hier.

Es gibt viele Leute, die ich über Twitter, Facebook oder Blogs kennengelernt habe, aber noch nicht offline getroffen habe. Schade, denn der Austausch übers Netz ist sehr angenehm und da wäre es doch interessant, sich auch einmal offline gegenüberzustehen (alternativ auch sitzen). Doch die räumliche Entfernung macht da oft einen Strich durch die Rechnung.

Aber jetzt gibt es einen Lichtblick. Er liegt ausgedruckt vor mir: Mein Ticket zur Re:publica 2011 im April. Zu spät für die Early-Bird-Bloggertickets, habe ich mir ein Blogger-Ticket gegönnt und freue mich jetzt schon, viele Leute aus meiner Timeline zu treffen!

Neben der Treffen bin ich aber natürlich auch schon auf die verschiedenen Vorträge und Events gespannt. Und natürlich freue ich mich darauf, nach dann knapp 2 Jahren einmal wieder in Berlin zu sein, wenn auch nur kurz. Also, wer noch kein Ticket hat, schaue doch hier vorbei, vielleicht sehen wir uns dann im April 2011?

Wer den Schaden hat? – Publicis und YouTube

Am 15. November 2010 veröffentlichte Publicis auf ihrem YouTube Channel ein kleines Video. Ein Video, dass auf humorvolle Art zeigen sollte, dass die Publicis Jungs und Mädchen nun auch twittern. Dass über deren Twitteraccount bis dahin gerade mal einen einzigen Tweet abgeschickt hatte, hielt sie nicht davon ab einen „mutigen“ Titel für ihr Video zu wählen: „Check out how Publicis Groupe roars on Twitter“. Entsprechende Reaktionen von anderen ließen natürlich nicht lange auf sich warten. Hier ihr Video:

 
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=MpdqQ0ROpYo&fs=1&hl=de_DE]
 

Doch dass im Social Web nicht immer alles so läuft, wie geplant und manch kreative Leute sich die mehr oder weniger aufwändig produzierten Videos schnappen und leicht verändern können (dabei selten zum Wohlfallen der Urheber), musste nicht nur RWE feststellen. Nein auch Publicis darf sich (nach nur einem Tag!) nun in die Reihe derer gesellen, die mit einem kleinen Fake-Video geehrt wurden. Das Resultat könnt ihr euch hier ansehen:
 
[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=KOVbOF7FAk8&fs=1&hl=de_DE]
 
Wir dürfen gespannt sein, welches Video mehr Views bekommen wird. Und wie Publicis (wenn überhaupt) reagieren wird. Vielleicht hilft es indirekt sogar?

Schmelzende Steine

Der Marktanteil von Googles Chrome Browser dümpelt noch immer unter 10%, während Microsofts Internet Explorer fast 60% hält und Firefox stabil ein Viertel des Marktes für sich beansprucht. Mit RockMelt drängt nun quasi Chrome 2.0 auf den Markt, der von ehemaligen Netscape-Machern entwickelt wird und auf Chromium-Basis läuft. In den Beta-Test darf nur einsteigen, wer sich über Facebook dazu anmeldet und dann vielleicht eine Einladung erhält oder von anderen Nutzern eingeladen wird. Kein Wunder – der Browser will das Fenster zum Social Web sein, mit Sidebars für Facebook-Kontakte, Newsfeeds aus Facebook und Twitter und RSS-Feed-Service. Entsprechend groß ist der Hype, Testaccounts sind begehrt und jedes Techblog berichtet fleißig, die Frage ist, wie viel Marktpotenzial ein Browser mit diesem Funktionsschwerpunkt hat.

Ich bin kein Techblogger, daher will ich diese Frage gar nicht weiter erörtern und über den fragwürdigen Umgang mit Daten berichten andere ausführlicher und besser (z. B. Spiegel Online und Netzwertig). Allerdings habe ich jetzt 24 Stunden intensive RockMelt-Nutzung hinter mir und mich beschäftigt die Frage: Brauche ich diesen Browser? Macht er meine Social Web-Nutzung einfacher und rechtfertigt die Datenschutzrisiken?

