Ein Gerät mich zu binden?

Seit einem Monat ist meine Probezeit vorbei und ich bin als unbefristeter Mitarbeiter ein nun fester Teil von achtung! geworden. Viel geändert hat sich nicht, aber es fühlt sich gut an.

Und vor ein paar Tagen war es dann so weit: Ich habe etwas erhalten, das stark polarisiert – ein Büro-Smartphone. Polarisieren kann so ein Gerät nicht, weil es ein Apfel-Gerät ist, sondern weil viele sagen, dass es gar nicht so toll ist, wenn man immer erreichbar ist. So ein Bürohandy ist nicht nur ein Spielzeug für den Mitarbeiter, es ist ein Arbeitsgerät.

Und gerade bei Menschen, die – wie ich – Spaß an ihrer Arbeit haben, kann es natürlich schnell sein, dass man auch in der Freizeit dann mal bei der Arbeit „reinschaut“. Da ich nun nicht mehr mein eigenes Highspeed-Kontingent aufbrauche, vielleicht noch eher als sonst. Das ist keine Kleinigkeit, Freizeit sollte nicht unterschätzt werden und ist gerade bei Jobs, die Spaß machen, sehr wichtig. Denn viel zu schnell vergisst man, sich wirklich eine Auszeit zu gönnen und abzuschalten. Die vielbenannten „Akkus“ aufzuladen, nicht nur bei den einzelnen Devices, sondern die des Körpers. Und das heißt sowohl körperlich, als auch mental mal abzuschalten und NICHT zu arbeiten.

Ich habe in den letzten Monaten, mit etwas Unterstützung, schon gut gelernt, auch mal die Mails vom Wochenende nicht unbedingt sofort zu beantworten, wenn es nicht dringend ist. Und merke, dass es vielleicht nicht viel ausmacht, aber in der Summe durchaus einen Unterschied macht. Und da ich leider kein Samsung Galaxy S 3 als Bürogerät bekommen habe, ist die Gefahr eh nicht ganz so groß, dass ich damit auch am Wochenende immer herumrenne oder spiele.

Dennoch: Ich kann sehr gut verstehen, warum manche lieber kein Bürogerät haben möchten, ebenso wie ich die verstehe, die gerne eines haben. Es hat eben alles Vor- und Nachteile. Im Moment überwiegen bei mir die Vorteile. Und „noch“ kann man solche Geräte ja auch einfach mal ausmachen. Also zur Not.

PS: Wir suchen noch nach netten Kollegen! Schaut also unbedingt einmal hier vorbei: achtung! Karriere

Sag mal, wie ist die Kritik-Kultur bei euch im Unternehmen?

Diese Frage wurde einem guten Freund von mir einmal gestellt: „Wie ist die Kritik-Kultur bei euch?“ Als er mir davon erzählte dachte ich nur, dass es eine interessante Frage ist.

Diese Frage sollte man sich eigentlich nicht nur selbst stellen. Man sollte sie in Vorstellungsgesprächen stellen. Egal auf welcher Seite des Tisches man sitzt. Für einen Bewerber ist es interessant zu wissen, wie es denn im Unternehmen aussieht. Und als Arbeitgeber ist es interessant zu wissen, wie der Bewerber womöglich mit Kritik umgeht und in welcher Form er sie erwartet. Eine gute, offene und ehrliche Kritik, die konstruktiv formuliert ist, hilft eigentlich fast immer weiter. Bei mir ist es da nicht anders. Wenn ich nicht merke, was ich falsch mache, kann ich mich auch nicht bessern.

Wie sieht es bei meinem Arbeitgeber aus?

Nach mittlerweile fast fünf Monaten stelle ich mir also auch einmal diese Frage: Wie sieht es mit der Kritik-Kultur in der Agentur aus, in der ich arbeite?

Ich kann natürlich nur für das Team sprechen, in dem ich arbeite und die Kollegen, mit denen ich arbeite. Also, wie sieht es bei achtung! aus? Die kurze Antwort: So weit ich es mitbekommen habe, sehr gut! Das äußert sich für mich in verschiedenen Formen. Den Anfang macht das sehr subjektive Gefühl, jederzeit fragen zu können, ob meine Arbeit oder meine Art in Ordnung ist und wo ich etwas verbessern kann/muss.

Aber ganz konkret wird es auch im direkten Feedback. Ich arbeite an einem Projekt, das für mich neu ist und daher bin ich natürlich bei einigen Aufgaben etwas unsicher. Ich kann mich direkt an einen erfahreneren Kollegen wenden, um Rat und Hilfe bitten. Das sollte natürlich nicht Oberhand nehmen, da ich schließlich das Projekt bearbeiten soll und nicht der Kollege. Auch wenn ich meine Aufgaben erledigt habe, wird sie noch einmal mit einer Senior-Person besprochen. Es wird analysiert, was ich gut und was ich weniger gut gemacht habe. Dabei wird, auf meinen Wunsch hin, kein Blatt vor den Mund genommen. Erst wenn man mir klar sagt, was ich falsch mache, kann ich daran arbeiten. Ich weiß, dass ich nicht alles weiß. Wer tut das schon? 😉

Offene Kritik nicht nur auf professioneller Ebene

Doch es geht auch um das Miteinander. Kann ich einem Kollegen sagen, dass er an einer Stelle vielleicht besser anders reagieren sollte in Zukunft? Kann ich meine Meinung zu Projekten, Prozessen oder Ähnlichem offen äußern, ohne mit Problemen rechnen zu müssen? Wird mir offen gesagt, wenn ich mich auch mal zwischenmenschlich nicht angemessen verhalte, sei es aus Stress oder Nachlässigkeit?

