„Social W.. was?“ – Social Media noch nicht bei Studenten angekommen?

Ah welch reißerischer Titel! Aber ungefähr so ist mein Eindruck bei vielen Studenten – ich beziehe mich hier mal auf Studenten aus dem Kommunikations-/Medienbereich – die ich kenne.

Natürlich gibt es viele, die sich damit befassen. Einige die aktiv mit dem Social Web experimentieren, ein Teil davon sind und auch langsam bekannt sind dort. Ich denke da an Daniel Rehn oder Martin Höfelmann. Andere wiederum befassen sich eher im Stillen damit. Sie haben sich „Forschungs-Accounts“ eingerichtet, um Facebook, Twitter und Co kennenzulernen, um mitzulesen aber nicht zum mitreden. Vielleicht, in (hoffentlich naher) Zukunft, werden auch sie aktive Teile des Social Webs.

Aber diese Kommilitonen, Neugierigen sind soweit es meine persönliche Erfahrung angeht eher eine kleine Minderheit. Denn die Mehrheit setzt sich nicht damit auseinander. Sie sind bei StudiVZ oder Facebook angemeldet, haben dort ihre Freunde und nutzen Social Networks wie jeder andere auch. Versteht mich nicht falsch, das ist vollkommen in Ordnung und ihr gutes Recht!

Ich kenne einige meiner Studienkollegen, die meine „dezenten Hinweise“ (Vielleicht auch nicht ganz so dezent…) auf die Möglichkeiten des Social Webs schon lange nicht mehr hören können und auch nicht mehr hören wollen. Verständlich.

Doch nun, da viele sich im Praktikum befinden, sind sie in einer ungemütlichen Situation. Als „junge Studenten“ in Agenturen oder Unternehmen, wird sofort angenommen, dass sie sich ja mit dem „neumodischen“ Ding namens Social Web auskennen müssten. Plötzlich müssen sie sich damit befassen. Müssen Bücher zu Social Media finden und lesen. Alternativ wendet sich der eine oder andere an seine Kommilitonen: „Hey, weiß jemand wo ich Informationen zu Twitter und Facebook finde?“ oder „Wer kann mir sagen was foursquare ist und wozu man das braucht?“. So oder so ähnlich lautet es dann im Buschfunk, der Facebook-Timeline oder auch direkt per Instant Messenger oder Email.

Ich gebe gerne Informationen die ich habe weiter, wenn ich gefragt werde – habe ich doch anfangs gleiche/ähnliche Fragen gestellt und bekam diese von hilfsbereiten Kommilitonen, Kontakten geliefert. Und auch ich bin noch weit davon entfernt das Social Web erfasst zu haben. Bester Beleg dafür ist, dass ich erst seit dieser Woche blogge!

Wenn also selbst ich noch lange nicht ganz im Social Web angekommen bin, von dem ich ausgehe, dass ich viel Zeit dafür aufwende, mich darüber zu informieren, gibt es nur zwei Möglichkeiten:

1) Ich mache eindeutig etwas falsch und sollte mir langsam Gedanken machen.

2) Social Media ist noch lange nicht bei uns Studenten angekommen.

Um eine kognitive Dissonanz zu vermeiden, nehme ich einfach mal an, dass der zweite Fall zutrifft. Warum ist Social Media bei uns Studenten nicht angekommen? Oder vielmehr, warum sind wir Studenten nicht im Social Web angekommen?

Ich kann nur Vermutungen anstellen, aber ein paar hätte ich da schon:

1) Der Lehrplan an den meisten Hochschulen sieht kein Modul „Social Web“ vor. Das bedeutet im Studium selbst wird – wenn überhaupt – nur nebenbei das Social Web kurz behandelt. Es ist also den Studenten selbst überlassen, sich in ihrer Freizeit damit zu befassen, sich ihre Informationen zusammen zu suchen und daraus zu lernen. Aber unsere Dozenten wissen meist nicht einmal, was es mit dem Social Web auf sich hat. Kein Wunder, ist es doch ein sehr komplexes Thema. Einige haben aber auch „Forschungs-Accounts“ eingerichtet. Das lässt doch hoffen…

2) Viele Agenturen und Unternehmen sind auch noch nicht im Social Web angekommen. Natürlich bieten einige Agenturen an, auch Social Media zu bedienen, ich habe bei manchen jedoch das Gefühl, dass es dort nur der Vollständigkeit halber steht…

Es gibt sicher einige Agenturen die hervorragende Social Media Lösungen/Integrationen in einer ausgefeilten Strategie anbieten, aber ist es schon die Mehrheit der Agenturen? Auch einige Unternehmen sind sehr gut im Social Web aktiv, haben verstanden, dass es nicht auf Absatz ankommt, sondern eher um Engagement. Im Vergleich zu den restlichen Unternehmen bilden diese jedoch auch noch eine Minderheit, oder nicht?

