Privat oder nicht privat – Wie nutzt man Facebook?

Heute geschah etwas Grauenvolles: Facebook war nicht erreichbar. Die Produktivität stieg rapide an, einige suchten schon den nächsten Baumarkt auf, um Farmville auf die reale Welt zu übertragen.

Viele wichen auf altbekannte Kommunikationskanäle aus: Twitter, Skype und manche sollen sogar Emails geschrieben haben!

Doch inmitten der kopflosen Panik stolperte ich über diesen Tweet:

Ich persönlich nutze Facebook seit einiger Zeit sowohl privat als auch „beruflich“. Bisher meistens als Ergänzung zu Twitter. Auch einige andere halten es bereits wie ich, aber viele zögern noch. Verständlicherweise!

Wie oft liest man doch von Mitarbeitern, die ihren Job wegen eines Kommentars bei Facebook verloren haben. Bedenkt man, wie sorglos manche mit Informationen und Meinungsäußerungen bei Facebook umgehen, dürfte es einen nicht verwundern.

Etwas, was auch mir sorgen bereiten würde, ist der „transparente Mitarbeiter„. Was tun, wenn der Chef einem die Freundschaftsanfrage sendet? Wie reagiert man am besten? Ablehnen oder annehmen? Diese Fragen stellen sich viele Angestellte. Zurecht.

Doch trotz oder gerade wegen dieser immer wiederkehrenden Berichte habe ich mich dafür entschieden, Facebook auch für Kontakte aus „der Branche“ zu öffnen.

Natürlich kann man gefeuert werden, wenn man sich über den Chef lustig macht. Aber wenn man nur kurz den gesunden Menschenverstand anstellt, sollte einem klar werden, dass solche Kommentare bei Facebook absolut nichts verloren haben.

„Aber es geht doch nur mich und meine Freunde was an, was ich über meinen Chef denke!“ mögen jetzt vielleicht einige sagen. Ja, dann sollte es aber auch im Freundeskreis geäußert werden – in der realen Welt. Facebook benutzt den Begriff „Freunde“ und meistens kennt man diese „Freunde“ aus der realen Welt. Aber Facebook ist nur begrenzt privat. Man gibt schließlich auch keine Zeitungsannonce mit Namen und Bild auf, in der man seinen Chef niedermacht, oder?

Natürlich ist es im ersten Moment etwas unangenehm, wenn der Chef die Freundschaftseinladung schickt. Aber wofür gibt es Listen? Man kann einstellen, was der Chef sehen darf und was nicht. Wer will schon vom Chef im Bikini am Strand von Mallorca gesehen werden? Ich nicht! 🙂 Ausserdem hat es auch etwas schmeichelhaftes, wenn der Chef auch in sozialen Netzwerken den Kontakt zu mir sucht.

Ich habe mich letztlich bewusst für eine Öffnung von Facebook über das Private hinaus entschieden. Nicht nur, dass Facebook-Kontakte einen anderen Stellenwert haben als Twitter-Follower (gut, ein Xing/LinkedIn-Kontakt ist auf einer noch anderen Ebene), nein, ich bin der Meinung, dass man über Twitter nur einen begrenzten Eindruck von mir gewinnen kann. Ich sehe in Facebook eine Chance, mich als ganze Person darzustellen, um potenziellen Arbeitgebern einen guten Eindruck von mir zu verschaffen. Aber nicht nur das, auch ich erhalte einen Eindruck von potentiellen Arbeitgebern. Oder Kollegen.

Heutzutage ist es kein Problem auch mal von zu Hause aus zu arbeiten. Der Ort, an dem sonst die private Zeit verbracht wird, wird also immer öfter auch zum Arbeiten genutzt. Warum sollten virtuelle Orte, oder Netzwerke, dann nicht auch für die Arbeit genutzt werden? Überwiegt der Nutzen, den man aus einer „dualen“ Verwendung von Facebook resultieren nicht das Risiko? Bei Xing ist es normal, dass dort berufliche Kontakte geknüpft werden, weil es ein „Business Network“ ist. Dort heißt es auch nicht „Freund“ sondern „Kontakt“. Aber ist wirklich so ein großer Unterschied zwischen Facebook und Xing?