All diese Fragen kann ich mit „ja“ beantworten. Natürlich macht immer der Ton die Musik, keiner steht darauf, immer nur seine Fehler vor die Nase gehalten zu bekommen. Ein Beispiel? Ich war in den letzten Wochen sehr angespannt, weil ich zum ersten Mal ein größeres Projekt zu verantworten hatte. Ich musste mich in Prozesse einfinden und die Aufgaben erledigen. Das war alles recht neu für mich und nahm mich sehr in Anspruch. Leider litten meine Umgangsformen darunter. Selbstverständlichkeiten wie „bitte“ und „danke“ entglitten meiner Aufmerksamkeit. Ich persönlich finde es eigentlich wichtig, auf Höflichkeit zu achten. Es hat etwas mit der Wertschätzung des Gegenüber zu tun. Daher war ich umso schockierter, als ich einmal zur Seite genommen wurde und sehr dezent gefragt wurde, ob alles in Ordnung ist. Klar, ich war gestresst, aber so müde sah ich nicht aus, dachte ich. Aber das war es auch gar nicht. Mir war nicht einmal aufgefallen, wie ich mich verhalten hatte. Fast zwei Tage lang. Als ich darauf aufmerksam gemacht wurde, war es natürlich im ersten Moment ein Schock, aber ich war auch sehr dankbar. So konnte ich darauf achten. Ich konnte an mir arbeiten und weiß jetzt, dass ich da eine Schwachstelle habe. Am nächsten Tag wurde ich übrigens darauf angesprochen, dass ich wieder „so wie sonst“ sei. Auch das gehört für mich zu einer guten, positiven Kultur-Kritik.

Wenn ich weiß, woran es hapert, weiß ich woran ich arbeiten muss

Die Folge aus der Kritik-Kultur, die ich zur Zeit in dem Unternehmen, in dem ich arbeite, kennenlerne ist eine sehr interessante: Ich sehe sehr deutlich, woran ich an mir noch arbeiten kann und muss. Es ist ganz klar, was ich noch lernen muss. Ich habe das Gefühl, dass ich das hier sehr gut machen kann. Ich kann mich hier entfalten und noch sehr viel lernen. Und darum gefällt es mir hier.

Also: sag mal, wie ist eigentlich die Kritik-Kultur bei euch im Unternehmen?

Facebook Ads – Bringt das eigentlich etwas?

Facebook ist fest in den Alltag der meisten Leute integriert. Wir loggen uns morgens ein und checken den aktuellen Status der „Freunde“ und loggen uns abends meist nicht einmal mehr aus. Dank der Smartphones sind wir auch in der Ubahn oder im Bus stets in der Lage unsere Meinung zu unserem Sitznachbarn, der aktuellen Nachrichten oder sonst etwas kund zu tun.

Und dann gibt es noch die unter uns, die sich sogar beruflich mit Facebook auseinander setzen. Wir betreuen für uns, unser Unternehmen oder unsere Kunden Facebook Seiten und beschäftigen uns mit der Community. Wir sind stets bemüht, sie zu involvieren, mit ihnen zu sprechen und auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Wir suchen die besten Zeiten, einen Beitrag zu posten aus den Statistiken heraus, wir wägen ab, welche Textzeile am besten mit dem Bild die Nutzer aktiviert. Alles mit zwei großen Zielen: Aktiviere deine bestehende Fans und gewinne neue hinzu!

Dies ist soweit keine hohe Kunst und die meisten von uns schaffen es mehr oder weniger gut. Hierfür ist bis auf die Zeit, die wir in Recherche und Community Management stecken, auch kein größeres Investment nötig. Was aber, wenn ich nun doch ein kleines Budget für Media zur Verfügung habe? Auf Facebook. Bringt das eigentlich etwas? Wer klickt denn auf die Werbung? Haben nicht mittlerweile die meisten Menschen im Internet den Ad Block Plus installiert?

Als jemand, der sich sehr stark mit Facebook Ads beschäftigt, kann ich eines sagen: Die Facebook Ads wirken! Die Nutzer klicken sie an, wie die sprichwörtlichen warmen Semmeln. Aber nur, wenn man einen guten Text und das passende Bild dazu hat. Wer nicht über das Facebook Sales Team bucht, hat 135 Zeichen für Text zur Verfügung. Hier zählt der pointierte Ausdruck, der zum Klicken verleitet. Ein hübsches, passendes Bild dazu: Super! Zusätzlich empfiehlt es sich, Sponsored Stories zu schalten. Hierbei handelt es sich um ein Werbeformat, bei dem anstatt eines Werbetextes und Bildes die Interaktion der eigenen Kontakte mit einer Facebook Seite angezeigt werden. So kann ich sehen, wer alles die neue Seite vom Kandidaten der letzten Casting-Show geliked hat und all so etwas. Und ob ihr es glaubt oder nicht: Das funktioniert noch viel besser als die Text-Ads! Warum? Ganz einfach: Ich sehe, dass ein „Freund“ von mir, diese Seite gefällt. Ich werde dadurch auf die Seite aufmerksam und klicke darauf. Wenn die Seite dann noch gut ist, ist der Klick zum „like“ nicht mehr fern.

