Follow the leader… Denn wir haben keine Ahnung mehr

Follow the Leader

Jeder war schon einmal in dieser Situation: Man weiß selbst nicht mehr weiter und ist mit der Situation etwas überfordert. Was macht man in diesen Momenten? Richtig! Wir machen das, was der Typ neben uns auch macht. Der scheint ja Ahnung zu haben, sonst würde er ja auch erstmal gucken, was man machen sollte, nicht?

Das ist in ungewohnten Situationen eine durchaus probable Taktik. Problematisch wird es jedoch, wenn dieses Verhalten zur Normalität wird und man quasi planlos durch die Gegend rennt und sich nur noch an den anderen orientiert. In letzter Zeit habe ich jedoch immer öfter den Eindruck, dass genau dies geschehen ist. Wir haben alle keine genaue Ahnung mehr, was um uns passiert, die Systeme sind für das menschliche Fassungsvermögen viel zu komplex geworden.

Nun können wir natürlich nicht immer und überall den Durchblick haben und wissen was zu tun ist, das ist logisch. Dafür gibt es schließlich die Experten. Doch was, wenn die „Experten“ selbst auch nicht mehr verstehen, was da geschieht? Haben die Experten gewusst, was geschah als 2008/2009 die weltweite Finanzkrise über sie hereinbrach? Wie sieht es bei der „Euro-Krise“ aus? Wissen die Experten genau was zu tun ist? Die Lager sind gespalten: Die einen fordern Schuldennachlass und Unterstützung, während andere meinen, es wäre besser wenn Griechenland den Bankrott erklären würde. Ich habe keine Ahnung wer recht haben könnte.

Und was ist mit den „Experten“ die die Regierung in Technologie-Fragen beraten? Was haben sie denn zum „Staatstrojaner“ beigetragen? Entweder weiß die Regierung nicht mehr, wie sie ihre „Experten“ aussuchen soll, oder aber auch die Experten haben keine Ahnung mehr. Und in Folge dessen wissen die Leute, die uns „regieren“ sollen nicht mehr genau, was sie eigentlich sagen sollen…

Seien wir doch mal ehrlich: Wir alle blicken schon lange nicht mehr durch. Wir machen das, was sich bewährt hat und damit hat es sich meistens. Da wir die Systeme nicht mehr verstehen, verstehen wir auch nicht mehr, wie man sie ordentlich einsetzt. Das gilt nicht nur für Trojaner, Finanzen und Politik, sondern auch für die Kommunikation. Im Moment wollen alle Facebook Seiten haben. Das ist toll, das machen alle, das ist angesagt. Ob es Sinn macht? Erstmal sekundär. Verstehen wir das System der Kommunikation heutzutage noch? Warum geht ein Video viral ab, das sich kaum von einem anderen Unterscheidet, dass jedoch bei unter 1000 Klicks vor sich hindümpelt? Wo sind die kreativen, anderen, neuen Ideen? Das fragen sich auch die Gründer von The Third Club!

Ich merke es aktuell auch direkt im Arbeitsalltag. Ich bin seit etwas über einem Monat bei talkabout und  bin teilweise mit Aufgaben konfrontiert, die ich so noch nicht kannte oder bisher anders gelöst habe. Was mache ich? Ich schaue also, wie es bisher gemacht wurde. Zumindest habe ich dies am Anfang gemacht. Es war einfach, es gab Vorlagen und ich musste meine Ideen und Texte nur daran anpassen. Anpassen? Merkt ihr etwas? Agenturen erhoffen sich von neuen Mitarbeitern doch auch immer eine neue Perspektive und neue Ideen, da bin ich mir ziemlich sicher. Und was mache ich? Ich orientiere mich an den bisherigen Abläufen. Seit Anfang Oktober versuche ich, zunächst nicht mit den Vorlagen zu arbeiten, sondern mit leeren Blättern, auf denen ich meine Ideen sammle und dann später in die Vorlagen übertrage. Ob das sinnvoll ist, weiß ich nicht, aber es grenzt mich im kreativen Entstehungsprozess jedenfalls nicht ein. 😉

Also, folgt nicht einfach den anderen, versucht selbst nachzudenken. Es ist doch sehr wahrscheinlich, dass die anderen gar nicht so viel mehr Ahnung haben, sondern einfach irgendetwas machen! Hinterfragt doch mal bestehende Prozesse und versucht euch von Vorlagen zu lösen. Ein leeres Blatt hat nur eine Grenze: Eure Fantasie.

