Videocamp und Web Video Preis 2013 – Ein Rückblick auf meine ersten Tage in Düsseldorf

Es ist nun schon 4 Tage her, dass ich in Düsseldorf angekommen bin und ich frage mich ein wenig, wo denn die Zeit geblieben ist. In den 4 Tagen ist bereits sehr viel geschehen. Nicht zuletzt dank Markus und Thorsten, meinen beiden neuen Mitbewohner und Kollaborateure bei verschiedenen neuen Projekten.

Ein Barcamp zu Bewegtbild – Das Videocamp

Es begann mit dem Videocamp am Freitag, zu dem ich relativ spontan gegangen bin. Wie mir dieses Barcamp bisher entgehen konnte, frage ich mich rückblickend ja schon. Hier ging es um bewegte Bilder, aber nicht in der klassischen Glotze, sondern vor allem im Netz. YouTube, Vimeo, MyVideo und wie die Videoplattformen alle heißen mögen. Ein Barcamp für Web-Videos – für mich als unglaublicher YouTube und Vimeo Konsument (ich könnte echt Stunden da verbringen) – einfach perfekt.

Und weil es um Webvideos ging, verwunderte es auch nicht, dass gleich drei Vertreter von YouTube vor Ort waren. Naja, sicherlich auch deshalb, weil sie das Barcamp mit gesponsort haben, aber eben auch, um Sessions zu halten und über Möglichkeiten zu informieren, erfolgreich(er) mit den eigenen Videos zu werden. Hannes Jakobsen von YouTube habe ich bereits bei einem Workshop von YouTube in Hamburg kennengelernt. Er zeigte in einer Session recht einfach, wie man mit 10 simplen Regeln (von denen viele logisch und fast selbstverständlich sein sollten, es aber irgendwie meist doch nicht sind), den eigenen Erfolg auf YouTube und vor allem die Reichweite, steigern könnte. Anna-Lena wurde in ihrer Session zu Neuerungen von YouTube und Integration von Google Plus leider oft als Troubleshooter für Probleme angesprochen. So kamen mir ihre eigenen Inhalte leider etwas zu kurz. Dafür konnte ich ein Blick auf ihr Pixel Chromebook werfen: Schickes Gerät! Und auch die Pressesprecherin von YouTube war vor Ort.

Es gab einige interessante Sessions, zum Erzählsatz und der Dramaturgie aus klassischen, journalistischen Videobeiträgen und ob und wie sich das auf Webvideos überträgen lässt. Oder aber auch einfach eine Session, wie man Projekte und Teams besser managen kann. Vor allem bei Videoprojekten mit einem größeren Team sicher wichtig.

Kaum Agenturen oder Unternehmen da gewesen

Insgesamt war es ein sehr interessantes Camp, von dem ich viele sehr interessante Sessions leider verpasst habe. Was mir aber sehr stark aufgefallen ist, war eine Tatsache: Es waren nur sehr wenige Vertreter der üblichen Barcamps zu Social Media vertreten: Agenturmenschen und Unternehmensmitarbeiter. Ich bin persönlich schon länger der Meinung, dass YouTube und Co. nicht erst in der Zukunft, sondern eigentlich jetzt schon sehr groß und relevant sind, also vor allem die aktiven User. Aber das ist bei Unternehmen nur vereinzelt und auch bei vielen Agenturen anscheinend noch nicht so angekommen. Denn sonst hätten sie sich, wie ich (jetzt als Freelancer), eigentlich auf diesem Barcamp tummeln sollen.

Denn es waren nicht nur Journalisten, die sich ins Netz wagten, oder doch ein paar Berater, Vertreter der Sponsoren und YouTube vor Ort. Es waren auch viele aktive YouTuber vor Ort. Oder aber junge Menschen, die etwas mit Video machten. So zum Beispiel Clemens, der 15 jährige Schüler, der mit seiner Klasse ein klassisches Theater-Stück als Kurzfilm umgesetzt haben und sehr souverän einfach mal eine Session startete, in der er diesen Spot vorstellte und zur Diskussion freigab.

Viele Agenturen sagen, dass Bewegtbild immer wichtiger wird, aber dann fehlten doch deren Vertreter auf diesem Barcamp, bei dem man wirklich viel lernen konnte. Etwas, das für die üblichen Barcamps zum groben Thema „Social Media“ für mich nicht immer gilt.

YouTuber vs. Social Media Veteranen 

Generell scheint für die YouTuber vieles anders zu sein, als für Leute wie mich, der ich mich jetzt einfach mal zu dem Begriff „Social Media Veteran“ rechne. Ich bin einer von euch, der Facebook, Twitter und Blog zur professionellen Kommunikation für mich oder für Kunden einsetzt. Für mich ist es normal, mit Klarnamen zu arbeiten und fremde Menschen bei Twitter, Facebook, LinkedIn und co. anzusprechen und als Kontakt hinzuzufügen. Es geht ja schließlich ums Netzwerken und Leute kennenlernen! Alles irgendwie beruflich. Meistens.

