Ich habe keinen Bock mehr auf euern Schwanzvergleich!

Ok, das klingt jetzt etwas arg vulgär, aber nur so bekommt man ja Aufmerksamkeit, Interaktion, Likes und Reichweite – scheinbare Relevanz. Nein, ernsthaft: Ich habe keinen Bock mehr auf den ewigen Statistik-Vergleich.

Ätschie Bätsch, ich habe mehr Fans als du!

Wie oft muss man sich das anhören, Facebook Seite X hat so viele Fans und Facebook Seite Y nur so viele. Ebenso bei Twitter, nur das es da Follower heißt. Leute, merkt ihr denn nicht, es geht hier nicht um Fans und Follower als einfache Zahlen! Was bringen mir 10 Millionen Fans, wenn ich da nur Zombie-Accounts habe, die irgendwann mal wegen eines tollen Gewinnspiels oder einer guten Facebook Werbekampagne auf „like“ geklickt haben und dann vergaßen wieder zu ent-liken? Zombie-Fans, die nie kommentieren, teilen oder liken. Die einfach nur da sind, weil sie vergaßen oder zu faul sind zu gehen. Die nicht einmal auf Links klicken, weil sie diese auf Grund des EdgeRanks gar nicht erst angezeigt bekommen. Mit diesen Fans kann niemand etwas anfangen. Ebenso sieht es bei Twitter aus.

Leider braucht es aber, bis das in den Köpfen einiger Leute ankommt. Hauptsache viele Fans! Da werden Fanzahlen als KPI vereinbart, ohne dabei zu sagen, ob sie aus der eigenen Zielgruppe stammen sollen oder nicht. Nein, hauptsache mit dem Wettbewerber möglichst gleichziehen! Da können es auch die 14 jährigen Mädchen sein, die auf Ponies und Beauty-Blogs stehen, wenn man selbst eher die Zielgruppe Männlich ab 28 Jahren ansprechen will. Der Wettbewerber hat ja auch so viele Fans. Das muss doch gehen!

Erst einmal Fans sammeln, möglichst viele! Die Zielgruppe erreichen wir dann automatisch später

Klar, so kann man es auch versuchen, aber wisst ihr eigentlich was das für eine Verschwendung von Ressourcen ist? Zeit und Geld muss investiert werden, um Fans zu sammeln und wenn da das Ziel lautet: Viele Fans! dann kann man sich das meistens gleich aus dem Kopf schlagen. Was wollt ihr denn mit den Fans machen? Denkt da doch bitte einmal drüber nach, bevor ihr da viel Geld investiert! Es ist sinnvoller, beim Fanaufbau gleich auf die Zielgruppe zu achten. Dann ist man vielleicht nicht so schnell wie der Wettbewerber, dafür hat man aber die richtigen Leute, die womöglich auch echte „Fans“ sind und nicht einfach irgendwelche Like-Zombies.

Man schaltet doch auch nicht TV Werbung auf allen Sendern, weil man denkt: Ich erreiche dann möglichst viele Leute, da wird die Zielgruppe schon mit drin sein! Also bitte!

PTAT PTAT! Bleibt mir mit dem PTAT fern!

Einer der wohl verdammt noch einmal nervigsten Werte, neben der Fanzahl, ist für mich der PTAT Wert. „People talking about this“ nennt er sich, dieser komische Wert, über den ich schon vor langer Zeit einmal geschrieben habe. Wie kommt diese Zahl tatsächlich zustande? Auf der Arbeit haben wir uns das mal angesehen und mit Verlaub: Die tatsächliche „Interaktion“ also das Liken, Kommentieren und Teilen von Beiträgen einer Facebook Seite haben damit kaum etwas zu tun.

Weg von PTAT und Fanzahlen hin zu „echter Interaktion“ und nachvollziehbaren Zahlen

Ich habe keine Lust mehr auf Zahlen, die ich nicht nachvollziehen kann. Zumal so Algorithmen von Facebook, Google und Co. ja gerne einfach mal geändert werden. Darum haben wir uns in der Agentur mal Gedanken zu einer neuen Formel gemacht, die versucht, die Interaktion mit Seiten aus Perspektive der User zu bewerten. Diese Formel stellt einen gewichteten Interaktionsindex dar.

Dabei ist der Part mit den „Klicks auf den Link“ eine Option, die nur gilt, wenn man die Links mit beispw. bit.ly tracken kann und das überhaupt eine wichtige KPI ist.

Die Zahlen sind so allesamt nachvollziehbar und vor allem kann man sie auch für „fremde“ Facebook Seiten anwenden. Dabei ist es dann irrelevant, wie viele neue Fans dazu kommen, da anders als im PTAT Wert, diese Zahl nicht direkt auftaucht. So spiegelt diese Zahl also die tatsächliche Interaktion wider, ohne dass man sie mit Fan Akquise Aktionen beeinflussen kann. Hier geht es um gutes Community Management, nicht um viel Geld für Facebook Werbung. Daher haben wir auch bewusst darauf verzichtet, die Zahl der „neuen Fans“ mit in diese Formel aufzunehmen.

 

3 Antworten auf „Ich habe keinen Bock mehr auf euern Schwanzvergleich!“

  1. Ich kann vieles von dem, was du hier sagst nachvollziehen. Ein bisschen vermisse ich jedoch die Realitätsbrille. Als Agentur ist man am Ende des Tages in erster Linie Dienstleister. Der Kunde kauft eine Leistung. Diese Leistung kann z.B. sein, dass die Fanzahl erhöht wird. Diese zugegebenermaßen suboptimale Kenngröße, ist oft abhängig von Prozessen, die beim Kunden intern stattfinden. „Dein“ Kunde hat da oft nicht das letzte Wort. Oft sieht er die Dinge genauso wie du – nur sind ihm leider die Hände gebunden. Darum: Babysteps. Gemeinsam daran arbeiten, dass Bewusstsein für Social Media im Unternehmen zu beeinflussen. Oder den Kunden abgeben. Und vor allem: Weniger schwarz-weiss malen.

    1. Manchmal muss man aber schwarz-weiß malen, um da mal den Fokus drauf zu bringen. Natürlich sieht das in der täglichen Agentur-Arbeit anders aus und ich erkenne es als unsere Beratungs-Leistung, den Kunden auch darauf hinzuweisen, dass die von ihm vorgeschlagenen KPI eventuell optimiert werden können/sollen.

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