Abschlussanalyse – Social Media Engagement der Lingener OB-Kandidaten

Nach der gestrigen Podiumsdiskussion und mit Hinblick auf den Wahltermin in 4 Tagen, ist es an der Zeit für eine abschließende Analyse des Social Media Engagements der Lingener OB-Kandidaten. In meinen vorherigen Analysen wurden die Bemühungen der Kandidaten bereits untersucht. Was hat sich geändert? Ich habe versucht jeden Kandidaten bei Twitter in eine Unterhaltung zu ihrem Twitter-Engagement zu „verwickeln“.

Twitter

Beginnen wir wieder mit Kandidat(in) 1:

Aktuell folgt sie 71 Twitter-Accounts (vlg. Analyse vom 26.08. : 65 Accounts) und ihr folgen 46 Accounts (vgl. vorher: 30).

Sie folgt weiterhin mehrheitlich privaten Accounts, ein paar Vereine (Kivelinge) sind dazu gekommen, bleibt aber eher bei ihrer Zielgruppe: Den Wählern. Ihr selbst folgen, abgesehen von den Twitter-üblichen „Spam-Accounts“ ebenfalls mehrheitlich Privataccounts. Somit wäre es für sie gut möglich, ihre Zielgruppe zu erreichen.

Von den 115 abgesetzten Tweets sind die meisten Tweets @-Replies bzw. Retweets. Auch meine Fragen zu ihrem Social Media Engagement, vor allem auf Twitter, wurden beantwortet – früh am Morgen.

Fazit: Konstantes Engagement, Niveau gehalten, keine Änderung

Es folgt Kandidat 2:

Er blieb konstant bei seinen Followings: 6(!) Accounts werden von ihm verfolgt. Ihm folgen mittlerweile 40 Accounts (vgl. vorher: 27). Die meisten sind Privataccounts, natürlich auch parteiliche Unterstützer (Obwohl immer wieder betont wird, der Kandidat sei parteilos).

Einen Abend lang hat sich dieser Kandidat auf eine Twitter-Diskussion eingelassen. Zunächst mit anderen Twitterern, später mit mir. Auf eine gemeinsame Frage – Warum er bei Twitter aktiv sei – bekamen wir nach mehrmaliger Nachfrage folgende Antwort: „Ich nutze Twitter vorwiegend als Plattform für Ankündigungen…“ So erklären sich seine 56 Tweets, die ausser an diesem einen Abend, nie einen @-Reply oder Retweet beinhalteten. Meiner Meinung nach nicht die beste Nutzung dieser Plattform.

Eine nette Nebeninformation: Ausschlaggebend für sein Engagement war die Twitternutzung seiner Frau. Schade nur, dass sie eine passive Twitteristi ist.

Fazit: Seiner Linie treu geblieben, Twitter „nur“ als Infokanal für seine Auftritte (bis auf den einen Abend). Meiner Meinung nach viel Potential verschenkt.

Weiter mit Kandidat 3:

Dieser folgt 43 Accounts (vgl. vorher: 29) und ihm folgen 46 Accounts (vgl. vorher: 30). Mittlerweile folgt er 14 Privataccounts. Im Vergleich zu vorher 4 Privataccounts, durchaus eine Steigerung, aber im Verhältnis insgesamt wiederum nicht sehr ausschlaggebend.

Dennoch folgen ihm viele Privataccounts, das Interesse an seinen Beiträgen bleibt bestehen. Viele Accounts sind doch bekennende Gegner des Kandidaten, verfolgen also evtl. eher aus Monitoring-Zwecken?

Es gab bisher keinen einzigen @-Reply oder Retweet in der Timeline dieses Kandidaten, auch meine Versuche, ihn anzusprechen wurden schlicht nicht erkannt, bzw. ignoriert. Schade, denn ich hätte einige Fragen an diesen Kandidaten gehabt. Ich habe es auch bei Facebook versucht, doch dazu im Facebook-Teil mehr.

Inhaltlich unterscheiden sich die 32 abgegebenen Tweets nur wenig von Kandidat 2, abgesehen von der Partei-Färbung, natürlich.