Vision…

RockMelt will mein Client für alles sein und mir helfen, Webseiten, Kontakte, Updates und Interaktion übersichtlich zu organisieren, damit ich mich im Web wie zuhause fühle. Das verspricht das Promo-Video mit Feelgood-Musik und Toby, der dank RockMelt sein neues Leben in einer neuen Stadt ganz toll findet:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=bAPKPhoTqFY&fs=1&hl=en_US]

Die Sache hat nur einen Haken: Alles, was im Video so selbstverständlich mit RockMelt verknüpft wird und für die guten Vibes sorgt, ist ein Service anderer – Facebook, Twitter, Foursquare und Co. (und wir alle wissen, dass Schildkrötenrennen in der Kneipe im Erdgeschoss nicht dem Browser zu verdanken sind). Die wahre Herausforderung eines Browsers, der alles integrieren will, liegt nicht darin, lediglich Zugriff auf diese Services zu ermöglichen, sondern dies übersichtlich und zuverlässig zu organiseren. Und darin muss er besser sein als externe Clients, webbasierte Apps und andere Browser. Ein hoher Anspruch.

… und Wirklichkeit

Wer Chrome kennt, kennt RockMelt. Hinzugekommen sind die bereits erwähnten Leisten links und rechts, die Kontakte anzeigen und Zugriff auf Newsstreams und Feeds ermöglichen. Soweit, so übersichtlich, nett auch die Idee eines „Share“-Buttons neben der URL-Leiste, über den Links mit nur einem Klick geteilt werden können. Die Stärke: Messaging mit einem Klick und Update-Benachrichtung von Streams und Feeds in einem Fenster, genau das, was das Promo-Video sehr anschaulich zeigt.

Aber hier liegt zugleich auch die Schwäche: Ein offener Facebook-, Twitter- oder Webplication-Tab ist ebenfalls nur einen Klick entfernt, zeigt mir in der Regel auch direkt an, ob Updates vorliegen und, rufe ich den Tab auf, bietet mir eine wesentlich umfangreichere und übersichtlichere Darstellung. Dashboards wie HootSuite zeigen mir was ich will auf einen Blick, der Wechsel in ein anderes Browserfenster fällt nicht weiter ins Gewicht. RSS-Feeds direkt im Browser abonnieren zu können ist ebenfalls zunächst elegant, bietet aber bei weitem nicht den Nutzen, den ein ausgewachsener Reader liefert und ist damit keine echte Alternative. Denn wie man das Blatt dreht oder wendet: Informationen zu organisieren, zu priorisieren und damit Zeit zu sparen ist das Kernproblem intensiver Internetnutzung, besonders im Social Web. Für diesen wortwörtlichen Strom an Infos sind die Kanäle und Schleusen von RockMelt einfach nicht breit genug.

Fazit

Für intensive Nutzer des Social Webs ist RockMelt zwar gedacht, aber in der Praxis reicht der Funktionsumfang (noch) nicht aus. Zudem leidet die Beta noch unter Kinderkrankheiten wie lahmenden Updates und Synchronisationsproblemen. Mit integriertem Messaging und rudimentären Feed-Optionen ist RockMelt für weniger anspruchsvolle Nutzer zwar geeignet, aber damit verfehlt der Browser seine eigene Zielgruppe. Der Erfolg von RockMelt im hart umkämpften Browsermarkt hängt aber von seiner Social Media-Kompatibilität ab. Wägt man den Nutzenzugewinn gegen die bisher dokumentierten Datenschutzmängel auf, bleibt unterm Strich eine negative Bilanz. Für mich heißt es erstmal zurück zu Firefox und Google Reader, auch wenn ich einen integrierten Chatclient ganz nett und das RockMelt Logo wirklich hübsch finde.

Das Samsung Galaxy Tab – Erste Eindrücke

Gestern endlich erhielt ich mein neues „Handy“. Nun Handy sollte in diesem Zusammenhang vielleicht nicht als Begriff benutzt werden. Sagen wir Mobilgerät. Nachdem ich zunächst ein HTC Desire HD vorbestellt hatte, habe ich mich auf Grund der langen Lieferzeiten (bei Amazon immer noch nicht lieferbar) für das Samsung Galaxy Tab entschieden. Im Gegensatz zum 4.3″ „kleinen“ Desire HD ist das Galaxy Tab mit einer Diagonale von 7″ um einiges größer. Und es kostet auch mehr. Es ist sogar teurer als so manches iPad. Warum also für ein kleineres Gerät als das iPad mehr Geld ausgeben? Die Antwort ist einfach: Ich kann damit telefonieren und es läuft mit Android 2.2.

Nun hatte ich (theoretisch) 24h Zeit, mich mit dem Gerät auseinander zu setzen. Und hierbei sind mir viele positive Aspekte an dem Gerät aufgefallen, aber auch 2-3 grobe Missstände.