Und just als ich anfing, diesen Beitrag zu schreiben, flatterte bei Facebook dieser Beitrag in meine Timeline: Facebook Timeline for Brands – It’s about storytelling! Diesen Beitrag kann ich nur jedem ans Herz legen. Hier beschreibt Jamie Tedford, CEO von Brand Networks, worauf man seit der Umstellung auf die Timeline für Facebook Seiten achten muss. Und in einem kleinen Unterpunkt erwähnt er auch Werbung. Sponsored Stories um genauer zu sein. Aber ein Satz von ihm stimmt auch für normale Ads: „Stories that are not amplified rarely reach beyond your existing inner circle.“ – Eine Geschichte, egal wie gut, erreicht zunächst immer nur den bestehenden Kreis an Leuten. Und wie wir seit der FMC wissen, im Durchschnitt auch nur 16% der Leute!

Genau hier kommen die Facebook Ads ins Spiel. Aber, ehrlich gesagt, nicht so, wie ich sie oben beschrieben habe. Warum ich jetzt erst etwas so beschreibe und dann was anderes sage? Ich weiß nicht, wie viele von euch schon einmal Ads für eine Facebook Seite geschaltet haben, daher wollte ich eine gute Basis legen. Es gibt aber neben der normalen Text Ad auf Facebook und den Sponsored Stories natürlich eine ganze Menge anderer Ads  auf Facebook. Seit der FMC, bei der immer wieder betont wurde, dass es um die Story geht und nebenbei für die Top Seiten der „Reach Generator“ vorgestellt wurde, bin ich überzeugt, dass man auf Facebook mit „klassischer Werbung“ also schickes Bild und ein knackiger Text dazu, nicht unbedingt die optimale Lösung gefunden hat. Vielmehr kommt es besser an, zumindest meiner Erfahrung nach, wenn man die Ads als sogenannte Page Post Ads einsetzt. Dabei werden Werbungen auf einen Beitrag der Facebook Seite geschaltet. Inhalt der Werbung: Der Beitrag. Dabei hat man weniger Zeichen als sonst zur Verfügung, danach wird (auch mitten im Wort) abgeschnitten. Natürlich kann diese Art der Werbung nur so gut sein, wie der Beitrag, der genutzt wird. Aber wenn da ein guter Beitrag dahinter steht, dann geht die Werbung auch ab!

Und jetzt kommt der Clou: Wurden die früheren Ads nur für die Nutzer angezeigt, die noch nicht Fan der Seite waren (zumindest in den meisten Fällen), so gibt es diese Unterscheidung nun nicht mehr. Facebook hat das Welcome Tab schon entfernt. Und der Beitrag wird eh von allen gesehen, ob Fan oder nicht. Warum sollte man also bei der Werbung auf diesen Beitrag dann unterscheiden? Die Folge ist dabei: Auch bestehende Fans sehen diesen Beitrag wieder! Damit kann man die Quote von sonst 16% durchaus steigern. Die Zugriffszahlen sehen zumindest bei den Ads, die ich betreue sehr gut aus. Ach ja: Der Preis auch! Das erfordert aber etwas mehr Aufwand und eine genauere Beobachtung der Ads.

tl;dr: Facebook Ads bringen durchaus etwas, aber nur dann, wenn sie auch ordentlich konfiguriert und betreut werden.

To pin or not to pin?

Pinterest ist in aller Munde. Seit einiger Zeit haben auch die Deutschen den Dienst zum Teilen von Bildern (und Videos) entdeckt und sind einfach nur begeistert. Auch ich gehöre zu den begeisterten pinnern und pinne, was mir unterkommt. Immer wieder kommt aber die Frage auf: Und was ist mit dem Urheberrecht? Zurecht, da das Urheberrecht trotz ACTA gültiges Recht ist, das beachtet werden sollte.


Doch gerade in meiner Tätigkeit als Kommunikationsberater sehe ich für einige Unternehmen ein sehr großes Potential in Pinterest. Zu Pinterest für Unternehmen gab es auch einige gute Artikel und auch eine Sammlung einiger Unternehmen, die Pinterest bereits einsetzen. Und doch treffe ich häufig auf Zweifel und Zurückhaltung, wenn ich sage, dass Pinterest für einige Unternehmen sehr interessant ist.Für wen ist das denn überhaupt interessant?Natürlich spreche ich hier jetzt nicht von einem Unternehmen, dessen Kommunikation vorwiegend aus Pressemitteilungen und Pressebildern aussieht. Oder Unternehmen, die mit ihrem Produkt oder ihrer Marke für Bildmaterial nur wenig hergeben.Es wird jedoch für Unternehmen interessant, sobald sie Produkte haben, die sich visuell gut darstellen lassen. Ich denke da beispielsweise an Fashion-Unternehmen, die ihre Modekollektion nicht nur in einem Katalog abdruckt,sondern ebenfalls bei Pinterest in passenden Boards anordnet. Dabei schön die Verlinkung zum Onlineshop bei jedem Pin mit dabei haben und so für Traffic zum Shop sorgen können. Oder aber ich denke da beispielsweise an Food-Unternehmen, die ihre Produkte (Zutaten oder ganze Mahlzeiten) in ansprechenden Bildern ebenfalls auf Pinterest in Boards zusammenstellen. „Schnell gemacht“ „Romantischer Abend zu Zweit“ oder ähnliche Boardnamen fallen mir spontan ein. Auch hier wieder mit Verlinkung zum Onlineshop, oder zur Rezeptseite. Ich könnte das hier noch viel weiter spinnen, aber der Grundgedanke sollte klar geworden sein.

Aber Pinterest verdient doch über die Affiliate-Links mit!