Da wir Studenten im Studium weder aktiv zum Social Web geführt werden (Ja ich weiß, man sollte als Studenten wissen, dass einem nicht alles vorgesetzt werden muss. Eigeninitiative und so.), noch von der Mehrheit der Praxis vorgegeben bekommen, dass man sich damit auseinanderzusetzen hat, führt es meiner Meinung nach dazu, dass wir uns nur zu einem kleinen Teil mit dem Social Web auseinander setzen.

Ich bin gespannt, wie es zu Beginn des nächsten Semesters aussehen wird. Wie viele meiner Kommilitonen dann plötzlich sagen, dass Social Media doch interessant sind. Dass man sich damit unbedingt befassen sollte. Ich denke ein paar werden es schon sein…

15 Antworten auf „„Social W.. was?“ – Social Media noch nicht bei Studenten angekommen?“

  1. Klasse Beitrag. Wir faulen Studenten ne? 😉

    Glaube eine „Hinführung“ zu Social Media im Rahmen eines Studiums wäre wohl zu viel. Zumindest in Medien und Kommunikations-fernen Studiengängen wie etwa Lehramt YX. Für Marketing, PR usw is‘ es eigentlich eine klasse Idee. Vllt wird das hier und da schon angeboten?

    Ansonsten ist Zwang immer ganz schlecht – wie du richtig gesagt hast. Entweder man interessiert sich freiwillig dafür und informiert sich oder eben nicht. Mitbekommen wird man von SM wohl in jedem Fall.

    Meine Erfahrung ist z.B., das Dienste wie Twitter (u.a.) leider immer noch als „nerdig“ angesehen werden. „boah was schreibste denn schon wieder in Twitter“ usw usw. Viele sehen den konkreten Nutzen auch nicht. Filtern von Nachrichten, schnelle Informationsbeschaffung gerade bei neuen Themen.. aufgrund dieser Vorteile glaube ich wird sich Twitter auch in Zukunft weiter durchsetzen!

    Ansonsten denke ich Facebook und Studi sind derzeit noch das höchste der Gefühle. Im Zuge der Profilierung und des Ego-Pushens kommt foursquare immer mehr hoch, man will ja schließlich DER Mayor sein 😉 wobei bei foursquare habe ich nicht wirklich einen Nutzen entdeckt und mich wieder abgemeldet.

    Grüße,
    Holger

    (hoffe ich hab nicht wieder verwirrend kommentiert haha)

    1. Hallo Holger, deinen Kommentar fand ich nicht verwirrend 😉
      Ja gut, Social Media in ein kommunikationsfernes Studium zu integrieren macht nicht unbedingt Sinn.
      Nerdig ist noch eine nette Bezeichnung fürs Twittern. Ein Prof. von mir ist überzeugt, ich wäre zu spät zur Vorlesung gekommen, weil ich noch über mein Frühstück twittern musste… Naja, ganz ernst meinte er es nicht.

      So wie du es beschrieben hast, ist es tatsächlich, Facebook und StudiVZ für den „Privatgebrauch“ mit der typischen Selbstdarstellung, mehr Social Media gibts nicht. Ein Argument dass ich in dem Zusammenhang oft höre: „Ich möchte das nur privat nutzen, warum soll ich das fürs Studium oder beruflich machen?“

  2. wie du richtig anmerkst, geht das desinteresse vieler studierenden mit der inkompetenz vieler lehrender bzgl. social media hand in hand. das problem liegt imho z.T. in der disziplin d. medien- und kommunikationswissenschaft selbst, die ihre zentralen begriffe und theorien in der massenkommunikationsgesellschaft des letzten jahrhunderts entwickelt hat, über die sie sich vielfach nach wie vor identifiziert. die verwandten praxisbereiche (pr, marketing etc.) erscheinen oftmals mehr getrieben von den entwicklungen und meinen „jetzt auch was mit facebook machen zu müssen“, als die chancen und herausforderung des netzes ernst zu nehmen – ausnahmen bestätigen die regel. dieses selbstverständnis wird natürlich implizit auch den studierenden kommuniziert.