Update: Der Postillon hat eine „Umfrage“ zur Eurokrise und dem Vergleich mit Godzilla durchgeführt, die schön veranschaulicht (natürlich in Postillon-Manier), was es bedeutet, wenn man die Systeme und Abläufe nicht mehr begreifen kann.

 

Einer, der nicht das gemacht hat, was alle anderen machen, sondern sich selbst überlegt hat, wie er mit dem ihm gestellten Problem klar kommt, war Dick Fosbury:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Id4W6VA0uLc]

 

 

 

Follow the Leader

Bildquelle: Follow the Leader (Danke dir Rainer)

Occupy Germany – Risiko, Chance oder was?

Occupy wird wohl das englische Wort sein, das zum Ende des Jahres bei allen Leuten bekannt sein wird… Ebenso wie die 99 Prozent.

Nachdem in Manhattan an der Wall Street seit dem 17. September protestiert und demonstriert wird und die Polizeikräfte sehr rabiat gegen die Demonstranten vorgehen, haben seit kurzem auch in Deutschland (und in vielen anderen Ländern) die Occupy-Demonstrationen begonnen.

Dass sich diese Demonstrationen jedoch nicht nur auf die Strassen begrenzen würden, war abzusehen. Anders als Regierungen besitzen viele Banken Social Media-Präsenzen, vor allem bei Facebook sind die Banken zu finden (Wie hier die Deutsche Bank). Und daher wunderte es mich zumindest nur wenig, als auch zum Angriff auf die Facebook-Seiten von Banken geblasen wurde.

Handelt es sich hier um einen Shitstorm? Können die Social Media Berater sich über einen neuen Case freuen? Ich glaube ehrlich gesagt: Nein. Der Sturm ist da draussen, auf den Strassen (wobei es in Deutschland verhältnismäßig noch ein laues Lüftchen ist) und was bisher auf den Social Web Plattformen der Banken so zu sehen war… Nun sagen wir, adequate Formulierungen von Anschuldigungen sehen definitiv anders aus.

Das Problem ist doch, dass es sich um ein reales Fehlverhalten in der realen Welt handelt, dass die Banken jedoch nicht eingestehen möchten. Das dies durchaus mit Zustimmung der Politik geschah vergessen die meisten Politiker sehr schnell und schlagen sich auf die Seite der „99 Prozent“. Die Banken haben spätestens seit der weltweiten Finanz-Krise 2009 ein Image-Problem, wobei ihr Image vorher nicht viel besser war. Daher ist es leicht sich gegen die Banken zu stellen.

Doch was bedeuten diese Proteste gesellschaftspolitisch für Deutschland und den Rest der Welt? Werden es die Bürger schaffen, sich von den Banken zu emanzipieren und einen Systemwandel herbeiführen? Manche möchten die Proteste gerne als ein kurzes Aufflammen der Empörung abtun, etwas „unsäglich albernes„, doch andere erkennen das Risiko – oder die Chance – für die Gesellschaft in diesen Protesten. Dass das System an sich nicht funktioniert und die Gesellschaft immer weiter in eine Schieflage bringt, aus der sie so nicht wieder herauskommt, dürfte den meisten klar sein. Doch wo die einen die gesellschaftliche Stabilität gefährdet sehen, erkennen die andere die Chance, den Ausweg aus dem System. Sie fordern ganz neue Regelungen für die Banken, für das Bankensystem, für die Finanzwelt. Ob sie sich durchsetzen können und wenn ja, zu welchem Grade, wird sich zeigen. Ich persönlich bin jedenfalls der Meinung, dass dies kein Social Media Shitstorm ist und auch kein kurzes Auflehnen. Ich verstehe es als ein globalen Hilfeschrei der Menschen, die das System schon lange nicht mehr verstehen und die ihrer Frustration nun gemeinsam, global Luft machen.

