Wer bin ich, und wenn ja, wieviel Social Web?

Ich bin 23. Ich bin in meiner Schulzeit mit Instant-Messengern, IRC und den Foren verschiedenster Communities groß geworden. DeviantART kam dazu, das Aufsetzen eigener Homepages mit Freunden, kurz vor dem Abitur dann die unvermeidliche Anmeldung im StudiVZ. Mehrmals täglich alles auf Neuigkeiten aus meinem Freundeskreis überprüfen war immer schon selbstverständlich, oft auch Freizeitfresser Nr. 1., Neuigkeiten aus dem Rest der Welt beziehe ich über meinen treuen Google Reader. Bin ich ein Digital Native?

Aus den obligatorischen Highschool-Jahren brachten Mitschüler Facebook mit, aber für das Management meines Freundeskreises war es nie relevant. YouTube war erst Quelle für Unterhaltung am Nachmittag, irgendwann dann universelle Jukebox auf Partys. Aber selber Videos produzieren? Die miese Qualität, die Handykameras zunächst hervorbrachten, war mir zu schmierig. Newsgroups, Blogs, Myspace? Gingen an mir vorbei. Websites und Dienste, die ich schon immer genutzt habe, standen mit ihren Freunden plötzlich vor der Tür, hießen „Web 2.0“ und „Social Media“ und ich fand nicht, dass mich das interessieren müsste. Bin ich ein Digital Immigrant?

Operation: Attacke Social Media!

Diese Fragen stelle ich mir, seitdem mein Studium mich zwingt, mich zumindest theoretisch mit allen erdenklichen Medien auseinanderzusetzen. Und dann muss ich plötzlich erfahren, dass es die Digital Natives vielleicht gar nicht gibt. Während ich also in einer Identitätskrise stecke, möchten Unternehmen und NGOs, Behörden und Journalisten Teil der digitalen Revolution sein. Seit neuestem sogar die Kandidaten der Bürgermeisterwahl einer recht konservativen, mittelgroßen Stadt. Na, denen kann ich wohl kaum das Feld überlassen. Zeit, selber tätig zu werden!

Schritt 1: Strategie!

Keine Nicknames, kein Pseudonym: Ich gehe ins Social Web als der, der ich bin. Michael Waning, freiberuflich bereits engagierter Kommunikationsmanagement-Student an der FH Osnabrück, Standort Lingen (Ems). Als Jung-PRler kann man es sich ohnehin nicht leisten, im Netz unauffindbar zu sein. Also möglichst professionell nach draußen!

Schritt 2: Was will ich?

StudiVZ- und Facebook-Account existierten schon, wollen aber noch ausgereizt werden. Dazu: Twitter! Microblogging stehe ich schließlich am skeptischsten gegenüber, nicht zuletzt auch wegen des Hypes, den PRler und Journalisten gleichermaßen veranstalten. Ein XING-Profil ist eigentlich schon seit Jahren fällig, also die Gelegenheit, das Thema endlich abzuhaken, LinkedIn könnte bald folgen. Achja: Inhalte produzieren!

Schritt 3: Ein Blog. Über dieses Experiment.

Gesunde Skepsis gegenüber jedem Medium kann nicht schaden, und ich gedenke nicht, mit den verschiedenen Facetten des Social Web anders zu verfahren. Daher an dieser Stelle Dank an meinen Kommilitonen David Philippe, der mir die Möglichkeit bietet, seiner Leserschaft von meinen Erfahrungen zu berichten. Am morgigen Donnerstag wird mein Twitter-Account eine Woche alt. Dann wird es Zeit für ein erstes Resümee.

Verfolgen Sie meine persönliche Social-Media-Offensive auf:

Beste Grüße,

Michael Waning

4 Antworten auf „Wer bin ich, und wenn ja, wieviel Social Web?“

  1. Der Begriff Digital Natives wird meiner Ansicht nach zu sehr mit dem Lebensalter bzw. dem Geburtsjahrgang in Verbindung gebracht. Obwohl es da natürlich eine Korrelation gibt.