Ich zähle mich nicht einmal zu den Digital Natives, von denen man ja immer gerne sagt, sie würden ganz selbstverständlich die Technik und die Plattformen nutzen, die ihnen zur Verfügung stehen. Darum werden doch gerne junge Praktikanten mit der Betreuung der Firmen-Facebook-Seite betreut, denn die sind ja auch selbst bei Facebook aktiv, nicht wahr?

Und wie ist das bei den YouTubern? Den jungen Menschen, die klar als Digital Native zu bezeichnen sind? Sie sollten doch wie selbstverständlich Facebook, Blog und Co. nutzen, so wie sie die digitale Spiegelreflexkamera und Videoschnittprogramme nutzen, um wirklich hochwertige Videos zu erstellen, oder? In einer sehr interessanten Session von Katja und Steffi, die eigentlich nur mal diese beiden Parteien – die YouTuber und Social Media Veteranen – zusammenbrachte, wurde klar: Was wir für die „Offliner“ sind, sind die YouTuber irgendwie für uns!

Da kamen dann auch mal so Äußerungen, die etwa besagten, dass man jetzt auch mal Facebook nutzen will, um die Videos zu verbreiten. Oder um die Fans zu sammeln. Die YouTuber sind – was Social Media angeht – deutlich zurückhaltender als wird. Da wird sich bei Facebook auch nur mit Menschen vernetzt, die man mindestens 2-3 Mal zuvor im realen Leben getroffen hat!

Anonymität vs. Klarnamen

Während wir uns über die Klarnamenpflicht bei Facebook und Google Plus keine Gedanken mehr machen, würde es den YouTubern anscheinend nicht einfallen, ihren Channel mit einem Klarnamen zu führen. Sie freuen sich über die Anonymität, die sie haben, auch wenn sie vor der Kamera stehen und danach frei für fast alle sichtbar ihre Werke ins Netz stellen. Und doch, bei all der Anonymität, sind die YouTuber in einer sehr lebendigen und offenen Community unterwegs. Da gibt es regelmäßige Treffen (quasi das Nebenprogramm der re:publica für Social Media Veteranen?) der YouTuber. Es wird sich (auf YouTube) vernetzt und ausgetauscht.

Also leben wir Social Media Veteranen in unserer aktiven und tollen Community und die YouTuber in ihrer eigenen aktiven und ebenfalls tollen Community. Spannend, denn wir leben ziemlich aneinander vorbei.

Neuer Trend? YouTube ist schon sehr alt und YouTuber lernen – schnell!

Kein Wunder, dass also die Agenturen und Unternehmen diese Community kaum für sich erschlossen haben. Während dies gerade nach und nach aufgeholt wird, werden die YouTuber immer professioneller und wenn die breite Masse der Unternehmen und Agenturen auf den Zug „Webvideo“ aufgesprungen sind, werden sie sich wahrscheinlich einem hochprofessionalisiertem Partner gegenüber sehen, der nicht so leicht mit sich herumspringen lassen wird, wie aktuell noch manche Blogger!

Der Web Video Preis 2013 – Eine tolle Show

Nachdem ich nun so viel in den zwei Tagen Videocamp gelernt hatte und mich wunderte, warum ich so vieles bisher verpasst habe, endete dieses interessante Barcamp mit dem Web Video Preis 2013. Ich erinnere mich noch an die Show vom letzten Jahr, die ich teilweise mitverfolgte – vor dem Rechner. Der Unterschied zu diesem Jahr könnte größer nicht sein.

War es letztes Jahr alles noch sehr … hm … „handgemacht“ und etwas holprig, gab es dieses Jahr eine hochprofessionelle Show. Dieses Jahr im Capitol in Düsseldorf fanden sich etwas über 1.000 Zuschauer zur Verleihung des Web Video Preises ein. Eine Unmenge an Fans der YouTuber und die YouTuber selbst. Dazu einige Social Media Bekanntheiten, Unternehmensvertreter und wer noch bei solchen Shows halt dabei ist.

Auf Grund des Zeitdrucks bis zu diesem Finalspiel vom Rundball zog Moderatorin Miriam Pielhau auch sehr straff ihr Programm durch und auch wenn genau zu Anfang einmal kurz der Einspieler hängen blieb, fühlte man sich den Abend über in einem sehr professionellen und vor allem angenehmen Umfeld.

Es gab sogar einen Eröffnungsakt: Die Aussenseiter zeigten ihren Song „Müze“ auf der Bühne.

Alles in allem habe ich den Abend als Abschluss des Videocamps sehr genossen. Unter anderem auch, weil ich – tatsächlich ich! – von zwei Besucherinnen erkannt worden bin! „Hey, dich kenn ich irgendwoher!“ hieß es plötzlich, als ich ein paar Bilder machte. „Ich weiß gerade nur nicht, woher… Wie heißt dein Channel?“ Tja, da muss sie mich wohl verwechseln, dachte ich. Aber nein, es waren zwei Fans meines Football Projektes! Wahnsinn! Tja, so kann es laufen. Ich werde auf jeden Fall versuchen, nächstes Jahr wieder beim Videocamp und beim Web Video Preis dabei zu sein!

Und wenn ihr etwas mit Video und Webvideo zu tun habt, solltet ihr das auch!