In diesem lesenswerten Stern-Artikel wird nicht zu unrecht der Artikel 20 des Grundgesetzes zitiert: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus“. Subjektiv gesehen ist dies schon lange nicht mehr der Fall. Großkonzerne und Banken bestimmen scheinbar. Die Macht des Volkes hat stark nachgelassen. Ich bin gespannt, ob das Volk sich seine Macht zurückerkämpfen kann…

Bildquelle: „rewoT knabzremmoC“ (Danke Rainer!)

Mehr Transparenz im Journalismus?

The Guardian und The Atlantic Wire machen es vor: Sie bieten Lesern (und allen anderen) noch während des Recherche-Prozesses Zugang zu den Themen, mit denen sich die Redaktion beschäftigt. Zu den entsprechenden Artikeln werden die verantwortlichen Redakteure inklusive Twitter-Name veröffentlicht.

Ziel der Aktion ist dabei nicht unbedingt mehr Transparenz, das ist wohl eher ein Nebenprodukt, sondern die Partizipation der Leser auf ein neues Niveau zu bringen. So begründet Dan Roberts von „The Guardian“ den Schritt bei Mashable auf folgende Weise:

„Wenn wir den Lesern (im Voraus) sagen, wohin wir gehen, können sie auf wichtige Aspekte hinweisen, die wir beachten sollten. Ebenso können sie uns früh genug darauf hinweisen, wenn wir eine Story verpassen, anstatt sich am nächsten Tag darüber aufzuregen.“

Dass die Twitter-Accounts und nicht die Email-Adressen veröffentlicht werden hat intern für eine höhere Akzeptanz gesorgt, so Roberts, da man auf Twitter sehr schnell und unkompliziert kommunizieren kann, ohne einen überfüllten Posteingang befürchten zu müssen.

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob dieser Schritt auch für deutsche Redaktionen eine Option sein könnte. Ich persönlich fände ein derartiges Experiment in Deutschland durchaus sehr interessant, vermute jedoch, dass die „German Angst“ da einen Strich durch die Rechnung macht. In England ist man zumindest der Meinung, dass die Vorteile dieses Schrittes die potentiellen Nachteile (Konkurrenten sehen womit sich die Redaktion befasst, etc.) definitiv aufwiegen würden. Auf jeden Fall es ist dieses Experiment wert, im Auge behalten zu werden!

Projektankündigung: Football braucht mehr Aufmerksamkeit!

Jeder kennt es, man hat da eine Idee, die einen nicht mehr los lässt und denkt, das wäre ein spannendes Projekt, doch irgendwann verläuft das ganze im Sande. Ich zumindest kenne das. Damit mir das mit dieser Idee, die mich seit langem beschäftigt nicht passiert, stelle ich hier ein wenig davon vor.

Vor etwas über einem Monat habe ich, aus einer kurzen Idee heraus (und nach dem Vorbild hier) eine Facebook Seite gestartet, die sich ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt hat: Sie fordert mehr American Football im deutschen Fernsehen. Über ein Wochenende hatten sich schon über 700 Fans gefunden und täglich kommen neue dazu. Ich habe einen Kollegen meiner alten Football Mannschaft – die Rheine Raptors – dazugeholt, um mich zu unterstützen, sowohl inhaltlich, als auch in der Planung und Umsetzung. War es zunächst einfach die Idee, dass es ja nicht nur beim Basketball sein kann, dass da mehr Berichterstattung im deutschen Fernsehen stattfinden soll (die haben wenigstens eine!), sondern auch American Football durchaus genug Mehrwert bietet, um auch seine Sendezeit auf deutschen Fernsehbildschirmen zu erhalten, kam durch diesen überraschend hohen Zuspruch (wir haben keine FB Ads oder sonstiges geschaltet!) auch eine gewisse Bringschuld unsererseits zustande.

Und das werden wir nun in der nächsten Zeit in Angriff nehmen. Wir sind da nicht von falschen Illusionen betroffen und denken, dass wir nächstes Jahr die GFL-Spiele auf Sport1 oder Eurosport bringen werden. Vielmehr werden wir versuchen, uns ein Konzept zu überlegen, wie man mehr Aufmerksamkeit für diese spannende Sportart bekommen kann und möchten allgemein mehr Informationen rund um American Football liefern, sei es aus den USA mit Infos zu den College- und NFL-Spielen oder aber über Infos zu GFL-Spielen und auch unteren Ligen.