Das ist richtig, Pinterest verdient über Affiliat-Links mit, wenn über den Pin ein Produkt erworben wird. Doch verdient dadurch das Unternehmen weniger? Verdient der Supermarkt am Verkauf von Produkten nicht mit? Ich denke, man muss Pinterest in dem Moment, in dem es auch zu Vertriebszwecken genutzt wird, nicht mehr nur als Bild-Sharing-Dienst ansehen, sondern ebenso behandeln, wie einen Zwischenhändler. Und der verdient am Verkauf der Produkte ebenfalls mit.

Hier hat sich im Social Web wohl bei vielen der Gedanke festgesetzt, dass all die schönen Services vermeintlich kostenlos sind (Ja, wir zahlen mit unseren Daten, ich weiß) und da sind, weil sie sich über andere Mittel finanzieren und sonst einfach da sein wollen. Doch das ist meiner Meinung nach falsch. Ich denke, Pinterest zeigt einen Trend, den wir in den nächsten Jahren noch ausgeprägter sehen werden: Die Services erkennen, dass sie genutzt werden können um Unternehmen beim Vertrieb zu unterstützen. Und sie erkennen auch, dass sie daran ebenfalls verdienen können. Die Finanzierung von Diensten wie Twitter, Foursquare und vielen ande

ren (Facebook habe ich absichtlich rausgelassen) ist immer noch nicht unproblematisch. Pinterest versucht hier einen neuen Weg und der erscheint mir bis jetzt ganz gut.

Ich persönlich freue mich über interessante Pins (und entfolge weiterhin jeglichen Infografiken!) und hoffe, dass Dienste wie Pinterest weiter zu einer Fortentwicklung der digitalen Welt beitragen. Aber noch viel mehr hoffe ich, dass es Unternehmen gibt, die flexibel und mutig genug sind, diese neuen Services auch sinnvoll und frühzeitig auszuprobieren und im zweiten Schritt sinnvoll einzusetzen.

Bildquelle: Pinterest

Warum Facebook zu klein für Facebook ist

Infinity Pool by Chackie81

Die Social Media Week ist vorbei und auch Hamburg hat sich fleissig daran beteiligt. Ich konnte einige interessante Sessions besuchen doch eines war schnell klar: Viele Besucher waren noch verhältnismäßig neu in der Social Media (oder wie ich es seit einiger Zeit eher nenne: digitalen) Welt. Denn es herrschte bei einigen Besuchern und auch Panel-Teilnehmern doch eine spürbare Unsicherheit. Unsicherheit, was den Datenschutz angeht, Unsicherheit, was die Chronik für Profile angeht, aber vor allem Unsicherheit, wie sich Facebook in Zukunft entwickeln wird, gerade aus Unternehmensperspektive, die wegen der angekündigten Überarbeitung der Facebook Pages ja mancherorts Schnappatmung bekommen.

Facebook, dieses Phänomen in blau, von vielen gehasst und doch geliebt, bleibt wahrscheinlich für alle Außenstehenden ein Mysterium. Wer weiß, was sich die Leute um Mark Z. so alles ausdenken und den Abhängigen (auch mir) zumuten? Dennoch wage ich es mal und maße mir an, eine kleine Aussage über Facebook zu treffen.

Open Graph und Frictionless Sharing sind nur der Anfang

Wir Facebook Marketer und Berater und alle, die wir mit Facebook „arbeiten“ loben die neuen Open Graph Apps und das Frictionless Sharing schon, als tolle neue Chance. Endlich können wir Ads nicht nur auf Interessen allgemein targeten, sondern sie sogar kontextualisiert aussenden! Oh, wie die Konversionsrate da steigen muss! Und wenn die User dann bei uns auf der Seite unsere Produkte ansehen, wird automatisch auf Facebook geschrieben, dass sie sich diese gerade ansehen! Die Netzwerkeffekte! Das ist doch super!

Das ist auch super – in der Theorie. Wenn wir alle mal unsere Marketingbrillen abnehmen und wieder normal und logisch denken, wird uns auffallen, dass wir eines vergessen haben: Den User. Wir müssen aufhören von den Werkzeugen her zu denken (oh, das ist glaube ich schon seit Jahren ein Mantra, das man mehrfach durchkaut) und uns in den User versetzen. Und doch: Gerade durch die Open Graph Apps und das Frictionless Sharing, also das Mitteilen von Aktionen (auf anderen Seiten) auf Facebook, müssen sich die Kommunikationsleute, die erfolgreich sein wollen, überlegen: Was möchte der User denn überhaupt mitteilen und warum? Warum sind Musikdienste wie Spotify und Simfy denn Dienste, bei denen die Nutzer gerne das Frictionless Sharing nutzen und ihren „Freunden“ mitteilen, was sie hören? Weil sie es vorher bereits gemacht haben! Es gibt Dinge, die wir Menschen als Nutzer gerne mitteilen. Warum werden lustige Videos geteilt? Weil man anderen zeigen möchte, was man für ein witziges Video gefunden hat und wie lustig das Video doch ist. Aber: Möchte ich als User denn meinen „Freunden“ sagen, welche DVD ich mir auf Amazon ansehe? Warum sollte ich das denn wollen?

Facebook will die Weltherrschaft? Nicht ganz, aber fast.

Es ging gerade eine Grafik durch die Netzwelt, die zeigte, wie sich manche Menschen die Facebook-Entwicklung der nächsten 13 Jahre vorstellten: Facebook Weltherrschaft 2025.