Fazit: Konsequent seiner Linie treu geblieben und alle Anfragen ignoriert. Keine erkennbare Interaktion mit anderen Twitteristi. Um diese Linie erfolgreich zu fahren, fehlt diesem Kandidaten meiner Meinung nach die Prominenz.

Den Abschluss bildet Kandidat 4:

Verspätet gestartet hat sich dieser Kandidat bemüht den Rückstand aufzuholen. So folgt er 22 Accounts (vgl. vorher: 2) und ihm folgen 34 Accounts (vgl. vorher 11).  Somit folgt er bereits mehr Leuten als Kandidat 2.

Er fast nur Privataccounts, doch davon sind einige nicht in Lingen und Umgebung einzuordnen, also nicht die Zielgruppe. Ist ja auch in Ordnung. Ihm folgen ebenfalls überwiegend Privataccounts. Wie bei Kandidatin 1 ist hier also die Möglichkeit mit den Wählern in Kontakt zu treten durchaus gegeben.

Doch leider wurde seit dem 31. August kein Tweet mehr abgesetzt. Seit meiner Unterhaltung auf Twitter mit ihm. Habe ich ihn so verschreckt? Ich glaube nicht. Seine Beweggründe für das Twitter Engagement wurden jedoch nicht ganz deutlich.

Sehr deutlich hat er jedoch gemacht, dass er von einem Team unterstützt wird, bei Facebook und Twitter, inhaltlich jedoch nur er aktiv sei. Wie das nun praktisch aussieht, darf sich jeder selber ausmalen.

Mir hat sich in der Unterhaltung der Eindruck aufgedrängt, dass dieser Kandidat Twitter als Tool noch nicht ganz verstanden hatte. Dass manche Tweets für Außenstehende etwas herablassend wirken können, sei dahingestellt. Ich musste auf @-Replies erst bestehen, bevor ich direkte Antworten auf meine Fragen an ihn erhielt.

Fazit: Nicht ganz konsequent genutztes Tool, nur wenig Interaktion mit anderen Twitteristi, etwas besser genutzt als Kandidaten 2 und 3, dennoch verbesserungsfähig.

Facebook

Von den 4 bei Twitter aktiven Kandidaten sind immer noch nur 3 (Kandidat 2 wollte aus Datenschutzfragen nicht) auch mit einer Facebook Politiker-Page ausgestattet. Generell ist zu sagen, dass auf den Pages nur wenig Interaktion stattgefunden hat. Bei einem Kandidaten sogar gar keine.

Kandidatin 1: Sie erhält Likes von 26 Personen. Ihre Aktivitäten auf der Seite sind zumeist Termin-Updates und Foto-Uploads. Meine Anfrage (Die ich jedem Kandidaten zur gleichen Zeit schrieb) auf Ihrer Page wurde innerhalb eines Tages beantwortet. Leider sind ihre Unterstützer nicht sehr aktiv, so dass sich auf der Seite keine Diskussionen entwickeln.

Fazit: Interaktion/Antworten auf Fragen sofern erforderlich gegeben. Nutzt neben Twitter auch Facebook relativ konstant.

Kandidat 3: Hat bisher 30 Likes erhalten. Seine Seite zeichnet sich durch folgende Einzigartigkeit aus: Auf Anfragen von potentiellen Wählern wird nicht eingegangen. Ich habe dort mehrmals Fragen gestellt, zuletzt sogar sehr provokant, doch eine Antwort lässt bis heute auf sich warten. Nun dies zeigt zumindest, dass der Kandidat seine Linie von Twitter auch bei Facebook beibehält. Auch dass man als Landingtab auf der Pinnwand landet, jedoch zunächst nur seine Beiträge sieht, bestätigt dies.

Fazit: Wer in sozialen Netzwerken als Politiker aktiv ist, aber geflissentlich die Fragen der User ignoriert, macht meiner Meinung nach etwas falsch, in diesem Fall finde ich, sogar alles falsch. Durchgefallen, setzen, sechs.