Es gibt bereits einige Online-Angebote zu Football. Nicht zuletzt das während der Saison wöchentlich erscheinende GFL-TV Magazin von GFL TV & Radio. Teilweise haben wir bereits Kontakt mit einigen Akteuren aufgenommen. Zur Zeit befinden wir uns nun in der Planungsphase, was noch kommen wird und wie wir das alles genau in eine Richtung bringen können. Ein passendes Blog wird sehr wahrscheinlich bald auftauchen, andere Ideen werden ebenfalls noch ausgebrütet und abgewägt.

Wer von euch nun überzeugt ist, er könnte uns dabei aktiv unterstützen und gerne mitmachen möchte, kann mich gerne ansprechen (über die diversen Kanäle)! Aber auch, wer uns nur auf andere Projekte mit einem ähnlichen Ziel hinweisen möchte, oder aber eigene Ideen einbringen möchte, sei herzlich willkommen. Wir versuchen das alles offen zu gestalten, denn wir sind auch „nur“ Fans, die ihren Sport gerne öfter und einfacher verfolgen können wollen. Wir werden sicher auch mit anderen Projekten zum Thema Sport und Medien kooperieren. Zum Beispiel dem Sportmanager.

Also stay tuned! Ich werde hier über das weitere Vorgehen berichten!

Location Based Services und die Auswirkungen auf die Kommunikation

Wisst ihr noch, früher… Ja so kam ich mir vorhin vor. Früher wurde man angerufen und darüber informiert, wenn jemand ein Kind bekommen hat, seinen Abschluss gemacht hat, einen Unfall hatte oder sonst etwas.

Man wurde direkt angerufen und in Kenntnis gesetzt, von der betreffenden Person direkt oder über Bekannte. Heute sieht das anders aus. Heute liest man einen Foursquare-Checkin bei einem Krankenhaus und fragt nach was geschehen ist. Zum Glück nichts schlimmes heißt es dann. Als Kommentar zum Check-In! Vor einigen Tagen freute sich jemand, als er den Mayor-Titel bei einem Krankenhaus verloren hat. Verständlich, bedeutet es doch, dass er dort häufiger war. Ob zu Besuch oder zur Behandlung ist nicht klar, aber Krankenhausaufenthalte (als Nicht-Arzt/Pfleger) sind selten ein Vergnügen.

Doch kurz nach diesem Ereignis kam ich doch leicht ins Grübeln. Ich lese bei einem LBS dass ein Bekannter im Krankenhaus eincheckt und statt ihn anzurufen und direkt zu fragen, was los ist (Könnte ja auch dem Partner/Familie etwas fehlen) kommentiere ich selbstverständlich den Check-In und frage dort nach. Übrigens öffentlich. Gut, soweit wäre das hier nur mein komisches Verhalten doch ein anderer Kontakt kommentierte ebenfalls und der Bekannte reagierte dort auch auf unsere Fragen! Also kann es ja nicht nur an mir liegen. Ich persönlich habe nun kein Problem damit und würde auch im Krankenhaus einchecken (sogar den Spot anlegen, wenn der fehlen sollte), aber auch nur weil es sich um eine von mir freiwillig getätigte Angabe handelt.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass das Mobile Web und die daraus resultierenden Dienste und Nutzungsverhalten einen großen Einfluss auf die Art unserer Kommunikation ausüben. Ob positiv oder negativ vermag ich jedoch nicht zu beurteilen. Ich warte erstmal auf den ersten Checkin bei einem Polizeirevier mit dem Kommentar „Ausnüchterungszelle“ oder aber in einem Bordell. Das wäre doch mal was. Da gäbe es sicher auch viele Kommentare dazu. Hoffentlich hinterlässt der User dann auch nen Tipp für das richtige Zimmer/Zelle. 😉

Was bringt Social Media eigentlich?

Ich hätte auch einen anderen Titel wählen können: Haters gonna hate. Aber eins nach dem Anderen.

Vor etwas über zwei Jahren habe ich begonnen, mich gezielt mit diesem Social Media auseinander zu setzen. Mein Twitter-Account entstand aus einer Recherche zu Social Media heraus, damals in meinem ersten Praktikum in Berlin. Mein Xing-Account wurde reaktiviert, den hatte ich schon seit 2006, als ich noch dachte, Xing sei so etwas wie StudiVZ. Und natürlich war ich damals bei StudiVZ aktiv. Facebook kam erst Anfang 2010 dazu, ich wehrte mich lange gegen diesen unübersichtlichen Datenkraken.