Es bedurfte einer „Freundschaftsanfrage“ einer Person, die ich auch unter weitgedehnter Definition des Begriffs „Bekannter“ nicht darunter fallen würde, sondern definitiv unter die Kategorie „beruflich“ fällt, um die Hemmschwelle zu überwinden. Doch danach ging es fast wie von selbst. Vielleicht probiert ihr es ja auch?

10 Antworten auf „Privat oder nicht privat – Wie nutzt man Facebook?“

  1. Interessante Zusammenfassung. Die Beweggründe Facebook für sein Business zu nutzen sind mir soweit auch klar. Was mich bloß stört, aber vielleicht blicke ich an dieser Stelle auch durch die Privatsphäre-Einstellungen nicht ganz durch, dass man Inhalte nicht in gewisser Weise nur für bestimmte Leute veröffentlicht (was mit dem Listen-Feature doch leicht realisierbar sein müsste). In gewisser Weise halte ich so etwas wie hier beschrieben für eine gute Lösung: http://www.neunetz.com/2010/08/24/facebook-muss-und-wird-twitters-follower-prinzip-als-option-anbieten/

    Was Kontaktanfragen angeht wäre so etwas wie bei LinkedIn auch nicht schlecht, wo man angeben muss, woher man den Kontakt kennt. Ich bekomme in letzter Zeit so viele Freundschaftsanfragen mir unbekannter Personen, die keine Nachricht beilegen, bei denen es sich aber eindeutig um Business-Anfragen hält.

    Ich werde zumindest weiter grübeln, aber ich bin gespannt was die anderen Leute zu dieser Diskussion sagen.

  2. Das ging schnell. Vielen Dank, dass Du Deine Gedanken zu diesem Thema mit uns teilst. Sehr guter Beitrag, wie ich finde. Habe mir seit heute nachmittag, als ich den Tweet abgesetzt habe, noch viele Gedanken zu dem Thema gemacht. Ich habe seit einiger Zeit diverse Freundschaftsanfragen auf der Warteliste, bei denen ich mir einfach nicht sicher war, ob ich sie annehmen soll oder lieber nicht.

    Bisher wollte ich Facebook halt wirklich nur für echte Freunde und Bekannte nutzen und Bekanntschaften aus dem Internet oder berufliche Kontakte auf Xing und Twitter pflegen. Nicht zuletzt dein Beitrag und die Antworten auf meinen Tweet haben mir aber die Augen dahingehend geöffnet, dass es schwer ist eine klare Trennlinie zwischen privatem und beruflichem zu ziehen. In vielen Fällen vermischt es sich doch sehr. Insbesondere bei einem Beruf in unserer Branche.

    Die Vorteile, die ich durch eine Verweigerung der Öffnung von Facebook für „berufliche Kontakte“ verpassen würde scheinen doch zu groß. Und wenn man sich einmal etwas Zeit nimmt und alle Kontakte (ab jetzt von mir nicht mehr „Freunde“ genannt 😉 ) in sinnvolle Listen sortiert, hat man eine relativ gute Kontrolle darüber, wer welche Inhalte sehen kann. Natürlich sollte trotzdem immer sorgfältig überlegt werden, was man im Internet postet. Aber ist doch gut, dass es Dinge gibt, die man nur face-to-face besprechen sollte – ansonsten würde man sich vielleicht bald gar nicht mehr im realen Leben treffen.

    Also nochmal vielen Dank für den Beitrag. Werde Dir gleich mal eine Freundschaftsanfrage senden…

  3. Danke David, Du hast es mal wieder gut auf den Punkt gebracht. Auch ich habe mich anfangs sehr schwer getan, da das Wort „Freund“ für mich immer eine ganz klare Definition hatte und ich den Begriff „Freundschaft“ nicht inflationär gebrauchen wollte. Ich habe folglich zunächst wirklich nur Freunde in Facebook bestätigt und mich gewundert, dass Anfragen von Leuten kamen, die noch nicht mal meinen Rufnamen wussten. Inzwischen hat sich meine Einstellung an dieser Stelle etwas liberalisiert. Ich habe kein Problem mehr, meinen Facebook-Account auch für berufliche Kontakte zu öffnen, da es Leute gibt, die nicht auf Xing sind, bzw. nicht alle auf allen Netzwerken adäquat vertreten sind. Dafür habe ich nach meiner letzten Geburtstagsfeier lange nachgedacht, ob ich die Fotos auf Facebook veröffentliche, mich dann aber letztendlich dagegen entschieden.

