re:publica 2011 – Tag 1

Der zweite Tag der re:publica hat bereits begonnen, aber da ich kein kostenfreies WLAN auf dem Zimmer habe und meine mobile Netzverbindung bereits gedrosselt ist, komme ich erst jetzt dazu, meine ersten Eindrücke zu veröffentlichen.

Meine erste re:publica hatte ich mit viel Spannung erwartet und habe mich vor allem auf viele Treffen der Leute aus meiner Timeline gefreut. Mir waren die Sessions ehrlich gesagt eher unwichtig. Aus dieser Perspektive betrachtet war der erste Tag ein voller Erfolg und ich freue mich schon auf den heutigen Tag. Da kann auch das schechte Wetter nichts daran ändern. Ich konnte gestern bereits viele interessante Menschen treffen, die vorher nur per Avatar oder höchstens Skype-Kontakt bekannt waren. Und wieder einmal bestätigte sich, was wir (Daniel, Hauke und ich) bereits in der letzten Montagsrunde thematisiert hatten: Wenn der Kontakt bereits längere Zeit online besteht, ist das erste Treffen offline so, als würde man einen alten Bekannten Wiedersehen.

So könnte ich hier jetzt eine lange Reihe an Leuten auflisten, die ich bereits getroffen habe, doch erspare ich euch das. Alle die ich getroffen habe, ebenso wie diejenigen, die ich erneut getroffen habe, haben die Reise hierher mehr als bezahlt gemacht. Es ist einfach etwas anderes, jemanden in Fleisch und Blut gegenüber zu stehen und sich mit ihm/ihr zu unterhalten, als „nur“ via Twitter/Facebook zu kommunizieren.

Die Sessions die ich bisher besucht habe, haben bereits ein breites Spektrum abgedeckt, was die Qualität angeht. Die erste Keynote fand ich interessant – die ersten 15 Minuten – danach habe ich irgendwie nicht mehr so genau zugehört. Das mag auch an dem lustigen Twitter-Spiel gelegen haben, in dem sich die drei Farben auf Twitter in ihrer Aktivität übertreffen möchten.

Die Session zu Augmented Reality von Keiichi Matsuda war sehr spannend. Er hat sich sehr interessante Überlegungen zu AR aus der Perspektive eines Designers/Architekten gemacht und diese teilweise in Videos oder Bildern verarbeitet. Die Einbindung eines 3D-Films (mit den Retro-Brillen in Rot/Blau) mag am Erfolg des Vortrages nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Was ich vorher gar nicht wusste ist, dass Matsuda der Macher dieses Videos ist:

Leider gab es auch schlechtere Vorträge. Die „Studie“ zu Blogs in Deutschland basierte leider auf einem eher wackeligem empirischen Forschungsdesign und konnte die Anwesenden nicht wirklich begeistern. Eine qualitative Umfrage unter 20 Bloggern als Grundlage für Aussagen über die Blogosphäre in Deutschland zu nehmen, ist auch etwas sehr riskant, dies aber auf der re:publica zu präsentieren ist mehr als blauäugig. Die Referentin sah sich daher im Anschluss an ihren Vortrag einem kleinen aber heftigen Real-Life-Shitstorm ausgesetzt. Hätte sie die Studie auf der #rp11 durchgeführt, hätte sie wahrscheinlich unter den Anwesenden mehr Samples für ihre Studie gefunden, als sie bereits hatte.

Auch der Vortrag die Vorlesung zu Twitter konnte nicht begeistern. Die Vorstellung einer Diplomarbeit zu Twitter hatte durchaus interessante Inhalte, doch in einer abgelesenen Präsentation zunächst ausführlich die Funktion und Nutzung Twitters zu erläutern ist auf der #rp11 eher unangebracht. Da die Referrentin Vorleserin den Vortrag ihrer Vorrednerin inklusive anschließenden Shitstorm miterlebt hat, war sie auch noch mehr als nur ein wenig nervös. Die ersten Vorträge in der Kalkscheune waren also, gelinde gesagt, eine Enttäuschung, die durch studieren der Timeline und sonstige Ablenkungen überstanden wurde…

Der Vortrag von Tim Pritlove zu PodCasts in der Öffentlichkeitsarbeit war zum Glück besser. Gut, nach den beiden Vorrednerinnen war es ein leichtes, das Publikum für sich zu gewinnen, doch war sowohl inhaltlich wie formal die Präsentation interessant und ansprechend.

Am Ende habe ich mir Sascha Lobo mal live angesehen. Auch wenn ich nicht alle seine Aktionen gut finde, muss man ihm einfach lassen, dass er weiß, wie man redet und ein Publikum begeistert. Die neuesten Erkenntnisse in der Trollforschung waren wirklich ein großes Vergnügen und dabei sogar lehrreich. Seinem Eingangs-Rant, in dem er die versammelte Online-Szene beschuldigte an seinem Erfolg Schuld zu sein, weil sie es nicht schaffen würden mit den „Normalos“ so zu kommunizieren, dass diese uns verstehen und sich daher immer alle an ihn wenden würden, kann ich in den wenigstens Punkten widersprechen. Er hat also irgendwo recht.

Die Lobby füllt sich mit frühstückenden Menschen, die offensichtlich nicht die #rp11 besuchen, da sie mich mit einer Mischung aus Argwohn und Mitleid betrachten, ob es daran liegt, dass ich hier mit Laptop sitze und blogge oder dass ich nicht wie sie frühstücke, vermag ich nicht auszumachen. Gut das ich gleich wieder unter Gleichgesinnten bin, da muss ich mich nicht mehr rechtfertigen, dass ich immer auf mein Smartphone gucke, obwohl ich am Laptop sitze. Vielleicht möchte ich manchmal gar nicht mit den „Normalos“ kommunizieren?

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