Twitter habe ich zunächst einmal so genutzt, wie es das Klischee vorschreibt. Ich habe Arbeitskollegen aus dem Praktikum gesucht und folgte ihnen. Twitterte über die Hitze und das Chaos der berliner S-Bahn (2009, ihr erinnert euch?) und andere alltäglichen Banalitäten, die nur wenige interessiert. Nach einer kurzen Pause ging ich aber gezielter vor. Ich folgte interessanten Leuten, die interessante, vorwiegend Kommunikationsthemen in ihren Tweets behandelten. Ich baute mir ein eigenes Netzwerk auf und kam mit Menschen in Kontakt, die mir vieles zeigten. Johannes Lenz zum Beispiel habe ich sehr früh kennen gelernt und er gab mir viele wertvolle Tipps. Auch viele andere, denen ich noch immer gerne folge, waren dabei. Ich mischte mit, ich kommentierte bei Blogbeiträgen, Facebook Seiten und traute mich, bei Diskussionen teilzunehmen. Viel Zeit investierte ich in mein Engagement, auch wenn es mir nur selten so vor kam. Es machte Spaß. Ich lernte interessante Menschen kennen und viel über die Kommunikationsbranche. Profis teilten ihre Ansichten und Erfahrungen mit mir, zwar nicht gezielt – so egozentrisch bin ich nicht – aber ich war ein Teil dieser Welt.

Oft habe ich versucht, meine Kommilitonen von diesem spannenden Ding zu überzeugen, dieser Welt, in der man spannende Menschen trifft, sofort informiert ist, wenn etwas passiert und so viel lernen konnte. Manche waren interessiert, einzelne haben sich damit sogar beschäftigt, die meisten waren gelangweilt bis genervt. Nun, mir sollte es recht sein. Ich blieb im Social Web aktiv. Ich begann sogar zu bloggen. Mein Netzwerk wurde größer und es kam der Tag, an dem ich begann mich offline mit Menschen zu treffen, die ich zuvor nur über Twitter kannte. Damit war es um mich geschehen. Ich wollte immer mehr Menschen treffen, den Kontakt so auf eine andere Ebene ziehen und noch mehr Menschen kennenlernen. So kam zur zeitlichen auch die monetäre Investition, die mit der re:publica 2011 ihr Highlight erreichte – bis jetzt.

Und was hat mir das nun gebracht? All die Zeit die ich investiert habe, all das Geld für Fahrten, Hotel, etc.? Abgesehen von vereinzelten Aufträgen hier und dort? Ein Netzwerk von Kommunikationsprofis und anderen hilfsbereiten Menschen, die mich mit Informationen versorgen. Eine Vernetzung, die es mir erlaubt zu sagen: Die wichtigsten Informationen erhalte ich über meine Timeline(s) automatisch.

Nun bin ich am Ende meines Studiums angelangt. Die Bachelorarbeit wurde heute abgegeben. Und kurz vor Ende beschloss ich, mein über die letzten zwei Jahren gewachsenes Netzwerk um Anregungen und Hilfe zu bitten. Natürlich in einem Blogbeitrag. 10 Tage vor Abgabe der Bachelorarbeit stellte ich meine Grundstruktur und die bereits behandelten Themen kurz dar und bat um Anregungen und Tips. Und es kam auch hilfreiches Feedback! Danke allen dafür. Vor einer Woche dann war es soweit. Die Bachelorarbeit war im Grunde fertig und es galt nun, die Korrekturleser zu finden. Jeder kennt das, man fragt Bekannte, ob sie nicht die Arbeit gegenlesen möchten. So habe ich es auch gemacht:

Es entstand eine Diskussion ob meine Frage denn zulässig wäre und dass es ja irgendwo nicht fair sei, da ich Menschen fragen konnte, die ja viel mehr über die Materie wüssten als ich. Ich war beim ersten Lesen… Nunja ich war einfach erst einmal platt. Damit hatte ich absolut nicht gerechnet. Und ich fragte mich kurz, ob ich etwas falsch gemacht hätte. Doch schnell war klar, nein. Ich habe nichts anderes gemacht, als das, was meine Kommilitonen auch gemacht haben: Ich habe meine Bekannte um Hilfe gebeten. Sogar transparent und nachvollziehbar. Den Beitrag zum Crowdsourcing habe ich sogar in der Bachelorarbeit erwähnt.