Positiv ist das Display, mit einer höheren Pixeldichte als beim iPad ist es sehr klar, einzig die schnell auftretenden Spuren der Fingerbewegungen stören. Dafür ist es jedoch hell genug auch durch den Schlierenfilm hindurchzuscheinen. Da ich kein Techie bin erspare ich euch die technischen Angaben und Vor- und Nachteile zu dem einen oder anderem Gerät. Die könnt ihr beispielsweise bei Sascha Pallenberg’s Netbooknews nachlesen. Ich sage nur so viel: Es läuft unglaublich schnell, besitzt neben einer CPU auch eine GPU. Programme sind schnell installiert und laufen sehr schnell. Auch die Tatsache dass sowohl eine Frontkamera als auch auf der rückwärtigen Seite eine Kamera angebracht ist (Video-Telefonie also möglich, beim iPhone4 heißt das ja „Facetime“), soll lobend hervorgehoben werden.

Doch gibt es einiges, was mich etwas stört: Das Samsung Galaxy Tab kann NICHT mit einem Mac synchronisiert werden. Ich wunderte mich zunächst, warum mein MacBook Pro das Gerät nicht erkannte, doch kurzes Googlen erklärte es. Ob es nun an Apple oder an Samsung/Google liegt? Keine Ahnung. Für mich bedeutet es, dass ich den seit mehr als einen Monat nicht mehr eingeschalteten Windows Laptop hochfahren musste. Wer Windows kennt, weiß, dass man nach einem Monat nicht einfach hochfahren und loslegen kann… Ärgerlich!

Dann gibt es von Samsung ein Programm zur Synchronisierung der Mobilgeräte mit (Windows-)Rechnern. „Kies“ heißt es und hat auch eine ganz nette Oberfläche. Dummerweise musste ich die 127MB erst einmal herunterladen und installieren, da das Gerät beim Windows7-Rechner nicht auf Anhieb erkannt wurde. Und dann? Unterstützt Kies das Galaxy Tab kaum. Allein die Datensynchronisation war möglich, ich konnte also Musik/Bilder/Videos hin- und herschieben, mehr jedoch nicht. Kontakte, Kalender, etc. konnte ich nicht damit verwalten. Den Samsung App-Store kann ich auch nicht nutzen, da Google bestimmt hat, dass nur der Android Market für Apps zugelassen ist.

Glücklicherweise kam das Galaxy Tab mit einem guten Paket an Apps bereits installiert an und im Android Market finden sich auch viele Apps, doch die Bequemlichkeit am Rechner die Apps herauszusuchen, herunterzuladen und das Gerät zu verwalten, all dies fällt flach.

Zum Glück macht es mir viel Spaß mit dem Galaxy Tab herumzuspielen und ich habe kein Problem damit auch längere Zeit mit dem Touchscreen zu arbeiten. Doch wäre dies nicht so, würde ich mich wahrscheinlich ärgern.

Eines noch: Das gerät kann natürlich ohne Headset zum Telefonieren genutzt werden, jedoch auf Grund der Größe nur mit Lautsprechern, private Gespräche sollten dann möglichst zu Hause geführt werden. Da kein Bluetooth-Headset mitgeliefert wird, sollte man überlegen sich eines zu bestellen.

Bisher bin ich insgesamt jedoch sehr zufrieden damit und werde wahrscheinlich noch viel Spaß haben.

DB bei Facebook – Eine Diskussion

Die Deutsche Bahn wird viel diskutiert. Sei es der Umbau des Bahnhofes in Stuttgart, besser bekannt unter dem Schlagwort Stuttgart 21, oder aber verschiedene Meldungen von Kindern und Jugendlichen, die wegen fehlenden Fahrscheins irgendwo in der Walachei ausgesetzt wurden. Bewertet man die öffentlichen Diskussionen um den DB-Konzern fällt sehr schnell auf: Die meisten Diskussionen sind negativ behaftet.

In diesem vorwiegend ablehnenden Diskussionsklima hat die Deutsche Bahn beschlossen, nun auch bei Facebook mit einer Seite vertreten zu sein. Das Deutsche Bahn Chefticket startete am 18.10. und erlaubt es den „Fans“ im Zeitraum vom 25. Oktober bis zum 07. November ein günstiges Ticket zu erstehen – das Chefticket.

Olaf Kolbrück hat bei Off the Record bereits einen schönen Beitrag zur ganzen Aktion gepostet – 7 Gründe, warum die Aktion der Bahn bei Facebook knorke ist. In wunderbar ironischer Manier wird dort die Aktion bewertet.