Kandidat 4: Hat die meisten Likes – 65. Trotz des nur mäßig geshoppten Bildes erhält der Kandidat viel Unterstützung auf Facebook. Leider gibt es jedoch nur wenig Interaktionen dort. Meine Frage wurde ebenfalls innerhalb von 24 Stunden beantwortet.

Ein Teil meiner Fragen wurden jedoch nicht auf Facebook, sondern auf Twitter beantwortet, zunächst auch ohne @-Reply. Dass man Fragen am besten dort beantwortet, wo sie gestellt werden, wurde diesem Kandidaten gesagt. Daraufhin hat er eine kurze Zusammenfassung auf der Facebook-Page online gestellt. Leider ist der Kandidat nicht nur bei Twitter, sondern auch bei Facebook seit dem 31.08. nicht mehr aktiv gewesen.

Fazit: Beantwortet Fragen, reagiert auf Fehlerhinweise, ist jedoch nicht ganz konsequent in der Nutzung.

Fazit insgesamt:

Man muss natürlich bedenken, dass Lingen keine Social Media Hochburg ist, eher das Gegenteil. So ist das Engagement der Kandidaten schon verwunderlich. Ausschlaggebend für die Wahl wird es meiner Meinung nach wohl kaum sein.

Die Nutzung der Kommunikationskanäle variiert von reinen Newsfeeds bis hin zu ernsthafter Interaktion/ Dialogen. Wenn ich für mich bestimmen müsste, wer im Social Web die beste Figur macht… Nun, ich denke das sollte mittlerweile klar sein. Konstante Aktivität und Bereitschaft zu Dialogen an mehr als nur einem Tag. So sollte meiner Meinung nach Social Media Engagement aussehen.

Doch gerade in Lingen wird dieses Engagement wohl kaum ausschlaggebend sein.

14 Antworten auf „Abschlussanalyse – Social Media Engagement der Lingener OB-Kandidaten“

  1. Ich hab den Artikel zwar nur überflogen, aber im Endeffekt scheint das ebenfalls zu belegen, dass die Kombination aus Lokalpolitik und Social Media wirklich noch in den Kinderschuhen steckt. Es wäre aber durchaus interessant die einzelnen Kandidaten mal zu fragen, was sie daraus schließen und ob sie nach heutigem Stand ihr Engagement in sozialen Medien beibehalten oder sogar erweitern wollen.

    1. Also bei K 4 ist seit dem 12 Sept. nicht mehr bei Twitter zu lesen, ich vermute das wird sich auch nicht mehr ändern.

      Das Team von K 3 hat es immerhin am „Morgen danach“ noch geschafft eine (letzte?) Nachricht bei twitter abzusetzen. Als Unterlegener bleibt abzuwarten, wie er bzw. sein Twitter/Wahlkampf-Team sich weiter verhält.

      Vom Gewinner der Wahl, K 2 kam bisher auch noch nichts seit dem Wahlsonntag. Er steht für mich unter besonderer Beobachtung, da ich mich über etwas mehr inoffizielle, aber direkte Bürgernähe aus dem Rathaus sehr freuen würde.

      K 2 twitterte eifrig weiter. Interessant, also auch interessant zu folgen. Zurzeit die interessanteste von allen.

      Oder? Ich freu‘ mich auf Deine Analyse, David!

    1. Hi!

      Für das Interview würde ich dir übrigens die persönliche oder zumindest telefonische Form empfehlen. Sonst antworten entweder nur „Agenturen“ – das Gerücht hab ich jetzt bei Kandidat Nr. 3 nämlich gehört, oder die Webmuffel gar nicht. Oder wie siehst du das selbst?

      VG

  2. Richtig interessant wird es doch erst, wenn die Wahl vorüber ist. Wer macht weiter? Wer nicht? Gerade mit den KoMa Studenten vor Ort wäre es doch ein interessanter Schritt; auch oder vor allem um ein modernen Lingen zu repräsentieren.

    Also, falls nicht ohnehin schon geplant, bitte auch in 4 Wochen noch mal eine Analyse!

