Die Vorarbeit zur Aufklärung?

In meinem letzten Beitrag hatte ich eine Informationsveranstaltung zu sozialen Netzwerken und minderjährige Nutzer angekündigt, die am 19.08.2010 im Lingener IT-Emsland stattfand.

Von Neugier getrieben habe ich diese Veranstaltung besucht, darauf gefasst, dass dort über das „böse Internet“ gesprochen wird und die Eltern später mit dem Gedanken heimfahren sollten, dass ihre Kinder am besten gar keinen Kontakt zu Computern mehr haben sollten.

Ich muss zugeben, so schlimm wie erwartet war es nicht. Doch wenn etwas nicht „so schlimm wie erwartet“ ist, heißt es leider nicht automatisch, dass etwas gut ist.

Viel Hoffnungen setzte ich in den Medienpädagogen der niedersächsischen Landesmedienanstalt Carsten de Groot. Gespannt erwartete ich seine Sicht auf soziale Netzwerke, welch Potential dort verborgen ist, wenn der Nutzer es richtig anstellt. Also wie man, dank vorhandener Medienkompetenz, nicht nur soziale Netzwerke, sondern das Internet (vor allem das Web 2.0) zum eigenen Nutzen verwenden kann.

Leider wartete Herr de Groot eher mit Zahlen und Fakten zu jugendlichen Internetnutzern und Haushalten allgemein auf, als über Chancen und Risiken zu sprechen. Dass heutzutage fast überall ein Internetzugang vorhanden ist, sollte doch klar sein…

Auch die anderen Vorträge haben den Eltern wohl kaum helfen können, da die „minderjährigen Nutzer“ um die es ging, kaum das regionale Netzwerk nutzt, das als Beispiel diente. Der Polizei muss ich zu Gute halten, dass keine reine Panikmache den Vortrag durchzog. Es wurde sehr deutlich auf Gefahren bei Online-Chats hingewiesen, leider fehlte mir jedoch der Bezug zu sozialen Netzwerken. Im späteren Gespräch mit dem Referenten erfuhr ich, dass die Polizeidirektion erst kürzlich einen Experten für das Web 2.0 hat finden können, so dass dies erst erarbeitet werden müsse. Das Social Web ist halt noch sehr jung (in Beamtenzeitrechnung).

Insgesamt machte der Infoabend auf mich eher den Eindruck einer Vorbereitungsveranstaltung für folgende eigentliche Infoabende, bzw. Aufklärungsveranstaltungen. So wurden die Eltern nach einer kurzen Podiumsdiskussion in den Abend entlassen. Etwas für das Thema sensibilisiert, doch nicht wirklich aufgeklärt.

Ob sich hieraus nun Infoabende entwickeln, in denen gezielt auf Risiken, vor allem aber auf Chancen eingegangen wird?

Noch etwas harscher als ich, sah es ein anderer Besucher des Infoabends. In vielen Punkten muss ich mich einfach anschließen. Sein Resümee des Abends zeigt vor allem den geringen Nutzen für die anwesenden Eltern. Ob ich bereits Kommunikationsexperte bin, weiß ich aber nicht…

6 Antworten auf „Die Vorarbeit zur Aufklärung?“

  1. Ja schade. Wenngleich auch nicht der Nutzen im Vortrag behandelt wurde, hätte doch schwerpunktmässig zumind. das Risiko – auch im Hinblick auf Online Reputation für den beruflichen Werdegang – eingegangen werden müssen.
    Sind die Folgeveranstaltungen kostenfrei…?^^

    Gruß Birgit

    1. Manche Risiken wurden erwähnt, die üblichen „Soll der Chef mich beim Saufen sehen?“, „Finde ich in 10 Jahren Partybilder von mir noch gut?“, etc.

      Folgeveranstaltungen müssen erst einmal stattfinden!

      Gruß,
      David

  2. Wenn ich die beiden Blog-Einträge lese, schein ich dann auch nicht viel verpasst zu haben, hatte zwar die Einladung auch in der Hand, habe aber anhand der Einladung und wegen anderen Umständen dann aber entschieden doch nicht hinzugehen.

    Ich gebe David in dem Punkt Recht, dass man im Social Web Chancen und Risiken hat, man kann die Netzwerke unproduktiv an sich vorbeirauschen lassen, man kann aber auch einen echten Nutzen rausziehen ( es ist schon des öfteren vorgekommen, dass Leute durch ein gut gestaltetes Profil schon neue und besserbezahlte Arbeitsplätze oder Ausbildungsplätze gefunden haben).

    Aber zurück zum Thema:

    Ich denke auch, dass man so ein komplexes Thema nicht in einer Abendveranstaltung abfrüstücken kann (bin selber Moderator in verschiedenen nicht ganz irrelevanten studiVZ-Gruppen und seit einiger Zeit in verschiedenen sozialen Netzwerken aktiv), dass wäre zu oberflächlich.

    Wie ich in Max Koops Blogeintrag gelesen habe, wurde nicht auf schülerVZ/studiVZ eingegangen (schade!), weil sich dort die meisten Schüler tummeln.

    Ich bin auch der Meinung, dass eine gesamte Veranstaltungsreihe rund um das Thema angebracht wäre, gerade um tiefgründig auf do’s and don’ts in derartigen Netzwerken und über Instant Messaging Programme wie MSN und ICQ etc. aufzuklären.

    Denn es ist in der Regel so, dass sich durch verbesserte und verständliche Informationslage der Eltern viele Vorbehalte von selber erledigen oder die Erklärung von Gefahren durch die Eltern erleichtert wird.

    Gruß,

    Thomas Adolf

    1. Natürlich kann man ein derart komplexes Thema nicht mit einer einzigen Veranstaltung abdecken. Da stimme ich vollkommen zu.

      Eine Veranstaltungsreihe speziell für Eltern, die zu den einzelnen Themen aufklären, wäre ideal. Ich denke auch, dass die meisten Vorbehalte sich von selbst erledigen würden, wenn die Eltern etwas genauer wüssten, was ihre Kinder aus welchen Gründen machen.

      Weiterhin würde ich aber auch von den Schulen gern sehen, dass sie für ihre Schüler ein Angebot schaffen, wodurch sie eine eigene Medienkompetenz vermittelt bekommen könnten.

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