  4. Hallo David,

    erstmal mein Kompliment zu Deinem ja noch recht jungen Blog. Sowohl Deine Themenwahl als auch Deine „Schreibe“ gefallen mir. Es wird also höchste Zeit, dass ich mich einmische 🙂

    Wie Du schon von unserem Austausch auf Twitter weißt, behandelt Dein heutiger Artikel eine Frage, die ich mir auch gerade stelle.

    Im Moment ist bei mir noch eine deutliche Aufteilung zwischen Facebook, Twitter und Xing zu sehen. Während ich Xing und Twitter für „berufliche“ Zwecke nutze, dient mir Facebook in erster Linie für die Vernetzung mit Freunden.
    Tatsächlich ist diese Aufteilung aber fließend. So habe ich z.B. eine Freundschaftsanfrage, die ich auf Facebook von einem Twitter-Kontakt (mit dem ich über DMs und @Replies in Kontakt stand) bekommen habe, gerne bestätigt. Auch bin ich mit ehemaligen Kollegen aus einer Agentur, bei der ich ein Praktikum gemacht habe, „befreundet“. Bei mir scheint also vielleicht gar nicht die Abgrenzung Facebook vs. Xing/Twitter = privat vs. beruflich treffend. Ich denke, es ist eher eine Abgrenzung nach „Tiefe“ der bisherigen Beziehung zu Kontakten und Freunden. Leute, mit denen ich auch offline in Kontakt stehe oder stand, treffe ich bisher auf Facebook, reine Online-Kontakte auf Twitter/Xing. Hier wird es in Zukunft wohl tatsächlich so sein, dass die Sphären zunehmend verschmelzen und man immer mehr berufliche Kontakte auch außerhalb der eigenen Kollegen und Kunden in der Offline-Welt trifft (Konferenzen usw.).

    Die Privatsphäre ist für mich übrigens bei dieser Frage kein entscheidendes Kriterium, da ich, wie Du in Deinem Artikel ja auch schreibst, die Berechtigungen individuell einstellen kann und mir sowieso vorher Gedanken mache, was ich veröffentliche und was lieber nicht (das trifft auf Facebook, Xing und Twitter zu).

    Ein Aspekt war für mich allerdings die Frage der Redundanz. Bisher habe ich für mich noch nicht die Frage geklärt, welche Inhalte, die ich twittere auch auf Facebook poste und umgekehrt. Im Moment ist es so, dass ich bei Twitter zwar nicht ausschließlich, aber hauptsächlich über Fachthemen wie PR, Medien, Social Media (und Fußball 🙂 ) schreibe, während meine Einträge und Kommentare bei Facebook sich weniger damit beschäftigen (na gut, mit Fußball schon). Grund ist übrigens nicht der vermeintliche Arbeitsaufwand, da mir klar ist, dass ich die Vorgänge leicht automatisieren kann. Es ist wie gesagt die Frage der Redundanz und der „Übersichtlichkeit“ (dieser Begriff trifft es irgendwie nicht zu 100 Prozent) für mich, aber auch für meine Follower oder Freunde. Wie machst Du das denn? Alles, was Du twitterst, auch bei Facebook posten (für alle oder nur für „berufliche“ Kontakte?) oder z.B. nur ausgewählte Tweets?

    Interessant finde ich Deinen Gedanken, dass Facebook-Kontakte einen anderen Stellenwert haben als Twitter-Follower. Das würde ich unterstreichen, wobei DMs, RTs und @Replies ja durchaus auch auf Twitter einen Austausch zulassen, der über das reine Folgen und Mitlesen hinausgeht. Gerade hier ist für mich spannend, ob Du eine Abgrenzung zwischen den Leuten machst, denen Du auf Twitter folgst und denen, mit denen Du Dich auf Facebook „anfreundest“. Reicht es Dir z.B., dass Du eine Person und die Inhalte, die sie auf Twitter von sich gibt, interessant findest, um Dich auch auf Facebook mit ihr zu vernetzen? Oder sind es eher Leute, mit denen Du per Mail, DMs, häufige @Replies, Blog-Kommentare o.ä. einen Kontakt hattest, der über das reine Folgen auf Twitter hinausgeht?