Auch wenn ich persönlich nicht an die Weltherrschaft von Facebook glaube, denke ich aber, dass einige Punkte in die richtige Richtung gehen. Manche sagen heute, dass Facebook versucht, die User länger auf Facebook zu halten (darum auch die neue Chronik für Facebook Pages, sagen sie). Ich denke, dass dies nicht ganz richtig ist. Auch die Aussage, dass Facebook ein „Netz im Netz“, also ein „Facebook-Internet“ starten möchte, finde ich etwas kurzsichtig. Ich glaube vielmehr, dass Facebook sich von seiner eigenen Plattform lösen möchte. Denn anstatt sich vom Web abzugrenzen, versucht sich Facebook immer weiter – und hier kommen die Open Graph Apps wieder ins Spiel – in das Web einzuflechten. Da wird eine App beim Guardian oder der Washington Post genutzt, bei Spotify und Simfy, und so weiter und so fort. Merkt ihr was? Facebooks Apps laufen gar nicht mehr auf Facebook selbst ab, sie laufen im Web ab. Dort wo wir uns bewegen. Im Hintergrund.

Ich möchte das gar nicht aus Datenschutzperspektive betrachten, das machen sicher genug andere, sondern aus der kommunikativen Perspektive. Vor kurzem wurde erst festgestellt, dass User, die sich mal auf eine Facebook Page verirren (die meisten interagieren nämlich doch über die Startseite über die dort angezeigten Updates mit einer Page), kaum auf die Tabs achten. Moment, sind die tollen und aufwendig programmierten Apps nicht alle in diesen Tabs? Richtig! Aber die User klicken nicht auf den Tab um die App zu nutzen. Sie nutzen die App, wenn sie in einem Update erwähnt wird oder per Ads angepriesen wird.

Wir merken also: Apps auf Facebook laufen nur in der Abrechnung am Kunden wirklich toll (einige Ausnahmen gibt es natürlich), aber sonst sind Apps an sich keine große Revolution. Zumindest auf Facebook. Greifen wir aber wieder den Gedanken von vorher auf, die Open Graph Apps, das Frictionless Sharing, kurz: Das Facebook im Hintergrund. Facebook wird zum ständigen Begleiter, zeichnet (die von uns autorisierten) Aktionen im Netzen nach und macht sie für unsere „Freunde“ nachvollziehbar. Wer jetzt sagt, dass würde doch für Facebook keinen Sinn machen, der hat den Gedanken der „Chronik“ wohl nicht ganz verstanden. Facebook bietet uns die Möglichkeit (und hofft sicher, dass viele diese auch ergreifen), unser gesamtes Leben auf Facebook zu spiegeln. Es nachzuzeichnen. Von der Geburt über Einschulung bis hin zur Überwindung schwerer Krankheiten. Da ist es doch nur die logische Konsequenz, dass Facebook unseren Weg im Netz nachzeichnet! Vergesst nicht, ich lasse den Datenschutz außenvor. Durch das Frictionless Sharing wird die Chronik vervollständigt, ganz ohne den Umweg über den User zu machen!

Denkt mal darüber nach. Und vielleicht erkennt auch ihr dann, warum Facebook viel zu klein für Facebook ist.

Infinity Pool by Chackie81

Bildquelle: Infinity Pool by Chackie81

Aller (Neu-)Anfang ist schwer?

Super Bowl XLVI

Der Super Bowl XLVI (46) wurde gestern Nacht zwischen den New York Giants und den New England Patriots ausgetragen. Das Ergebnis könnt ihr hier erfahren, da ich nicht spoilern möchte. Übertragen wurde der Super Bowl im deutschen Free TV seit langer Zeit wieder von Sat.1 anstatt von der ARD. Fernsehzuschauer mit einem Sportpaket konnten weiterhin auf Sport 1+ (HD) zugreifen oder den Super Bowl auf Englisch sehen, wenn sie ESPN America empfangen.

Nun ist in Deutschland American Football leider nicht so beliebt wie Fußball oder Handball und daher eher selten im deutschen Fernsehen zu sehen, so dass auch nur selten Bedarf an Football-Kommentatoren besteht. Diesen Umstand bekamen Footballfans in Deutschland schon früher zu spüren, denn auch die ARD hatte da kein Ass im Ärmel. Doch wenn bei Sat.1 ein Rückblick auf vorherige Super Bowl Highlights als Rückblick auf die Saison 2011/2012 bezeichnet wird, zweifle ich doch schon sehr arg an der Vorbereitung der Kommentatoren.

Ich habe den Super Bowl mit Kollegen vorwiegend auf ESPN America gesehen, da wir ja wissen, dass die deutschen Kommentatoren nicht so gut sind. Aber hin und wieder mussten wir einfach auf Sat.1 und Sport 1+ wechseln, um zu sehen, ob sie wirklich so schlecht sind. Leider ja. Da kann man nur hoffen, dass es bald einen Sportreporter geben wird, der als Kommentator eingestellt wird UND sich mit American Football auch wirklich auskennt, oder dass American Football (Wunschtraum) einen deutlichen Schub an öffentlichem Interesse erfährt und somit der Bedarf an einem guten Kommentator… Ach nee, das wird wohl auch nicht viel bringen.

ESPN America zeigt leider keine Werbung, so dass wir nicht in den Genuss der Super Bowl Werbespots aus den USA kommen konnten. Doch mussten wir uns so auch nicht mit den gefühlten 3 Spots von Sat.1 herumärgern, die im Wechsel gezeigt wurden. Stattdessen bekamen wir Rückblicke auf frühere Super Bowls, Erinnerungen ehemaliger Spieler und derartige Clips in den Werbepausen präsentiert. Auch die kann man zwar irgendwann auswendig, doch sind sie lange nicht so nervig wie Werbespots.