    Ob sinnvoll oder nicht, müsste ich mich einordnen, würde ich mich als Digital Native bezeichnen, obwohl ich 38 bin und noch lebhaft und mit Schrecken an die Welt ohne Web zurückerinnern kann. Online bin ich allerdings seit 1989, zuerst mit einem C64. Und natürlich nicht im Web, das gab es ja noch nicht. Ich kannte damals niemanden, der auch ein Modem besaß. Es war ja schon schwierig, jemandem zu erklären, wozu das gut sein sollte.

    Ganz unabhängig von Begriffen wie Web 2.0 oder Social Media: Ob Großunternehmen oder Freiberufler, man muss im Internet Präsenz zeigen. Wie man das macht und wie interaktiv und kommunikativ man dies umsetzt, ist eine Frage der PR- oder Marketingstrategie.

    1. Digital Natives mit dem Alter in Verbindung zu bringen, halte ich auch für falsch. Allerdings wird meistens in Zusammenhang mit der „Netzgeneration“ von Digital Natives gesprochen, das muss sich in der Tat ändern.

      Als Unternehmen/Unternehmer muss man in jedem Fall Präsenz zeigen, allerdings bin ich explizit auch als die Privatperson Michael Waning unterwegs. Wie sehr sollte man sich als Privatperson einbringen? Geschmackssache? Langfristig unvermeidbar? Kann man das eine überhaupt vom anderen trennen?

      Beste Grüße

  2. Als Freiberufler oder Kleinunternehmer kann man das kaum trennen. Eine GmbH kann durchaus ganz „unprivat“ online in Erscheinung treten und damit gut fahren.

    Immer wieder liest man die Ermahnung, private und geschäftliche Aktivitäten im Netz zu trennen. Das ist so gut wie unmöglich, denn vor allem über den Namen, aber auch über Verlinkungen (mein Blog, mein Twitter-Account etc.) gibt es Verbindungen, die eine Identifikation wenn schon nicht aufdrängen dann doch wenigstens möglich machen.

    In einem medizinischen Selbsthilfeforum sollte man sich unter Pseudonym anmelden und zum Profil dort wird man wohl auch nicht von anderen Seiten her verlinken.

    Aber von solchen Extremfällen abgesehen, ist es völlig naiv, an eine Trennbarkeit zu glauben.

    Auf gesetzlicher Ebene wird man gegen die Realität nicht ankämpfen können. Einem Arbeitgeber zu erlauben, sich bei XING über einen Bewerber zu erkundigen, aber ein Nachsehen bei Facebook zu verbieten, ist unglaublich großer Blödsinn.

    Gerade mit privaten Informationen kann man einen positiven Eindruck bei möglichen Auftraggebern oder Arbeitgebern erzielen. Aber alles, was man online sagt, kann und wird von anderen Menschen auch gegen einen verwendet werden. Und es hört ja nicht bei den Informationen auf, die man selbst über sich preisgibt.

    Ist man auf einer Geburtstagsfeier eingeladen und jemand schießt Fotos, werden diese möglicherweise online gestellt, inklusive Namens-Tags. In den Metadaten des Fotos sind dann vielleicht auch neben Datum und Uhrzeit noch die Geodaten zu finden.

    Bewirbt man sich später irgendwo, wird man vielleicht gar nicht erst eingeladen, weil Alter, Hautfarbe oder Geschlecht nicht den Vorstellungen des Arbeitgebers entsprechen. Dazu braucht es keine „peinlichen Partybilder“, sondern für eine Diskriminierung relevante Informationen ergeben sich aus den harmlosesten Bildern, etwa einem Portrait-Foto im Team-Bereich einer Unternehmenswebsite.

    Kurzum: Gegen die größten Risiken können wir gar nichts tun, wenn wir uns nicht isolieren wollen. Dann kann man sich ebenso gut aktiv einbringen. Letztlich kann jeder Info-Schnipsel nachteilig sein, vor allem in der Kombination mit zahlreichen anderen kleinen Infos, die zusammen viel über einen Menschen verraten.

    Deshalb: Entspannt bleiben und sich aktiv online einbringen. Den Risiken stehen schließlich große Chancen gegenüber.

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