  3. Ich vermute, daß so ein Wahlkampf sehr anstrengend ist. Wenn ich mir vorstelle, all diese Termine und all die Anfragen – teils nicht sehr freundlich, die dort auf einen einprasseln, müßte ich absolvieren, so könnte ich mir sehr gut vorstellen, daß ich Twitter auch vernachlässigen würde. Da sollten wir Gnade vor Recht walten lassen.

    Natürlich stellt sich die Frage, weshalb fängt man dann überhaupt damit an? Andererseits, vielleicht probiert „man“ es mal aus, weil man vorher nicht wußte, wie interaktiv Twittern ist? Find ich persönlich auch okay, auch wenn es natürlich seltsam anmutet. (Mit Facebook kenne ich selbst mich gar nicht aus.)

    Das Verhalten von Kandidat 3 ist natürlich absolut nicht okay, also wirklich NIE zu reagieren, während sich die Kandidaten 2 und 4 zumindest bemüht haben. Kandidatin 1 möchte ich jedoch für die Aufgabe, die sie zu bewältigen hat (alle haben ja schließlich auch noch einen Beruf, und das Leben geht ja ansonsten auch weiter), geradezu vorbildlich nennen. Mir hat sie immer geantwortet!

  4. Dazu noch eine Ergänzung: Ebenfalls finde ich es in Ordnung, nicht persönlich zu twittern. Daß man beim Wahlkampf von einem Team unterstützt wird, ist nichts Anrüchiges. Solange man nicht so tut, als ob man persönlich schreibt, finde ich das auch okay. Dann sollte man den Twitterer aber autorisieren zu antworten.

    @ Julian Grandke: „im Endeffekt scheint das ebenfalls zu belegen, dass die Kombination aus Lokalpolitik und Social Media wirklich noch in den Kinderschuhen steckt.“
    Ganz sicher! Alles andere wäre ja fast ein Wunder. Dennoch glaube ich, daß aus dem gezeigten Verhalten gewissen Schlüsse gezogen werden können. Kandidat 3 antwortete gestern – sofern ich das wirklich richtig verstanden habe – auf die Frage, wieviel Bürgerengagement er sich wünscht (oder so ähnlich) irgendetwas von wegen „alle fünf Jahre sind Wahlen, da haben die Bürger die Möglichkeit, sich zu beteiligen“. Oder habe ich das falsch verstanden? Es würde ja zu dem Verhalten beim Twittern passen: „Ich hau was raus, ihr könnt’s lesen. Was ihr schreibt, ist mir wurscht.“

  5. Kandidat 3 hat noch eine weitere Möglichkeit der Wählerwerbung im Internet gefunden.
    Die gute alte Spam-Mail. Diese geht gleich im ersten Satz los mit „Bitte diese Mail an möglichst viele Lingener weiterleiten! Danke!“.
    Angemeldet habe ich mich für so einen „Service“ nie, woher die meine E-Mail haben? Keine Ahnung. Hat die Mail noch wer bekommen?
    Immerhin hat es trotzdem nicht für die absolute Mehrheit gereicht.

    1. Sollten tatsächlich mehrere Leute diese Mail ohne vorherige Einverständniserklärung erhalten haben, sollte Kandidat 3 aufpassen, nicht wegen Spamming verklagt zu werden. Das kann schnell sehr teuer werden und die politische Karriere würde davon auch nicht unbedingt profitieren…

      1. Ich hatte von „Kandidat 3“ übrigens Wahlwerbung im Briefkasten, obwohl ich mehrere dicke Aufkleber „keine Werbung“ am Kasten habe!

  6. Ich rege hier mal eine Betrachtung nach 6 Monaten an. Gerade auch, weil in 6 Monaten wieder Wahl(kampf) ist. Würde mich freuen, wenn Du das wieder aufgreifst.

    1. Ich muss gucken, ob ich die Zeit dazu finde. Sitze gerade mehr oder weniger in meiner Abschlussarbeit. Interessant ist ja, dass der Twitter-Account von unserem OB nicht mehr existiert. Was soll das denn, fragt sich da der eine oder andere – zu recht!

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