Ich versuche weiter mehr Football im deutschen Fernsehen zu bekommen und für alle, die gern die Super Bowl Werbespots sehen möchte: Die NFL hat eine eigene Seite für alle Spots eingerichtet, die während des Super Bowls liefen. Da kann man mal sehen, welchen Stellenwert die Werbung während des Super Bowls hat.

Die Kritikfähigkeit der Kindergärtner…

Do not enter

Kinder sind unsere Zukunft. Das sollte heute eigentlich jedem klar sein. Entsprechend haben die Menschen, die für die Entwicklung unserer Kinder und damit unserer Zukunft zuständig sind eine sehr bedeutende Aufgabe. Sie haben es mit in der Hand, wie sich die Kinder entwickeln werden. Und aus diesem Grunde habe ich großem Respekt vor Menschen, die sich für einen Job als Erzieher, Lehrer oder Ähnlichem entscheiden – und ihren Job auch gut machen!

Die Ausbildung in diesem Bereich ist nicht einfach und kostet viel Zeit und einige Mühe. Erzieher beispielsweise durchlaufen eine meist vierjährige Ausbildung mit diversen Praktika. So auch eine Person, die ich kenne. Sie hat in den letzten Monaten ihr erstes Praktikum in einem Kindergarten in einer Kleinstadt absolviert, die ich gut kenne. Und wie es bei Praktika üblich ist, muss man auch einen Praktikumsbericht abliefern. Alles kein Problem, könnte man denken. Doch nicht so in diesem Fall.

Denn hier erdreistete sich die Praktikantin doch, im letzten Satz folgendes zu schreiben: „Abschließend hätte ich mir von der Praktikumsleiterin ein paar mehr nette Worte und konstruktive Kritik gewünscht.“ Gut, das hat gesessen. Damit ist klar, dass die Praktikantin mit der Leiterin nicht unbedingt immer gut klar kam. Ansonsten ist in dem gesamten Bericht aber kein schlechtes Wort über den Kindergarten oder eine andere Person zu finden. Und wer sieht so einen Bericht eigentlich auch? Die betreuenden Lehrer und die Praktikumsleiterin.

Ahhh, die Praktikumsleiterin liest den Bericht also. Eben jene, die dort kritisiert wurde! Und das war es dann scheinbar. Denn nachdem sie das gelesen hat, schien ihr nichts besseres einzufallen, als die Praktikantin auf ihrem Handy anzurufen und all ihre Empörung gleich an ihr auszulassen. „In all den Jahren, die sie schon arbeitet, hätte das noch nie eine Praktikantin gewagt zu sagen!“ hieß es unter anderem. „Und überhaupt, ich habe dir auch gesagt, wenn du gute Arbeit gemacht hast!“ (nicht wortgenau) wurde klargestellt. Dann gab es noch einige Empörung, die auch nicht unterbrochen werden konnte. Und abschließend ein „Aber bei der Arbeit, die du abgeliefert hast, hast du ja auch keine positive Kritik verdient“ (nicht wortgenau).

Ich wäre bei so einem Anruf erst einmal komplett perplex. Die Praktikantin hat sich auch so gefühlt. Und anschließend hat sie ihrem Lehrer den Fall per Mail geschildert. Seine Reaktion finde ich vorbildlich: Er hat ihr versichert, dass sie sich keine Sorgen machen müsse und sollte die Dame wieder anrufen, solle sie sie an ihn weiterleiten und auflegen.

Ich weiß, dass der Job als Erzieherin nicht einfach ist. Und einen Praktikanten zu betreuen ist auch nicht immer einfach. Aber wegen eines kritischen Satzes in einem Praktikumsbericht, der eigentlich eh nur 3 Menschen interessiert und anschließend im Archiv landet so zu reagieren… Das ist für mich nicht nachvollziehbar und ich frage mich da, wie sie mit Kindern umgeht, die einmal nicht sofort so hören, wie sie sollten?

 

Do not enter

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: „Do not Enter“ by Chackie81

Alle achtung!

Glimpse of Summer

Die Wortspielereien mit dem Namen meines Arbeitgebers böten natürlich viel mehr, als nur „alle achtung!“, aber wer hat behauptet ich wäre gut im Ausdenken von Überschriften?

Es sind nun fast zwei Monate, die ich in Hamburg verbracht habe. Zwei Monate, die ich bei einer neuen Agentur, in einem neuen Job, in einem neuen Team verbracht habe. Nachdem ich meinen ersten Arbeitstag bereits in einem Beitrag zusammengefasst hatte, dachte ich, es wäre an der Zeit einen Blick auf die vergangene Zeit zu werfen und noch einmal zu schauen, ob der erste Eindruck nach der Euphorie über das Neue noch bestand hat.

Für alle, die keine Lust haben alles durchzulesen, hier schon einmal die Antwort auf die Frage: Ja. Der Eindruck hat noch immer bestand! Mein Aufgabenfeld ist sehr spannend, ich habe an vielen Projekten mitwirken können und wurde um Meinungen und Einschätzungen gefragt, zu Themen die mir auch liegen. Mein Team hat scheinbar noch nicht die Flucht vor mir ergriffen und ich fühle mich immer noch sehr wohl dort. Ich werde gefordert und noch mehr gefördert. Mir werden Seiten an mir aufgezeigt, die mir vorher teils verborgen waren. Darunter befinden sich sowohl Schwächen, als auch Stärken. Und das ist einfach wundervoll. Ich habe das Gefühl, stets an mir zu arbeiten und besser zu werden, oder mir zumindest meiner Schwächen bewusster. Und das allein ist schon wichtig.