Ich habe sehr gute Korrekturhinweise erhalten, für die ich mehr als dankbar bin. Dafür wird es noch einen gesonderten Beitrag geben. Aber ich habe mir keinen unlauteren Vorteil verschafft. Ich habe vielmehr die Früchte meiner Investition der letzten zwei Jahre geerntet: Hilfsbereite Menschen, die mir zur Seite stehen. Und genau das hat Social Media für mich gebracht: Kontakt zu tollen Menschen und Erfahrungen und Eindrücke, die ich in der Theorie nie und in Praktika nur selten so gewonnen hätte.

Also: Haters gonna hate. Don’t feed the trolls. I am done. 🙂

Übrigens ist das auch teilweise auf Unternehmen übertragbar. 😉

Facebook im Unterricht?

Immer öfter erscheint es mir, als ob die meisten Leute Facebook als Synonym für das Social Web benutzen. Dass dem definitiv nicht so ist, wissen hoffentlich die Meisten noch. Es stimmt, Facebook ist ein Schwergewicht im Social Web und immer mehr Menschen werden darauf aufmerksam und wie man dieses Social Network für sich nutzen kann, doch manche Ideen überraschen mich dennoch.

So ein alter Schulkollege von mir, der in seinem Referendariat als angehender Lehrer seine zweite Examensarbeit (ich hoffe ich bringe hier nicht zu viel durcheinander) über den Einsatz von Facebook in Schule und Unterricht schreibt. Ich freute mich über seine Nachricht, in der er mich fragte, ob ich ihm Literatur empfehlen könne, da ich jede Anstrengung von Seiten der Lehrer/ angehenden Lehrer die Medienkompetenz zu verbessern gerne unterstütze. Doch weiß jeder, der sich mit dem Einsatz von Social Media und vor allem Facebook etwas stärker befasst hat, dass je nach Zielsetzung die Art des Einsatzes stark variieren kann.

Ich fragte also nach, wie genau er sich das vorstellte, ob die Schule Facebook nutzen möchte, um auch abseits der Schule mit Schülern, Eltern, Unterstützern und Lehrern in Kontakt zu kommen und im Social Web präsent zu sein, oder aber ob er eine Unterrichtseinheit plant, in der die Vor- und Nachteile, die Chancen und Risiken von Facebook für Schüler erläutert werden sollten. Die Antwort überraschte mich und ich bin sehr gespannt, auf welches Ergebnis er kommen wird:

Facebook soll im Unterricht eingesetzt werden, als Unterstützung des Lehrens.

Wie genau das funktionieren soll, kann ich mir als Nichtpädagoge nicht ganz vorstellen, aber mein Bekannter schien da sehr zuversichtlich. Ich habe mir seitdem einige Gedanken gemacht, wie man Facebook zur Unterstützung der Lehre einsetzen könnte:

1) Facebook-Gruppen für Unterrichtsfächer

Für verschiedene Fächer legen Lehrer Gruppen an, in die sie ihre Klassen (die entsprechend natürlich alle bei Facebook vertreten sein müssten) einladen. Dort könnten dann Aufgaben eingestellt werden (die bei Issue oder Slideshare oder Scribd abgelegt sind) und die Schüler können dort auch jenseits der Unterrichtsstunde mit dem Lehrer ihre Probleme besprechen. Ebenso können sie untereinander dort diskutieren.

2) Tja, viel mehr ist mir seit gestern nicht eingefallen… Ich bin wirklich gespannt, was am Ende herauskommt. Wenn jemand noch hilfreiche Literatur oder Quellen kennt, gerne als Kommentar posten, ich leite es dann weiter. Ich hoffe, ich darf die Arbeit am Ende lesen, weil ich das Thema sehr interessant finde und wünsche meinem Bekannten viel Erfolg!

 

Und immer wieder Medienkompetenz – Ein aktuelles Beispiel

Da ist man mal wieder ein wenig in den Social Networks unterwegs und was fällt einem direkt ins Auge? Eine Geburtstagsfeier. Aber nicht irgendeine, sondern der 16. Geburtstag eines jungen Mädchens aus Hamburg am kommenden Freitag.