    1. Da kann ich nur zustimmen. Viele Lehrkräfte sind einfach nicht in der Lage, uns Studenten etwas zu Social Media näher zu bringen, weil sie sich selber damit nicht auskennen.
      Da fällt mir auch sofort die Problematik bei Schulen ein, die ja auch eher selten Lehrer beschäftigen, die in der Lage sind, kompetent über das Social Web aufzuklären. Dabei sehe ich es als sehr wichtig an, dass Schüler frühzeitig eine Medienkompetenz vermittelt bekommen, da gerade die nun kommenden Generationen in einer Welt aufwachsen, in der sie von verschiedensten Medienformen quasi erschlagen werden.

      Das die Praxisbereiche oft der Entwicklung hinterherrennen und daher zwanghaft versuchen auch „etwas mit Social Media“ zu machen ist leider so, es bleibt zu hoffen, dass die Erfahrungen mit Social Media nicht auf Kosten der Kunden gemacht werden.

  3. Und genau das ist der Punkt, an dem ich nur immer wieder betonen kann, wie glücklich ich mich schätzen kann unter jemandem wie Prof. Thomas Pleil lernen zu dürfen.

    David, du hast vollkommen recht, wenn du sagst, dass die Einbindung von Social Media im praktischen wie theoretischen Part gerade in kommunikationsorientierten Studiengängen zu kurz kommt.
    Das liegt zum einen an den Lehrenden, die – sofern sie keine angewandten Experten sind – oft auch kaum die Chance haben Schritt halten zu können, da mit der Vermittlung der (klassischen) Grundlagen erst die Basis gebildet werden muss, um die neuen Medien auch unter diesem Aspekt beleuchten und verstehen zu können. Zum anderen liegt es aber auch an den Lernenden, die sich mit dem Gedanken der „privaten“ Nutzung schon schwer tun, da sie den Sinn nicht sehen.

    Aus diesem Grund hat uns Prof. Pleil auch im sechsten bzw. siebten Semester ganz direkt den Auftrag mitgegeben, uns mit diesen Techniken (Feedreader, Bookmarks, Twitter, Facebook, …) auseinanderzusetzen. Wer sein Studium wie in meinem Fall mit einem klar erkennbaren und definierten Online- bzw. Kommunikations-Aspekt abschließt, der kann und darf es sich eigentlich gar nicht erlauben keine Meinung zu einer Entwicklung/einem Tool zu haben. Und so hat mein kompletter Kurs das Twittern anfangen müssen, testweise für ein Semester, um sich einfach mit der Thematik zu beschäftigen und am Ende einen Drei- bis Fünfseiter abzugeben, wie man ein solches Tool in der Kommunikation einsetzen könnte. Wer seinen Account darüber hinaus behalten und weiterführen mochte, der durfte das genauso wie das Einschläfern des selbigen.

    Aber im Großen und Ganzen ist es tatsächlich wohl auch eine Frage der Eigenmotivation und des Wollens, die sich ironischerweise erst einstellt, wenn die Systematik hinter den Prozessen und der eigene Nutzen, der daraus entstehen kann, verstanden worden ist. Wenn kein Interesse an den Abläufen und Funktionsweisen besteht, dann erschließt sich auch nicht der Sinn und die Faszination dahinter.

  4. Aus meiner Sicht gibt es verschiedene Ebenen des Themas, z.B.:

    – die Frage der eigenen Nutzung von Social Media und die damit gemachten Erfahrungen. Dies ist eine eher private Ebene, ich sehe aber wissenschaftlich hier u.a. die Medienpädagogik in der Pflicht. Unabhängig davon bin ich für eine entdeckende Nutzung neuer Tools – also Aufgeschlossenheit, sich auf etwas einzulassen, auch wenn man nicht immer sofort durchschaut, wofür’s gut ist. Ehrlich gesagt habe ich vor ein paar Jahren mit Twitter auch begonnen ohne zu wissen, worauf es hinausläuft.
    – die Frage der professionellen Nutzung. Hier sehe ich sehr viele Anwendungsmöglichkeiten bzw. Wechselwirkungen mit bisherigen Praktiken – für Medien, die PR von Unternehmen, Behörden, NGOs etc., Marketing, Wissensmanagement, Fundraising, Bildung/Lehre (!) etc. pp.