Natürlich gibt es den „grauen Arbeitsalltag“ mit Aufgaben, die nicht so spannend sind. Die einfach erledigt werden müssen. Aber ich kenne nicht einen Job, bei dem es solche Aufgaben nicht gibt. Und bisher ist es bei mir auch nicht überwiegend so, dass ich solche Aufgaben habe. Es gab Zeiten, in denen weniger zu tun war. Es gab natürlich auch Zeiten, in denen es sehr viel mehr zu tun gab. Dennoch habe ich es bisher geschafft, meine Aufgaben (hoffentlich zur Zufriedenheit aller) in der normalen Arbeitszeit zu erfüllen.

Mit dem Jahreswechsel gab es bei uns im Team Digital einen Neuzugang: Unser Praktikant Viktor, eine echte Bereicherung für unser Team, wird uns die nächsten Monate bis Ende März unterstützen. Einen Eindruck seines Arbeitsalltags könnt ihr übrigens in seinem Fotoblog erhalten! Durch seine ganz eigenen Fähigkeiten und seine Perspektive (er sitzt normalerweise am anderen Ende, da er über Smartphones und Handys schreibt) bietet er auch bei Konzeptionen und Projektideen interessanten Input. Auch die anderen Gesichter aus der Agentur habe ich mittlerweile kennenlernen können. Manche besser als andere, aber das ist wohl normal.

Was soll ich noch groß erzählen, jeder, der in einer Agentur arbeitet, weiß wie der Alltag dort aussieht, nur dass ich ihn definitiv nicht als grau ansehe, sondern für mich immer wieder spannende und neue Aufgaben dabei sind. Ach ja, ich durfte auch schon mal mit dem Chef zusammenarbeiten. Da war ich schon ziemlich nervös. Hat aber scheinbar doch gut geklappt, ich bin ja noch da. Also, noch einmal: Haben sich meine Erwartungen und Einschätzungen nach dem ersten Arbeitstag am 1.12.2011 erfüllt: Ja, das haben sie. Und es sieht nicht so aus, als sollte ich so schnell enttäuscht werden.

Ein Freund und Kommilitone sagte einmal zu mir: „Weißt du David, wir zwei sind nicht für Unternehmen gemacht. Wir sind voll dabei und geben mehr als 100%. Aber nur, solange wir begeistert sind. Wenn wir von unseren Aufgaben gelangweilt sind, oder es eintönig wird, fahren wir runter.“ Ich glaube, er hat recht. Aber er ergänzte auch noch etwas: „Wahrscheinlich müssen wir noch lernen, auch ohne die große Begeisterung 100% zu geben. Aber dafür gibt es ja die ersten Jahre als Volo oder Junior!“ Zur Zeit bin ich noch begeistert und gebe 100% in einem Job, der mir täglich neue Aufgaben und Herausforderungen bietet. Im Moment besteht also keine große Gefahr, dass die Begeisterung nachlässt. Und sollte sie es doch einmal, hoffe ich, mittlerweile gelernt zu haben auch ohne sie annähernd 100% leisten zu können.

Glimpse of Summer

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Glimpse of Summer by Chackie81

Personal Branding – geht das eigentlich?

Forever?

Diesen Beitrag wollte ich schon vor langer Zeit geschrieben haben. Also, seit dem 3. Januar eigentlich. Denn da las ich den Beitrag R.I.P Personal Branding von Olivier Blanchard, der mich über einen Tweet von meinem Kollegen Timo Pelz erreicht hat. In diesem Beitrag wünscht sich Blanchard inständig, dass Personal Brandin, also das Umwandeln der eigenen Person in eine Marke, endlich aufhört.

Vor langer Zeit hatte ich schon einmal entfernt zu diesem Thema geschrieben – das „Personal Design“ nannte ich es damals. Blanchard zeigt in seinem Beitrag auf, dass wir Menschen eben genau das sind: Menschen und damit eines ganz sicher nicht sind: Marken. Und wenn Menschen sich zu Marken machen, dann sind sie eines der folgenden Dinge sein: Ein „Behältnis für einen kulturellen Archetypen“, ein „Produkt“, oder ein „Charakter in einer Geschichte“. Meistens sind sie sogar alles drei. So sagt es Blanchard.

Er zeigt den Unterschied zwischen Marken und Menschen auf. Marken haben Slogans, Leitideen, ein Corporate Design, manche haben Jingles und und und. Alles, was eine Marke eben bekannt und einzigartig macht. Menschen, so Blanchard, sind aber doch viel mehr. Sie sprechen nicht nur in Slogans, sie haben nicht nur eine Leitidee. Sie sind vielschichtiger und vor allem weniger künstlich. Er prangert die künstlich aufgebaute Marke an, denn eine Marke ist nichts anderes als etwas von uns Erstelltes. Sind wir hingegen so, wie wir einfach sind, sind wir keine „Personal Brand“ mehr, sondern ein Mensch. Und in einem Bewerbungsgespräch möchte er den Menschen vor sich haben, nicht die Marke.