An sich nichts besonderes, wäre da nicht eine Facebook-Veranstaltung gewesen, die öffentlich zu dieser Geburtstagsfeier eingeladen hat. Innerhalb kürzester Zeit gab es mehr als 3500 Zusagen und über 20.000 Einladungen. Damit hatte das Geburtstagskind wohl nicht gerechnet.

Zum Glück (für sie) hat sie ihren Fehler bemerkt und etwa 25 Minuten nach dem ich darauf aufmerksam wurde, wurde die Veranstaltung abgesagt. Gerade noch rechtzeitig, könnte man meinen… Leider haben sich sehr schnell neue Veranstaltungen breit gemacht, die auch gegen den Willen der jungen Dame zur Geburtstagsfeier bei ihr(!) einladen. Das Problem ist: Bei dem ursprünglichen Event wurde auch die Adresse mitgeteilt, so dass jeder nun weiß, wo die „Feier im kleinen Kreise“ nun stattfinden soll.

Ich hoffe für das Mädchen, dass sich am Freitag keine Probleme ergeben werden. Aber hier ist wieder ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, dass den Kindern und Jugendlichen schon frühzeitig eine entsprechende Medienkompetenz vermittelt wird. Hätte sie den einen Haken für „privat“ gesetzt, könnte sie sich nun auf die Party am Freitag freuen. So möchte ich mir gar nicht Vorstellen, was die Arme nun durchmachen wird.

Edit: Ich würde dem Mädchen übrigens empfehlen die Polizei zu benachrichtigen, damit man am Freitag nicht von einer bösen Überraschung heimgesucht wird. Nur für den Fall.

Update: Die Bild hat hier übrigens über genau das Beispiel berichtet. Entschuldigt die Verlinkung zu Bild.de…

Bloggen auf Facebook?!

Ich gehöre nicht zu den Digital Natives. Ich bin erst seit etwa zwei Jahren bei Twitter angemeldet und noch kürzer bei Facebook. Ich war früher sehr viel in Foren unterwegs. Ich habe erst mit „diesem Twitter“ angefangen, bevor ich auch mein Blog hier eröffnet habe…

Vor einiger Zeit wurde von einem „Generationenkonflikt im Web 2.0“ gesprochen, bei dem festgestellt wurde, dass die jungen Leute, die Digital Natives, immer weniger bloggen, dafür viel aktiver bei Facebook sind. Es kam zu Diskussionen, die Bloggen gegen Facebook und Twitter stellten. Auch wenn diese Diskussion evtl. gar nicht nötig ist, wie Robert Basic feststellte.

Wie ist das denn nun? Bloggen die Digital Natives nicht mehr? „Facebooken“ sie nur noch? Bei Twitter ist das Durchschnittsalter auch nicht gerade jugendlich. Mir ist jedoch in letzter Zeit gerade bei den jüngeren Kontakten in meiner Facebook-Timeline etwas aufgefallen:

Die Facebook-Notes werden immer häufiger dazu genutzt, die eigenen Gedanken und Ideen niederzuschreiben – in ähnlicher Form wie oft in „normalen“ Blogs. Dabei unterscheiden sich die Notes gar nicht so sehr von Blogbeiträgen und sind auch gleich noch archiviert. Dazu ist kein spezielles CMS nötig (auch wenn Posterous oder WordPress denkbar einfache CMS sind) und nicht einmal ein weiterer Account. Gut, vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass die drei Kontakte, die das machen aus Frankreich sind, da scheint man teilweise etwas weiter zu sein als hier in Deutschland…

Aber auch hier in Deutschland sind mir schon Beispiele von Bloggen bei Facebook begegnet. Es gibt da einen Dozenten an unserer Hochschule, der auch in der deutschen PR-Szene relativ bekannt sein sollte: Klaus Kocks. Auch er ist bei dem blauen Datenkraken aktiv und nutzt Facebook als Plattform für seine eigene Kolumne. Er verfasst täglich kurze Texte und lädt sie als Bildbeschreibung hoch. So wird der Text direkt mit seinem Bild verknüpft und ebenfalls archiviert, man kann (so man Herrn Kocks als Facebook-Kontakt hat) seine Fotos durchsehen und sich seiner Texte erfreuen. Dies ist im Prinzip auch eine Blog-Form und stellt für mich die zweite Möglichkeit des Bloggens bei Facebook dar.

