Von einem der auszog, das Zwitschern zu lernen

„Leute, ich twitter jetzt!“ – „Aha. Und? Bringt’s was?“

Das ist die typische Reaktion, die ich nach einer Woche Twitter erhalte, wenn ich Freunden und Bekannten von meiner eigenen kleinen Social-Media-Offensive berichte. Niemand scheint sich für Twitter zu interessieren. Alle kennen es, alle wissen, wie es funktioniert, aber niemand macht sich die Mühe, es auszuprobieren. Warum ist das so? Zeit, meinen Account und eine Woche Twitter genauer unter die Lupe zu nehmen.

Resümee eines Frischlings

MincorConcerns eröffnete seinen Stream am 9. September um 16 Uhr. Bisher habe ich 34 Tweets abgesetzt, 18 mal taucht der Account in Mentions auf. 60 Followings und 44 Follower drehen sich vor allem um das Berufsfeld PR und das Thema Social Media. Beim Einstieg hatte ich Hilfe vom geschätzten Betreiber dieses Blogs .

„Was twitterst du dann so?“ ist die zweite Frage, die mir bei meinen Unterhaltungen gestellt wird. Wie baut man sich ein Netzwerk auf, was sollte dieses Netzwerk überhaupt erfahren? Plattitüden zu twittern ist wenig sinnvoll, also beschränken sich die meisten auf Nachrichten und Links, die interessant für ihr Berufsfeld sind, was dazu führt, dass sich relativ geschlossene Zirkel in der Twitterkommunikation bilden. Schnell beginnt man, sich in den dutzenden geposteten Links zu Blogs zu verheddern, man möchte doch so gern etwas sinnvolles beitragen, am liebsten eine profunde Antwort liefern, die einen Retweet verdient. Wenn ich bisher eines gelernt habe, dann das: Das vielbeschworene „Engagement“, das Social Media so wertvoll machen soll, kostet viel Zeit. Dass die Timeline darüber hinaus viele Dinge enthält, denen man sich nicht widmen kann oder die einfach schlicht nicht interessieren (in meinem Fall z. B. Foursquare-Updates von irgendeinem S-Bahnhof), macht die Aufgabe nicht einfacher. Aufmerksamkeit + Zeit sind die Währung des Internets, also warum hier investieren?

Wer findet Twitter am wichtigsten? Twitter!

Hinzu kommt, dass sich Twitter gern um sich selbst dreht: Viele der Inhalte, die ich erhalte, sind Links zu Studien und Kommentaren, die betonen, wie wichtig Twitter, Facebook & Co. für Kommunikation sind, das Internet ist das Leitmedium der Jugend, schauen Sie hier, mit diesen 10 Tipps sind sie im Social Web erfolgreich. Zugegeben, ich folge nur 60 Accounts, aber müssen die sich ständig selbst bestätigen, wie wichtig es ist, dass sie existieren? Björn C. Hasse hat am 11.09. die richtige Frage gestellt: „Wie viele Individuen sind auf Twitter, wenn wir alle subtrahieren, die sich ‚Social Media Berater‘ nennen?“ Man will die Antwort lieber gar nicht wissen. Und was ist eigentlich mit meinem Google-Reader, reicht der nicht für News? Mit Twitter ist bei mir ein Ungleichgewicht entstanden: Ich weiß nicht mehr, was ich zuerst lesen soll. Social Media auf dem Weg zum Fulltime-Job.

Dass sich meine Freunde da lieber auf Facebook oder StudiVZ tummeln, ist also nachvollziehbar: Mit Newsstreams bieten Soziale Netzwerke gleiche Funktionen wie Twitter, ergänzt um all die anderen On-Site-Features wie Foto-/Videogalerien, ausführliche Profile, Events, Gruppen, und, und und. Twitter dagegen braucht (noch) viele externe Apps und Seiten, um Komfort zu generieren.

Und trotzdem kann sich’s lohnen!

Also nix mehr mit Zwitschern? Nein, so einfach ist das nicht. Der Return of Investment ist nämlich da, und man muss eigentlich nicht lange suchen, genauer gesagt googeln, um ihn zu finden. Twitter pusht nämlich enorm das eigene Suchmaschinenranking. Damit bietet Twitter auch als Privatperson eine einfache Möglichkeit, sein Online-Profil zu schärfen und entsprechend Selbstdarstellung zu betreiben. Die mangelnde Ausführlichkeit des Profils im Vergleich zu beispielsweise Facebook hat zudem eine zweite, äußerst positive Seite: Twitter ist sehr viel unverbindlicher. Der „Follow“-Button hat weniger Gewicht als Facebooks „Add as a friend“, sehr geeignet, um Kontakte zu knüpfen und sich ins Gespräch zu bringen. Oder auch nicht, es tut nämlich nicht weiter weh.

Twitter ist für mich nach einer Woche: Schnelle Verbreitung von News und ein gleichermaßen schnelles Verfallsdatum dieser News. Schnelles knüpfen von Kontakten, die aber sehr platonisch sind und deren Entwicklung man selbst in der Hand hat. Twitter ersetzt in meinen Augen auch nicht den gut organisierten RSS-Reader (Einbrüche hin oder her) und auch kein soziales Netzwerk. Aber es bietet einen Mehrwert, der im Gebrauch mit anderen Tools des Social Web mehr ist, als die Summe seiner Bestandteile. Ob der Mehraufwand, der für diesen Mehrwert nötig wird, gerechtfertigt ist, sollte jeder für sich entscheiden. Aber erst, nachdem er Twitter wirklich ausprobiert hat. MinorConcerns bleibt den Timelines meiner 44 Follower jedenfalls für’s erste erhalten.

Beste Grüße,

Michael Waning

2 Antworten auf „Von einem der auszog, das Zwitschern zu lernen“

  1. Schönes Resümee der ersten Woche Michael, noch viel schöner finde ich deinen Schluss es zunächst weiterhin mit Twitter zu versuchen. Vielleicht erhalten wir ja auch bald die Möglichkeit das „neue“ Twitter auszutesten, dann kann es nochmal richtig spannend werden!

  2. Ich kann mich David nur anschließen: ein schöner Rückblick auf deine ersten sieben Tage. Nur in einem Punkt muss ich insistieren: die thematische Geschlossenheit deiner Followings liegt allein in deiner Hand. Diese gemãß deiner eigenen Interessen zu erweitern und auch zu verfeinern ist allerdings auch eine Aufgabe, die stetig weiterverfolgt werden sollte. Du wirst mit der Zeit öfters mal durch deine Timeline scrollen und merken, dass sich Followings deiner Anfänge nicht mehr mit deiner eigenen (Weiter-)Entwicklung auf Twitter decken. Aber du hast es ja schon selbst gesagt: die Verbindungen sind alle sehr lose, wenn man sie nicht pflegt. Bon daher darf man ruhig auch mal Kontakte kappen 😉

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