Ich stimme ihm in den meisten Punkten zu. Wer den Beitrag noch nicht gelesen hat, sollte es tun, allein wegen der Tipps, die er darin gibt. Aber ich möchte hier einen alternativen Vorschlag unterbreiten:

Im Web kann heute jeder ohne großen Aufwand und ohne großes technisches Wissen Inhalte veröffentlichen. Videos, Bilder, Texte. Wir können uns mit anderen Menschen vernetzen und austauschen. Wir können von Profis lernen, denn sie teilen ihr Wissen oft bereitwillig bis zu einem gewissen Grade mit anderen. Ich bleibe bei meiner Meinung aus dem Jahr 2010: Man kann sich online einen Namen aufbauen. Und der Aufbau dieses Namens verläuft sehr ähnlich zu dem Aufbau einer Marke. Wir nutzen die gleichen Elemente in der Kommunikation. Und ich nenne es auch gern beim Namen: Wir können uns selbst als Marke aufbauen. Online.

Doch jetzt kommt das große „Aber“: Aber, wir dürfen nicht vergessen, dass wir bisher nur online einen Namen mit einem Gesicht verknüpft haben und unter dieser „Marke“ eine gewissen Reputation aufgebaut haben. Treffen wir aber andere Menschen, die wir online getroffen haben, müssen wir mehr bieten als das, was wir bereits online geliefert haben. Denn da hat Blanchard absolut recht: Menschen sind Menschen und bieten viel mehr als eine Marke. Würden wir uns so verhalten, wie wir uns online geben, würden wir viel zu wenig von unserer Persönlichkeit zeigen. Und soweit ich es erlebt habe, sind doch die meisten Persönlichkeiten gerade in ihren vielen Facetten das, was uns an Menschen fasziniert. Wir können also zumindest am Anfang das „Personal Branding“ durchziehen und uns eine „Persönlichkeitsmarke“ aufbauen. Aber wir müssen im Anschluss, im Kontakt mit anderen Menschen, das sein, was wir sind.

Entsprechend hoffe ich nicht, dass „Personal Branding“ stirbt, aber ich hoffe, dass wir alle nicht vergessen, wer und was wir sind. Und das Persönlichkeiten nicht in Stein gemeißelt sind, sondern man sich auch ändern kann und darf… Und sollte.

Forever?

 

 

 

 

 

 

 

Bildquelle: Forever? by Chackie81

Erkenntnisse einer Nacht…

Cleaning up by Chackie81

Es mag komisch anmuten, aber man weiß nie, wann einem die Selbstverständlichkeiten im Leben wieder einem Hammerschlag gleich ins Bewusstsein einfallen und einen mental paralysiert zurücklassen.

So war ich gestern bei einem kleinen Event, das via Twitter organisiert wurde: dem #TwitGluehen, einem jährlich stattfindenen Ereignis, bei dem sich Twitterer zum gemeinsamen Glühweintrinken auf dem Weihnachtsmarkt in Hamburg Altona/Ottensen treffen. Soweit so zwonullig.

Doch im Anschluss ans #twitgluehen ging es noch auf ein afterglow in den Raum 43. Und dort saß ich in entspannter Atmosphäre und ahnte nichts böses, bis zwei Menschen sich neben mich setzten und ein Gespräch anfingen. Mit folgenden Worten: „Was seid ihr für Leute hier? Warum seid ihr hier?“ Ok, sie gehörten also nicht zur Gruppe der #twitglueher. Mehr noch, als ich ihnen erklärte, warum ich da war und wie ich dazu kam, hieß es nur: „Wow, dafür ist dieses Twitter also da?“

Wir kamen ins Gespräch, ein sehr angeregtes Gespräch. Ein Amerikaner, ein Deutscher , beide deutlich älter als ich und selbsternannte „digital immigrants“. Sie stellten interessante Fragen und irgendwann im Verlaufe des Gesprächs kam der Hammerschlag: Wir sagen immer, dass es gar nicht auf die Medien ankommt, sondern es immer um Menschen geht, doch vergessen wir diese Selbstverständlichkeit, diese essentielle Wahrheit nur allzu schnell wieder. Heute fordern doch alle Facebook-Seiten und Corporate Blogs oder Twitter, die ganz Progressiven sind sogar schon bei Google Plus dabei. Aber viele gehen dabei nicht mehr von den Menschen aus, die sie erreichen möchten, mit denen sie im Idealfall ins Gespräch kommen möchten, sondern sie denken in Medien, in Plattformen.

Doch nicht die Plattform war gestern wichtig, oder wie wir von der Veranstaltung erfahren hatten. Es war einzig und alleine wichtig, dass wir alle, die wir so ganz unterschiedlich und doch irgendwie gleich sind, gemeinsam zur gleichen Zeit am gleichen Ort waren und miteinander ins Gespräch kamen. Ohne Diskriminierung, weil der eine nicht bei Twitter ist, oder der andere sich gerade in einer Bar eincheckt und in die Welt hinausposaunt, wo er ist. Wir waren einfach Menschen, die sich kennenlernten. Und das ist doch genau das, was wir immer predigen, oder? Es geht um die Menschen. Um Menschen, die wir erreichen möchten. Wir wollen immer Gespräche führen, oder zumindest daran teilnehmen dürfen. Vielleicht wird es Zeit, über die Feiertage mal ein wenig weg von der Mediendenke zu kommen und wieder miteinander zu sprechen, also mit Menschen. So ganz ohne Device zwischen uns. Dann erkennen wir vielleicht auch wieder, dass die Menschen „da im Web“ gar nicht immer darauf warten, was wir ihnen zu sagen haben. Darum ists auch nicht schlimm, wenn ihr den Beitrag hier total uninteressant findet. Trefft mich doch mal offline. Ich bin ab dem nächsten Jahr wieder in Hamburg (Feiertage daheim, so offline und so). Was meint ihr?

Cleaning up by Chackie81

Bildquelle: Cleaning up von Chackie81