    Vor allem der zweite Aspekt braucht aus meiner Sicht ein seriöses Fundament. Natürlich muss vieles ausprobiert und erfahren werden. Aber es gehört zu einer Hochschulausbildung, dass auch theoretische Fundamente (z.B. Netzwerktheorie) und aktuelle Forschung (z.B. Cases) das Ganze untermauern.

    Insofern halte ich ein Ignorieren von Social Media und der damit verbundenen Veränderungen der Öffentlichkeit gerade in kommunikations- bzw. medienwissenschaftlichen Studiengängen für problematisch. Ob es dazu eigene Seminare oder Vorlesungen braucht oder eine Integration in andere Veranstaltungen sinnvoller ist, diskutieren ein paar Experten auf internationaler Ebene seit längerem (ich plädiere für die Integration, denn z.B. kann ich heute keine Vorlesung zu Krisen-PR mehr anbieten ohne auf Social Media einzugehen).

    In unserem Studiengang Online-Journalismus bzw. im PR-Schwerpunkt an der Hochschule Darmstadt haben wir seit 2005 Social Media integriert. Eine Erfahrung: Das Ganze funktioniert am besten, wenn die Studenten auch ein Thema haben, sprich: sie z.B. zur PR-Branche oder zu Medien oder einem speziellen Teilthema (z.B. Social Networks, PR von NGOs etc.) bloggen, twittern etc. Insofern sehe ich hier die Dozenten in der Pflicht, mindestens bei der Entwicklung eines Themenprofils Hilfestellung zu leisten oder Vorgaben zu machen. Und letztlich (ja, ein wenig traurig): Ohne Druck geht’s nicht. Will heißen: Wenn ich als Dozent möchte, dass Studenten Erfahrungen mit dem Bloggen sammeln, tun das max. 15 Prozent, wenn ich den Ratschlag gut begründen kann. Bin ich der Meinung, es ist eine wichtige Qualifikation für alle meine Absolventen, muss ich’s zum Bestandteil der Seminarleistung machen. Statt langer Hausarbeiten kann man ohne Probleme auch mal einen Wiki-Artikel und ein paar Blogposts verlangen…

    Sehr gute Erfahrungen haben wir übrigens mit Workshops gemacht, in denen ein Dozent und zwei, drei Studenten am Semesteranfang erst mal einige Tools und Mechanismen erklären und vieles ausprobiert wird. Darüber hinaus hatten wir den Luxus, mit Daniel Rehn einen tollen Tutoren zu haben, der die weniger Erfahrenen und Vorsichtigeren an die Hand nahm…

    1. Zum Thema Medienpädagogik kann ich nur zustimmen. Ich bin der Meinung, dass sich hier in den nächsten paar Jahren deutlich etwas ändern muss, vor allem an den Schulen, damit die nachfolgenden Generationen, die in dieser multimedialen Welt aufwachsen auch wissen, wie sie sich dort zurechtfinden können. Aber es liegt meiner Meinung nach auch an uns selbst, dass wir, wie Sie bereits sagten, aufgeschlossen gegenüber den Neuen Medien sind. Und das beinhaltet auch, aufgeschlossen gegenüber einer Nutzung über das private hinaus, zumindest für uns in dem Bereich Medien und Kommunikation.

      Eine Integration von Social Media in vorhandene Studieninhalte (Krisen-PR ist ein wunderbares Beispiel) ist auch aus meiner Sicht sinnvoll. So bekommt Social Media von vornherein keinen Sonderstatus, sondern wird als zusätzliches Tool für die Kommunikation vermittelt.

      Den nötigen Druck für uns Studenten kann ich nachempfinden, ich interessiere mich persönlich für Social Media, aber so, wie ich mich nicht fürs Angeln interessiere, halten es einige Kommilitonen mit Social Media. Ich werde dies dem einen oder anderen Professor an meiner FH vorschlagen. Vielleicht setzt sich ein ähnliches Modell auch an unserer FH durch…

    1. Hallo Solveig,
      ein schönes Projekt, dass du da gestartet hast. Die Probleme liegen zwar nicht nur an den langsamen Hochschulmühlen, aber sie sind definitiv auch dort zu suchen. Ich finde es gut, dass ihr euch selbst engagiert und etwas Aufklärungsarbeit leistet.
      Spontan vermute ich, dass es bei Kulturmanagement sogar eine etwas größere Herausforderung als beim Kommunikationsmanagement sein könnte. Werde deinen Blog weiter verfolgen!

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