Meiner Meinung nach gibt es also durchaus Möglichkeiten auf Facebook zu bloggen und vor allem die Digital Natives, die nachrückende 2.0-Generation nutzt diese auch schon. Während wir noch mit RSS-Feeds zu Facebook und ähnlichem Arbeiten, verlassen sie Facebook gar nicht erst. Mit allen Vorteilen, aber natürlich auch mit den Nachteilen.

Was bedeutet das aber für die Zukunft? Wird es bald wirklich nur noch Google, Apple und Facebook im Netz geben? Werden die Unternehmen mit ihren Facebook-Seiten auch ihre Corporate Blogs bei Facebook hosten? Welche Macht und welche Informationen übergibt man Facebook damit? Und wenn Google und Facebook sich immer weniger mögen, welche Auswirkungen hat das auf die Suchmaschinen-Optimierung? Suchmaschinen könnten dadurch an Relevanz immer weiter verlieren, gilt Facebook doch heute schon als großer Traffic-Lieferant.

Ich für meinen Teil bleibe vorerst bei WordPress, die Möglichkeiten bei Facebook sind doch noch sehr begrenzt. Aber wenn es dem blauen Riesen einfallen sollte, da etwas auszubauen…

re:publica 2011 – Tag 3

Drei Tage unter Gleichgesinnten sind vorüber, die re:publica 2011 ist vorbei. Drei Tage angefüllt mit neuen Gesichtern, die man eigentlich schon kannte, neuen Twitterati, die man neu getroffen hat, vielen Erkenntnissen und sogar das eine oder andere Interview für das wissenschaftliche Abschlussprojekt.

Der letzte Tag zeichnete sich vor allem durch trockenes Wetter aus. Passend zur Bootstour auf der Spree  erkannte auch das Wetter, dass wenn die ganzen Nerds aus den Veranstaltungsräumen an die frische Luft treten und sich vom WLAN trennen (am heutigen Tage lief das WLAN tatsächlich stabiler, meiner Vermutung nach lag das an den geringeren Besucherzahlen), dann sollte es wenigstens trocken sein, mit gelegentlichem Sonnenschein.

Nach einem Panel zu Cofunding, das interessante Aspekte des Crowdsourcings behandelte stand besagte Bootstour an. Erfreulicherweise konnten auch bereits „alte“ Online-Bekannte angetroffen werden und so versah ich mich unerwarteterweise in Gesellschaft von Herrn Sixtus, Nadia Zaboura und, eine sehr angenehme und erheiternde Begegnung, mit Teilen des twitternden Fernsehsenders, der mir am liebsten ist: ZDFNeo! Bei einer derartigen Begleitung fiel der leere Smartphone-Akku und die kurz zuvor erlangte „I’m on a boat“-Badge kaum ins Gewicht.

Die Abschlussfeier der re:publica 2011 in der Kalkscheune (Ich hoffe die Location wechselt zur #rp12!) zeichnete sich vor allem durch sehr laute Musik im Inneren der Kalkscheune und vielen Leuten im Innenhof der Kalkscheune aus. Die Notwendigkeit des Akku-Aufladens hielt die meisten zu Beginn noch im Gebäude, bei einer genügenden Akku-Ladung suchten die meisten Gäste jedoch die frische Luft auf. Zum einen um sich in normaler Lautstärke zu unterhalten, zum anderen aber um das Trommelfell endlich zur Ruhe kommen zu lassen.

Ein richtiges Fazit werde ich wohl erst in ein paar Tagen ziehen können, wenn alle Eindrücke Zeit hatten, verarbeitet zu werden. Doch schon jetzt war für mich meine erste re:publica ein absoluter Erfolg und lohnte sich in jedem Fall. Ich habe fest vor nächstes Jahr wieder nach Berlin zu kommen. Dann möchte ich viele der Leute wiedersehen und noch mehr neue Leute treffen.

Vielleicht reiche ich dann beim Call for Paper ja auch mal einen Session-Vorschlag ein…

<- Tag 1 auf der #rp11

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