    Mein Fazit: Ich werde mir nochmal Gedanken machen, tendiere im Moment aber zu einer Öffnung meiner Facebook-Aktivitäten. Bin auf weitere Beiträge gespannt.

    Gruß
    Nicolai

  5. Hallo Nicolai,
    Du sprichst das Thema Redundanz an, was ich einen interessanten Aspekt finde. Wenn man sich auf die sozialen Medien einlässt, ist dies schon recht zeitaufwendig. Für Leute, die es nicht beruflich tun, lassen sich die unterschiedlichen Kanäle so schon kaum noch bedienen und redundant schon gar nicht. Es gibt eine Anwendung, um ausgewählte Tweets direkt in Facebook zu posten, aber ich denke, dass wird dem Medium nicht gerecht, da die Kommunikation in 140 Zeichen eine ganz andere ist als man sie normal wählen würde. Mein Fazit ist, dass man die unterschiedlichen Kanäle weiterhin unabhängig bedienen muss und dabei unterschiedliche Personenkreise anspricht. Die dabei entstehenden Redundanzen sind nicht vermeidbar sowie auch sich auch nicht vermeiden lässt, dass bestimmte Informationen „zwischen den Kanälen“ verloren gehen.
    Viele Grüße
    Denise

  6. Hallo Denise,

    ich denke auch, dass es theoretisch sinnvoll wäre, Facebook und Twitter separat zu bedienen. Praktisch habe ich den Eindruck, dass die meisten es nicht tun, wobei es, wenn man auf beiden Kanälen die selben Leute anspricht, ja durchaus verständlich ist.

    Viele Grüße
    Nicolai

  7. @Julian ich verstehe dich sehr, wenn du sagst, dass du Freundschaftsanfragen von unbekannten Leuten bekommst ohne eine Begleitnachricht. Soetwas finde ich auch immer blöd. Ich finde es gehört zum guten Ton, dass man sich kurz vorstellt, wenn man sich noch nicht kennt. Die Lösung mit den Listen finde ich eigtl. ganz gut.

    @Lüder freut mich, dass ich dir in deiner Entscheidung helfen konnte. Ich denke auch, dass die Chancen bei Facebook einfach überwiegen. Daher habe ich auch dort eine Öffnung für nicht private Kontakte vorgenommen. Es dauert vielleicht etwas, die „Freunde“ zu sortieren, aber danach läuft es. Erinnert mich ein wenig an die Grundeinstellung von iTunes damals… 😉

    @Saskia du sprichst einen wichtigen Punkt an. Nicht jeder ist bei Xing angemeldet. Daher hat man unter Umständen tatsächlich gar nicht die Chance ausserhalb von Facebook Kontakt zu manchen Leuten aufzubauen. Ich habe den gleichen „Facebook-Werdegang“ wie du. Zuerst nur Freunde, die ich auch offline kannte, als Kontakte – später dann auch online-Kontakte hinzugefügt. Nun ist es bunt vermischt.

    @Nicolai Vielen Dank für das Kompliment, freut mich, dass dir meine Schreibe gefällt. So wie ich es verstehe geht es bei dir wirklich nicht um die Frage privat vs. beruflich. Zu Anfang hatte ich auch eher Kontaktanfragen von Leuten, mit denen ich auf anderen Kanälen bereits in irgendeiner Art interagiert hatte. Doch nach und nach kamen auch sog. „Kaltkontakte“ hinzu, die ich vorher kaum kannte, sich aber nett vorstellten in der Kontaktanfrage.
    Zum Thema Redundanz: Ich nutze selective Tweets für die Verknüpfung von Twitter mit Facebook. So kann ich im Tweet auswählen, ob dieser auch bei Facebook erscheint. Kosten: 3 Zeichen des Tweets (#fb). Ich habe durchaus viele Kontakte die bei Twitter (zum Teil sehr) aktiv sind auch bei Facebook. Und ich lese selber auch auf Facebook oft die Tweets dieser Leute ein zweites Mal. Das lässt sich oft nicht vermeiden, weil wir alle mehr als nur die Twitter-Kontakte bei Facebook haben. Die Schnittmenge der Leute, die also Informationen doppelt lesen (Twitter+Facebook) ist meistens im Vergleich zur Menge der Leute die nur eine der Informationen lesen klein.

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