Doch ich möchte gar hier gar nicht auf die Inhalte dieser Aktion eingehen, sondern beziehe mich auf eine Diskussion gestern (spät) abends bei Twitter. Hier diskutierten Daniel Rehn und Christinah84 mit mir über die Seite und die mögliche Motivation für diesen doch nicht unproblematischen Schritt.

Ist dieser Schritt der Versuch einer Flucht nach vorne? Möchte die Bahn aus der Defensive heraus? Welcher Wahnsinniger hat sich für diesen Schritt ausgesprochen und diesen auch durchgesetzt? Oder welche Agentur meinte, es sei sinnvoll gerade jetzt eine Facebook Seite zu starten? Doch solche Fragen können kaum von Außenstehenden beantwortet werden. Überlegen wir uns doch lieber, wie die Bahn, nun da sie sich schon in diese Situation manövriert hat, idealerweise macht, um einen Nutzen daraus ziehen zu können.

1) Egal warum die Bahn die Seite gestartet hat, mit einer massiven Kritikwelle hat man rechnen müssen. Soweit sollte man die öffentliche Meinung einschätzen können. Gibt es einen Plan, wie man auf negative Kommentare auf der Pinnwand reagiert? Wie geht man mit Trollen um? Reagiert man auf jeden einzelnen negativen Post oder allgemein auf die Kritik als Ganzes?

2) Wird die Seite inhouse betrieben oder wurde eine Agentur damit beauftragt? Sollte eine Agentur als Externer die Seite betreiben, kann sie denn überhaupt schnell auf Kritiken reagieren? Hat sie den Einblick in das Unternehmen und kann kompetent auf Kritik antworten? Wenn die Seite inhouse betrieben wird, wer übernimmt die Betreuung? Sind die betreuenden Mitarbeiter auf die zu erwartende Kritik vorbereitet und im Umgang mit ebendieser geschult? Vor allem im Social Web kann die Kritik schnell sehr hart werden. Wenn es zu schlimm wird, sollten Kommentare gelöscht werden, doch nicht ohne Begründung, wie sich versteht.

Bis hierhin waren wir uns einig, dass diese Punkte zu beobachten seien. Doch was, wenn die Bahn gar nicht auf Dialog aus ist? Wenn sie diese ganze Aktion als einen Teil einer viel längerfristigen Strategie geplant hat? Daniel vermutete hier einen Social Media Ballon, der dank Zeitfenster eine Exit-Strategie gleich mitgeliefert bekommt. Damit ist es relativ egal, ob die Bahn nun auf die Kritiken alle reagiert oder nicht. Wenn von vorne herein das Ziel nicht der Dialog und die zeitnahe Abschwächung der negativen Grundstimmung im Social Web war, muss das Engagement anders bewertet werden.

Wenn die Bahn diese Seite nicht nur mit dem Ziel des Vertriebs der Cheftickets (die sehr wahrscheinlich gut weg gehen werden – goodies sind beliebt), sondern vor allem auch mit dem Ziel, der negativen Stimmung ein Ventil zu bieten, durch dass sie sich entladen kann. Also die Kritiker, sei es Stuttgart21, der Bahnsupport, die (Un-)Pünktlichkeit, oder was auch immer. Wenn man sich einfach den ganzen Frust von der überstrapazierten (Kunden-)Seele schreiben kann, teilweise sogar Reaktionen (im Idealfall verbunden mit einer kleinen Entschuldigung?) verbunden.  Also all die negative Stimmung der Bahn gegenüber einen Weg findet, sich zu entladen. Nach alldem kann die Bahn, vorgefertigter Exit-Strategie sei dank, sich wieder zurückziehen und die Seite schließen.

Und jetzt? Jetzt kann die Bahn auftrumpfen. Wie? Mit einer Seite für den Kundensupport. Einer Seite ähnlich Telekom Hilft also. Denn der Großteil der negativen Energie hat sich bereits verflüchtigt. Die Stimmung ist nicht mehr so geladen und die Bahn setzt sich in ein selbst vorbereitetes Nest. Und hier werden sie dann alle Register des Kundenservices ziehen, darum bemüht, es den Kunden recht zu machen. Ist das also der Masterplan der Deutschen Bahn? Wird mit den Cheftickets der stärkste Wind aus den Segeln genommen um der eigentlichen Support-Seite den Weg zu bereiten? Es wird sich zeigen.